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UNO hält Millenniumsziele nur noch teilweise für erreichbar

Die im Jahr 2000 festgelegten Millenniumsziele sehen unter anderem eine Halbierung der Zahl der Hungernden und der Armen vor, eine Absenkung der Kindersterblichkeit um zwei Drittel und einen Stopp der Ausbreitung von Aids.

New York (afp) – Licht und Schatten bei den sogenannten Millenniumszielen: Die Vereinten Nationen sehen zwar Fortschritte im weltweiten Kampf gegen Hunger, Krankheiten und Armut. So seien bei der Bekämpfung von Malaria und Tuberkulose sowie der Behandlung von HIV-Kranken die zur Jahrtausendwende gesteckten Ziele vor Fristablauf Ende 2015 erreichbar, hieß es am Montag in New York in einem Zwischenbericht. Andere Vorhaben seien aber kaum noch realistisch.

Die im Jahr 2000 festgelegten Millenniumsziele sehen unter anderem eine Halbierung der Zahl der Hungernden und der Armen vor, eine Absenkung der Kindersterblichkeit um zwei Drittel und einen Stopp der Ausbreitung von Aids. Laut dem von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon präsentierten Zwischenbericht ist die Zielmarke bei der Bekämpfung des Hungers in Reichweite. Bereits erreicht worden sei sie beim erleichtertem Zugang zu Trinkwasser, besseren Lebensbedingungen für Slumbewohner sowie der Erhöhung des Mädchenanteils in Grundschulen.

In anderen wichtigen Bereichen dürften die Ziele hingegen klar verfehlt werden: So wurde die Sterblichkeit von Kindern unter fünf Jahren ebenso wie die Müttersterblichkeit seit den 1990er Jahren lediglich halbiert, wobei Vorsorgeuntersuchungen die allermeisten Todesfälle dem Bericht zufolge hätten verhindern können. Außerdem seien weltweit noch immer 162 Millionen Kinder chronisch unterernährt.

Ebenfalls hinter den Zielen zurück liegt die Weltgemeinschaft demnach beim Zugang zu Sanitäranlagen: Eine Milliarde Menschen hätten nicht einmal Zugang zu Toiletten und würden dadurch sowohl Infektionskrankheiten ausgesetzt als auch menschlich herabgewürdigt, heißt es in dem Bericht.

Als positive Entwicklung nennt die UNO den Schuldenrückgang der Entwicklungsländer um 75 Prozent seit dem Jahr 2000. Zudem lägen die Einfuhrzölle, die Industrienationen für Exporte aus Entwicklungsländern erheben, auf einem Rekordtief. Lobend hebt der Bericht auch das Allzeithoch bei den bereitgestellten Summen für Öffentliche Entwicklungszusammenarbeit hervor: Die Staatengemeinschaft brachte demnach im vergangenen Jahr rund 99,2 Milliarden Euro für die Entwicklungsländer auf.

Auch die Welthungerhilfe zog eine gemischte Bilanz zu den Millenniumszielen. Zwar sei die Zahl der Hungernden zurückgegangen, allerdings liege sie mit 842 Millionen Menschen „immer noch erschreckend hoch“. Gerade in afrikanischen Ländern südlich der Sahara und in Südostasien sei es sehr unwahrscheinlich, dass die angestrebte Halbierung bis 2015 gelinge. Nicht erfasst worden sei zudem der „versteckte Hunger“ von Menschen, die zu wenig Eisen, Vitamin A und andere Nährstoffe zu sich nähmen und deshalb mitunter kleinwüchsig blieben.

Die Staatengemeinschaft arbeitet derzeit an den sogenannten Nachhaltigen Entwicklungszielen, einem Nachfolgeprogramm der Millenniumsziele für die Zeit nach 2015. In den Augen der Grünen-Politikerin Claudia Roth genügen zurzeit auch Staaten wie Deutschland nicht „den globalen Anforderungen für eine gerechte und nachhaltige Entwicklung“ aller Länder. Die Bundestagsvizepräsidentin appellierte an die Bundesregierung, „faire Rohstoffpolitik“ zu betreiben und ihr Versprechen einzuhalten, 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens für die Entwicklungsfinanzierung bereitzustellen.

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