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DUH-Dienstwagen-Check: Die glorreichen Sieben

Kleinwagen für den Vorstand? Nicht die Regel, für manchen sicher kaum vorstellbar und dennoch gibt es das. Frosta-Chef Felix Ahlers gibt sich mit einem VWup zufrieden und ist damit Vorreiter beim Klimabewusstsein, wenn es um die Auswahl des Firmenwagens geht. Der diesjährige Dienstwagen-Check der Deutschen Umwelthilfe hat aber noch sechs weitere Chefs ausgemacht, die eine „grüne Karte“ für glaubwürdiges Klimabewusstsein erhalten haben.

Berlin (csr-news) > Kleinwagen für den Vorstand? Nicht die Regel, für manchen sicher kaum vorstellbar und dennoch gibt es das. Frosta-Chef Felix Ahlers gibt sich mit einem VWup zufrieden und ist damit Vorreiter beim Klimabewusstsein, wenn es um die Auswahl des Firmenwagens geht. Der diesjährige Dienstwagen-Check der Deutschen Umwelthilfe hat aber noch sechs weitere Chefs ausgemacht, die eine „grüne Karte“ für glaubwürdiges Klimabewusstsein erhalten haben.

165 börsennotierte Unternehmen und ausgewählte Mittelständler hat die Umwelthilfe zu den eingesetzten Dienstwagen für Firmenleitung und Mitarbeiter befragt, in diesem Jahr aber einen weiteren Schwerpunkt auf die Flotten- und Mobilitätsstrategie gelegt. Das Ergebnis zeigt im Vergleich zum Vorjahr geringfügige Verbesserungen: Sieben Unternehmen erhielten die „Grüne Karte“ für glaubwürdiges Klimabewusstsein. Neben Frosta hat sich Bernd Köhler, Chef von Phoenix Solar hervorgetan, denn er verzichtet auf einen Firmenwagen. Für die Top-Position hat es allerdings nicht gereicht, denn der Vorteil wird von seinen Vorstandskollegen wieder zunichtegemacht. Insgesamt liegt die Flotte von Phoenix Solar mit einem durchschnittlichen CO2-Ausstoß von 122g CO2/km aber im vorderen Bereich. Auf Hybridfahrzeuge setzen Markus Conrad von Tchibo, der mit dem BMW i3 Range Extender unterwegs ist und Manfred Bender, Chef von Pfeiffer Vacuum der einen Mercedes E300 BlueTEC fährt. Die weiteren grünen Karten gingen an die Allianz, , C&A und Kaiser’s Tengelmann. Deren Chefs sind zwar allesamt mit großen Limousinen unterwegs, sie können allerdings von der niedrigeren CO2-Belastug ihrer Firmenflotten profitieren. Insgesamt 20 Unternehmensflotten halten den als Bewertungsmaßstab verwendeten Grenzwert der EU für Neuwagenflotten von 130g CO2/km ein oder unterschreiten ihn deutlich. 2013 gelang dies nur 13 der befragten Unternehmen. 42 Unternehmen zeichnete die DUH mit der „Gelben Karte“ für gute Ansätze auf dem Weg zu mehr Klimaschutz aus. Die rote Karte gibt es für Unternehmen, die keine Auskunft geben wollen oder deren Fahrzeuge die CO2-Grenzwerte überschreiten. „Während viele Unternehmenslenker immer noch nicht die Zeichen der Zeit erkannt haben und weiterhin mit übermotorisierten Limousinen unterwegs sind, ist das neue Denken bei den für die Firmenflotten zuständigen Managern vielerorts angekommen. Zu der Erkenntnis, wie wichtig es ist, mit einem klimaverträglichen Dienstwagen vorauszufahren, kommen viele jedoch immer noch zu langsam. Positiv dagegen ist die zunehmende Zahl an Firmen, die es schaffen, die CO2-Grenzwerte der EU zum Teil deutlich zu unterschreiten“, erklärt Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH. Die Beschaffung klimaschonender Dienstwagen wird zudem immer relevanter für den Gesamtfahrzeugmarkt, denn über 60 Prozent aller Neufahrzeuge werden heute gewerblich zugelassen – Tendenz steigend.

Interessant sind die unterschiedlichen Ansätze der Unternehmen, mit denen sie die Vorgaben der EU einhalten oder die eigenen Klimaziele unterstützen wollen. Diese reichen von strikten Obergrenzen, die beim Kauf von Neuwagen beachtet werden müssen, bis hin zu Dienstfahrrädern. Bei der SMA Solar Technology AG beispielsweise dürfen alle Neufahrzeuge nur maximal 120g/km CO2 ausstoßen. Meist werden die Hierachie-Ebenen auch beim erlaubten CO2-Ausstoß berücksichtigt. Je höher der Rang, umso mehr CO2-Ausstoß ist zulässig. Die Deutsche Telekom will bis nächstes Jahr den Durchschnitt der gesamten Neuwagen-Flotte auf unter 110g/km CO2 senken. Manche Unternehmen verknüpfen den CO2-Ausstoß mit einem Bonus-/Malus-System. Etwa beim Energiekonzern RWE. Wählt dort ein Mitarbeiter ein Fahrzeug außerhalb der zulässigen Grenzwerte, so wird er mit einer Ausgleichszahlung belastet. Mitarbeiter, die sich für ein Elektrofahrzeug entscheiden, bekommen die Kosten für eine Lade-Box zu Hause erstattet. Bei Beiersdorf will man mit dem Modell „Cash-For-Car“ die Mitarbeiter dazu bewegen, ganz auf einen Firmenwagen zu verzichten. Bei Tchibo wird der Kauf von umweltschonenden Fahrzeugen belohnt. Wird die zulässige CO2-Obergrenze unterschritten, darf der Wagen auch etwas teurer sein. „Altersvorsorge statt PS“ heißt das Angebot der Metro AG, mit dem für eine Umwandlung der Leasingbudgets in Altersvorsorgeprodukte geworben wird. Die Lufthansa beteiligt ihre Mitarbeiter dagegen an den Spritkosten, wenn der CO2-Ausstoß zu hoch ausfällt. Wer auf das richtige Fahrzeug setzt, braucht diese Pauschale nicht bezahlen, sie kann aber auch 100 Prozent betragen. In fünf Kategorien teilt die Lufthansa die Fahrzeuge ein.

Andere Unternehmen wollen ihre Mitarbeiter motivieren auf alternative Fortbewegungsmittel zu setzen. Bei Bertelsmann kann man anstatt eines Firmenwagens auch eine Bahncard 100 erhalten und kann damit ein Jahr kostenlos mit der Bahn reisen. Weit verbreitet sind zudem Angebote wie Jobticket oder Monatsfahrkarten für den öffentlichen Personennahverkehr. Bei der Wacker-Chemie wird sogar ein eigener Buszubringerdienst unterhalten. Dieser umfasst 56 Linien deckt einen Radius von rund 50 Kilometern ab und befördert täglich bis zu 5.000 Mitarbeiter. Immer mehr Verbreitung findet das Dienstfahrrad, eine Einrichtung, die es in manchen Konzernen schon vor Jahrzehnten gab. Konsequent geht die Telekom diesen Weg. Sie unterhält einen Pool an Leihfahrrädern in der Bonner Zentrale, E-Bikes inbegriffen, und will dieses Angebot im Laufe dieses Jahres auf 18 Standorte in sechs Städten erweitern. Zukünftig werden den Mitarbeitern auch Fahrräder oder E-Bikes in Form einer Entgeltumwandlung angeboten. Die Commerzbank verleast Fahrräder und E-Bikes an ihre Angestellten und bei Boehringer Ingelheim stehen den Mitarbeitern mehr als 2.000 Fahrräder zur Verfügung. Eine andere Möglichkeit sind betriebsinterne Mitfahrzentralen, so wie sie die Frosta AG im Angebot hat. In einer Datenbank müssen alle Inhaber von Firmenwagen ihre Fahrten eintragen. Bevor ein Mitarbeiter eine Reise beantragen kann, muss er in dieser Datenbank prüfen, ob es eine Mitfahrgelegenheit für ihn gibt. Die Allianz testet momentan ein firmeninternes Carsharing-Angebot, nutzbar auch für private Fahrten der Mitarbeiter. Schon im regulären Einsatz sind Sharing-Angebote bei der Bahn. Sie stellt berechtigten Mitarbeitern ein Mobilitätsbudget zur Verfügung, mit dem aus dem kompletten Mobilitätsangebot der Bahn (also von Call a Bike, über die Bahncard 100 bis hin zum Carsharing-Angebot Flinkster) ausgewählt werden kann, ein Firmenwagen ist aber auch möglich.

Die Ergebnistabelle des DUH-Dienstwagen-Checks und die guten Beispiele für Flottenstrategien zum Download.