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Ferien-Lesetipp: „Das soziale Stiftungsunternehmen“ als wirtschaftsdemokratische Reformidee

Mit „sozialen Stiftungsunternehmen“ ließe sich das Wirtschaften demokratischer gestalten und der Nutzen von Unternehmen für Mitarbeiter und die Gesellschaft optimieren. Davon ist Autor Lutz Frühbrodt überzeugt und stellt in seinem Buch „Das soziale Stiftungsunternehmen. Eine wirtschaftspolitische Alternative“ Theorie und Praxis dieser Unternehmensform vor.

Würzburg (csr-news) – Mit „sozialen Stiftungsunternehmen“ ließe sich das Wirtschaften demokratischer gestalten und der Nutzen von Unternehmen für Mitarbeiter und die Gesellschaft optimieren. Davon ist Autor Lutz Frühbrodt überzeugt und stellt in seinem Buch „Das soziale Stiftungsunternehmen. Eine wirtschaftspolitische Alternative“ Theorie und Praxis dieser Unternehmensform vor.

Danach verbinden „soziale Stiftungsunternehmen“ die Vorteile eines marktorientierten Unternehmens und einer – mitunter gemeinnützigen – Stiftung. Sie entstehen dadurch, dass ein Unternehmensvermögen vollständig an eine Stiftung überführt wird, ein Teil des jährlichen Gewinns an das Unternehmen zurückfließt und ein weiterer Gewinnanteil an die Mitarbeiter ausgeschüttet wird, die zudem weitreichende Mitbestimmungsrechte erhalten. Durch die Stiftungskonstruktion sollen einerseits demokratische Komponenten organisatorisch im Unternehmen verankert und andererseits eine informelle Kultur des Miteinanders gefördert werden.

In der Praxis hätten sich Genossenschaften zur Umsetzung sozialer und demokratischer Elemente weniger bewährt, häufig agierten große Genossenschaften wie private Unternehmen am Markt. Frühbrodt weiter: „Genossenschaften eignen sich eher für kleine Unternehmen, zum Beispiel regionale Einkaufsgenossenschaften wie Biomärkte oder regionale Energiegenossenschaften. Das soziale Stiftungsunternehmen passt dagegen nicht nur bei kleineren Unternehmen, sondern auch und besonders gut bei kleineren bis mittelgroßen Mittelständlern.“

Verbreitet ist diese Unternehmensform bisher allerdings nicht: Nach einer im Buch zitierten Erhebung aus dem Jahr 2008 gibt es in Deutschland 419 stiftungsgetragene Unternehmen. Von diesen befinden sich allerdings nur knapp 150 vollständig im Eigentum einer Stiftung und davon wiederum sind lange nicht alle Stiftungskonstruktionen von ethischen Implikationen geleitet. Dabei gäbe es bei jährlich 27.000 Unternehmensnachfolgen in Deutschland ausreichend Anlässe, eine solche Konstruktion zu verwirklichen.

Zwei mittelständische Unternehmen mit einem Jahresumsatz von jeweils etwa 100 Millionen Euro, die in ein „soziales Stiftungsunternehmen“ umgewandelt wurden, stellt das Buch ausführlich vor: Die Wala GmbH in Bad Boll, einen Hersteller von Bio-Kosmetika und Heilpräparaten, sowie die „Hoppmann Autowelt“ in Siegen. Beiden Unternehmen ist gemeinsam, dass die Stiftungsinitiatoren aus einer starken weltanschaulichen Überzeugung handelten: beim erstgenannten aus einer anthroposophischen, beim zweitgenannten Unternehmen aus einer christlichen Grundhaltung.

Mit den „sozialen Stiftungsunternehmen“ kann die „Blaupause für eine neue Wirtschaftsordnung“ aus der Unternehmenswelt kommen. Frühbrodt schreibt dazu weiter: „Die Unternehmen als Hauptakteure könnten zumindest potenziell am besten wissen, wie das Gleichgewicht zwischen freiem Unternehmertum und Wettbewerb auf der einen Seite und sozialer Verantwortung und betrieblicher Mitbestimmung auf der anderen zu erreichen ist.“

Stärken des Buches liegen in der Vorstellung eines bisher wenig diskutierten Ansatzes zu nachhaltigen Wirtschaftsstrukturen sowie in dem Eingehen auf viele Praxisfragen des vorgestellten – und in der Unternehmenswelt bisher selten umgesetzten – Modells. Von deren Problemen und Risiken ist dagegen wenig zu lesen. Der Autor Prof. Lutz Frühbrodt ist als Leiter des Studiengangs „Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation“ an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt tätig.

Lutz Frühbrodt: Das soziale Stiftungsunternehmen. Eine wirtschaftspolitische Alternative. Würzburg (Königshausen & Neumann) 2014
Paperback, 106 Seiten
ISBN 978-3-8260-5483-9

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