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Ärzte und Wissenschaftler in Sorge um Gesundheits- und Umweltnormen

Mehr als hundert Ärzte und Wissenschaftler aus ganz Deutschland haben vor der Gefährdung europäischer Gesundheits- und Umweltstandards durch das Freihandelsabkommen zwischen den USA und der Europäischen Union (TTIP) gewarnt.

Berlin (afp) – Mehr als hundert Ärzte und Wissenschaftler aus ganz Deutschland haben vor der Gefährdung europäischer Gesundheits- und Umweltstandards durch das Freihandelsabkommen zwischen den USA und der Europäischen Union (TTIP) gewarnt. In einem am Freitag veröffentlichten offenen Brief an Kanzlerin Angela Merkel (CDU) fordern sie den “Stopp der Verhandlungen über das Freihandelsabkommen sowie eine verantwortungsvolle Politik für eine nachhaltige und zukunftsfähige Gesellschaft”.

Die Politik müsse ressourcen- und umweltschonendes Wirtschaften fördern, sich für eine gentechnikfreie und ökologische Landwirtschaft stark machen. Die Standards zur Reduzierung von Gesundheitsgefährdungen durch Lebensmittel- und Umweltbelastungen müssten erhöht werden. Umwelt- und Gesundheitsrisiken müssten von industrieunabhängigen Wissenschaftlern bewertet werden, so die Forderungen der Unterzeichner.

Mit seinem Bestreben, neben dem Abbau von Zöllen vor allem unterschiedliche Standards als Handelshemmnisse zu beseitigen, wirke das Abkommen “tief in die Grundlagen unserer Gesellschaft” hinein, heißt es in dem Brief. Verhandelt werde bislang hinter verschlossenen Türen und “unter immensem Zeitdruck”. Die Bürgerinnen und Bürger seien dabei außen vor. “All dies verletzt unser Verständnis einer demokratischen Gesellschaft”, schrieben die Ärzte und Wissenschaftler.

Die Erstunterzeichner des offenen Briefs appellierten an die Kanzlerin, ihren “großen Einfluss” geltend zu machen und “den Stopp der Verhandlungen über das Freihandelsabkommen herbeizuführen”.

Die Verhandlungen über TTIP hatten im Juli 2013 begonnen. Die Schaffung einer Freihandelszone soll der Wirtschaft auf beiden Seiten des Atlantiks einen Schub geben, indem Zölle und Handelshemmnisse abgebaut werden. Kritiker in Europa befürchten aber eine Absenkung von Standards nicht nur beim Umweltschutz und im Gesundheitsbereich, sondern insbesondere auch bei Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.