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Mindestlohn könnte massenhaft umgangen werden

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet einem Pressebericht zufolge damit, dass der ab 2015 geltende Mindestlohn mithilfe unbezahlter Mehrarbeit massiv umgangen werden könnte.

Berlin (afp) – Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet einem Pressebericht zufolge damit, dass der ab 2015 geltende Mindestlohn mithilfe unbezahlter Mehrarbeit massiv umgangen werden könnte. Rund 1,5 Millionen der heutigen Geringverdiener könnten unterm Strich weniger als 8,50 Euro pro Stunde verdienen, weil ihre Mehrarbeit nicht oder nur teilweise vergütet wird oder sie gar keine Arbeitszeit vereinbart haben, zitierte „Spiegel Online“ aus DIW-Berechnungen

Offiziell dürften diesen Kalkulationen zufolge die Betroffenen zwar von dem Lohnaufschlag profitieren, wenn sie bisher weniger als 8,50 Euro verdienen. Am Ende könnte aber wenig davon übrigbleiben, wenn Überstunden nicht abgegolten oder sogar zusätzlich angeordnet werden oder die formale Arbeitszeit einfach verkürzt wird. Grundlage der Berechnungen, die das DIW für „Spiegel Online“ vornahm, sind Daten des Sozio-Oekonomischen Panels (SOEP), einer Befragung von mehr als 12.000 Haushalten.

Der DIW-Ökonom Karl Brenke geht davon aus, dass vor allem Berufszweige betroffen sind, bei denen schnell Überstunden anfallen können. Dazu könnten Floristinnen oder Kraftfahrer zählen. Die vereinbarte Arbeitszeit weiche in diesen Berufen schon heute sehr oft von der tatsächlich geleisteten Arbeit ab. „Künftig ist das umso mehr ein Einfallstor, um die Mindestlohnregel zu umgehen“, sagte Brenke.

Gerade in Kleinbetrieben dürfte dem DIW zufolge der Mindestlohn am häufigsten missachtet werden – schlichtweg weil Geringverdiener besonders häufig in kleinen Firmen beschäftigt sind, diese Betriebe höhere Löhne oft nicht zahlen können und zugleich die Kontrollen fehlen. So ist nur ein Drittel der Geringverdiener in Unternehmen beschäftigt, die einen Betriebsrat haben.

Der von Bundestag und Bundesrat beschlossene Mindestlohn tritt am 1. Januar 2015 in Kraft, Ausnahmen einzelner Branchen sind noch bis Ende 2016 möglich. Grundsätzlich ausgenommen sind Jugendliche unter 18 Jahre und Langzeitarbeitslose in den ersten sechs Monaten einer neuen Beschäftigung.