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Führungskräftebefragung: Integrität wichtiger als Vertrauen

Wie ist es um das Werteverständnis in der deutschen Wirtschaft bestellt? In der neuen, inzwischen 6. Führungskräftebefragung der Wertkommission geben rund 350 Manager aus großen und mittelständischen Unternehmen Auskunft. Und die legen größten Wert auf persönliche Wertschätzung und individuelle Entwicklungsmöglichkeiten. Aber genau in diesen Punkten erkennen sie die größte Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit – nicht ohne Folgen.

Bonn (csr-news) > Wie ist es um das Werteverständnis in der deutschen Wirtschaft bestellt? In der neuen, inzwischen 6. Führungskräftebefragung der Wertkommission geben rund 350 Manager aus großen und mittelständischen Unternehmen Auskunft. Und die legen größten Wert auf persönliche Wertschätzung und individuelle Entwicklungsmöglichkeiten. Aber genau in diesen Punkten erkennen sie die größte Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit – nicht ohne Folgen.

Denn genau diese Diskrepanz hat eindeutig negative Auswirkungen auf die Motivation, so eine Erkenntnis der Befragung. In der Folge konzentrieren sich Führungskräfte dann eher auf Bonuszahlungen oder die eigene Karriere. Seit 2006 führt die Wertekommission – Initiative Werte Bewusste Führung e. V. und des Reinhard-Mohn-Instituts für Unternehmensführung und Corporate Governance der Universität Witten/Herdecke (RMI) die Führungskräftebefragung durch, um das Denken und Handeln der Entscheider in der Wirtschaft transparent zu machen. Dabei werden einzelne Aspekte immer wiederkehrend abgefragt und lassen somit eine Entwicklung erkenne, es werden aber auch Fragen aus dem aktuellen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kontext gestellt. Auffällig ist in diesem Jahr die besondere Betonung des Wertes Integrität. Von etwas mehr als 40 Prozent der Führungskräfte wird Integrität als wichtigster Wert genannt. Der Wert hat im Rahmen der Befragung eine erstaunliche Karriere gemacht und wurde von Jahr zu Jahr immer bedeutender. Als Grund sehen die Autoren der Studie vor allem die jüngsten Skandale um Manipulation, Korruption und Missmanagement in der Wirtschaft und die sich daran anknüpfende Debatte. „Es bleibt offen, ob die wachsende Zahl von Vorschriften in den Unternehmen nur die steigende Regulierungsdichte widerspiegelt oder auch den Wunsch von Führungskräften und Mitarbeitern nach integrem Verhalten reflektiert“, betont Sven Korndörffer, Vorsitzender des Vorstands der Wertekommission. „Fest steht jedoch, dass auch die ausgefeiltesten Compliance-Systeme eine werteorientierte Unternehmenskultur nicht ersetzen können“.

führungskräftebefragung

Quelle: Wertekommission – Führungskräftebefragung 2014

Bei der diesjährigen Befragung wurde neben der HR-Orientierung (Fokus auf Wertschätzung und Entwicklung von Führungskräften) das Innovationsstreben (Fokus auf Weiterentwicklung und Kundenorientierung) als wichtigste Wertedimension im Unternehmen genannt. Leistungsorientierung und interne Stabilität kamen auf deutlich niedrigere Ergebnisse. In der Realität wird von den Führungskräften jedoch gerade die Leistungsorientierung als am stärksten ausgeprägte Wertedimension erlebt. Bei der HR-Orientierung zeigt sich die größte Differenz zwischen den persönlichen Werten der Befragten im Vergleich zu den im Unternehmen erlebten Werten. Ähnlich groß ist die Diskrepanz in der Dimension Innovationsstreben. Auch hier wird die persönliche Relevanz sehr viel höher eingestuft, als die Umsetzung im Unternehmen gelingt. „Eine möglichst große Übereinstimmung zwischen persönlichen Werten der Führungskräfte und den Unternehmenswerten, auch dies zeigt die Befragung der Wertekommission, erhöht die intrinsische Motivation und fördert das eigenverantwortliche Handeln“, erläutert Prof. Ludger Heidbrink, Vorstandsmitglied der Wertekommission. „Unternehmen sind daher gut beraten, gerade den weitverbreiteten Wunsch nach Wertschätzung, persönlicher Entwicklung und möglichst großen Entscheidungsspielräumen durch eine entsprechende Unternehmenskultur zu unterstützen“, so Heidbrink weiter. Gibt es hingegen keine ausreichende Basis an gemeinsamen Werten im Unternehmen, und mangelt es in der Folge an Selbststeuerung, sind die Organisationen auf eine höhere Dichte an Vorschriften und Regeln angewiesen.

Die vollständige Führungskräftebefragung 2014 der Wertekommission.

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