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Unsoziale Arbeitsbedingungen auf spanischer Ökofarm

Auf einer spanischen Ökofarm arbeiten marokkanische Migranten zu Niedriglöhnen und mit unbezahlten Überstunden, berichtet die Wochenzeitung „Die Zeit“ in ihrer aktuellen Ausgabe. Auf den Feldern des Unternehmens Sat Cuevas Bio in der Region Andalusien würden Arbeiter aus Afrika bei bis zu 45 Grad im Sommer Melonen geerntet – an bis zu 14 Stunden pro Tag, für drei bis vier Euro pro Stunden und in Kettenarbeitsverträgen ohne Urlaub. Das Unternehmen ist Mitglied im deutschen Ökolandbau-Verbandes „Naturland“, der bei Kontrollen vor Ort einen Teil der Vorwürfe bestätigt fand.

Hamburg/Gräfelfing (csr-news) – Auf einer spanischen Ökofarm arbeiten marokkanische Migranten zu Niedriglöhnen und mit unbezahlten Überstunden, berichtet die Wochenzeitung „Die Zeit“ in ihrer aktuellen Ausgabe. Auf den Feldern des Unternehmens Sat Cuevas Bio in der Region Andalusien würden Arbeiter aus Afrika bei bis zu 45 Grad im Sommer Melonen geerntet – an bis zu 14 Stunden pro Tag, für drei bis vier Euro pro Stunden und in Kettenarbeitsverträgen ohne Urlaub. Das Unternehmen ist Mitglied im deutschen Ökolandbau-Verbandes „Naturland“, der bei Kontrollen vor Ort einen Teil der Vorwürfe bestätigt fand.

Verkauft würden die Melonen von Sat Cuevas Bio in Deutschland etwa durch die Biosupermarktkette denn’s. Das spanische Agrarunternehmen gilt in seiner Region als Pionier des biologischen Obst- und Gemüsebaus. „Die Zeit“ setzt in ihrer Recherche auf die Gewerkschafterin Mbarka El Goual Maazouzi und einen durch diese vermittelten Arbeiter von Sat Cuevas Bio, der für den Bericht den Namen Oussama Assaf erhält. „In der letzten Zeit häufen sich die Beschwerden von ökologischen Farmen“, zitiert das Blatt Maazouzi. Die Arbeiter würden unzutreffende Stundenabrechnungen unterschreiben, weil sie um ihre Anstellungen fürchteten, so Maazouzi weiter.

Assaf berichtete dem Blatt, er habe seit Jahren keinen einzigen Urlaubstag erhalten. Von Jahr zu Jahr unterzeichne er einen neuen befristeten Saisonvertrag. Durch unbezahlte Überstunden würde der Arbeitslohn von den vorgeschriebenen 5,80 Euro auf drei bis vier Euro sinken. Wer sich über die Arbeitsbedingungen beschwere, werde zur Einschüchterung auf weiter entfernte Felder versetzt. Zudem berichtete der Farmarbeiter von einem respektlosen Verhalten seines Vorgesetzten: „Wenn der Chef zu uns kommt, dann ruft er immer ‚Komm her, du Affe!‘ oder ‚Mach schon, du Hund!‘“.

Naturland erklärte zu den Vorwürfen gegen sein spanisches Mitgliedsunternehmen: „Öko und sozial gehören für Naturland zusammen.“ Die Öko-Richtlinien des Verbandes seien deshalb 2005 um Sozialrichtlinien ergänzt worden. Von dem Autor des „Zeit“-Beitrags auf die bevorstehende Veröffentlichung hingewiesen, veranlasste Naturland eine Sonderprüfung bei Sat Cuevas Bio. Dabei wurde ein Vorwurf bestätigt: Eine Vielzahl von befristet beschäftigten Arbeitern hätte durch längere Betriebszugehörigkeit ein Recht auf Festanstellung erworben:

Nach dem in der Region geltenden Tarifvertrag dürfen Gelegenheitsarbeiter maximal für elf Monate am Stück beschäftigt sein – mit einer darauf folgenden beschäftigungsfreien Phase von 30 Tagen. Wer in mehr als zwei aufeinanderfolgenden Erntekampagnen jeweils mindestens 180 Tage lang beschäftigt war, erwirbt ein Recht auf Festanstellung.

„Die übrigen Vorwürfe konnten durch die Kontrolle, bei welcher der Inspektor auch mit zahlreichen Arbeitern gesprochen hat, nicht erhärtet werden“, heißt es von Naturland. Ausweislich der Lohnlisten seien Überstunden vergütet worden, die Einhaltung der Pausenregeln müsse allerdings besser kontrolliert werden. Naturland kündigte für dieses Jahr mindestens eine weitere Sonderkontrolle in dem fraglichen Betrieb an. Zudem habe Sat Cuevas Bio den mit der Personalverwaltung betrauten externen Dienstleister gewechselt.

Und der Verband will seine Präsenz vor Ort verbessern: Ab dem 1. September wird es in Spanien einen lokalen Naturland-Beauftragten geben.

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