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US-Tabakkonzern zu 23,6 Milliarden Schadensersatz verurteilt

Wegen des Tods ihres an Lungenkrebs gestorbenen Ehemanns hat eine US-Jury einer Frau laut ihrem Anwalt Schadensersatz in Höhe von 23,6 Milliarden Dollar zugesprochen.

Miami (csr-news/afp) – Wegen des Tods ihres an Lungenkrebs gestorbenen Ehemanns hat eine US-Jury einer Frau laut ihrem Anwalt Schadensersatz in Höhe von 23,6 Milliarden Dollar zugesprochen. Die Summe solle der US-Tabakkonzern RJ Reynolds Tobacco Company zahlen, erklärte Anwalt Willie Gary am Samstag. „Wir hoffen, dass das Urteil RJ Reynolds und andere große Tabakkonzerne dazu bewegt, nicht länger die Leben unschuldiger Menschen in Gefahr zu bringen“, hieß es in einer Mitteilung.

Michael Johnson senior, Ehemann der Klägerin Cynthia Robinson, hatte das Rauchen mit 13 Jahren begonnen und war 1996 im Alter von 36 Jahren an Lungenkrebs verstorben. Nach Angaben seines Anwalts war Johnson von Zigaretten abhängig und schaffte es nicht, mit dem Rauchen aufzuhören. In dem vierwöchigen Prozess warf Cynthia Robinson dem Konzern vor, ihren Mann nicht ausreichend vor den Folgen des Rauchens gewarnt zu haben. Für die Entscheidung des Gerichts spielte eine Fernsehsendung aus dem Jahr 1994 eine wichtige Rolle, in der Zigarettenindustrie-Manager – darunter ein Manager von Reynolds – behaupteten, dass Rauchen weder Krebs verursache noch süchtig mache. Interne Dokumente belegten dagegen, dass die Führungskräfte von RJ Reynolds zu diesem Zeitpunkt bereits um die tödlichen Risiken des Rauchens wussten.

2006 waren Urteile einer sechs Jahre zuvor eingereichten Sammelklage zu Schadensersatzforderungen aus den Folgen des Rauchens aufgehoben worden, deren Höhe sich auf 145 Milliarden Dollar belief. Derzeit sind in den USA eine Vielzahl von Einzelklagen gegen Tabakkonzerne anhängig.

Die Entscheidung der Jury in Florida fiel den Angaben zufolge bereits am Freitag. Es soll sich um eine der größten Schadensersatzsummen nach einer Einzelklage in der Geschichte des Bundesstaats handeln. Der Tabakkonzern kündigte an, das Urteil anzufechten. Mit der Einlegung von Rechtsmittel hatte die Tabakindustrie in der Vergangenheit Erfolg. So reduzierte 2011 eine Jury in Kalifornien einen gegen den Reynolds-Rivalen Philip Morris USA verhängten Straf-Schadensersatz von 28 Milliarden Dollar auf 28 Millionen Dollar.

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