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Viele junge Erwachsende brechen Berufsausbildung ab

Wer erst mit 25 oder mehr Jahren eine Berufsausbildung beginnt, hält oft nicht bis zum Abschluss durch.

Nürnberg (afp) – Wer erst als junger Erwachsener eine Berufsausbildung beginnt, hält oft nicht bis zum Abschluss durch. Das zeigen Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA), die am Freitag AFP vorlagen. Demnach brach zuletzt gut jeder Dritte, der mit 25 bis 34 Jahren eine Ausbildung begonnen hatte, diese vorzeitig ab. Die BA und der DGB forderten mehr finanzielle Anreize für die Auszubildenden.

Die Fachleute der Bundesagentur für Arbeit erstellten die Datensammlung in Zusammenhang mit einem Sonderprogramm für junge Erwachsene, das im vergangenen Jahr gestartet worden war. Es zielt darauf ab, junge Leute zwischen 25 und 34, die noch keine Berufsausbildung haben, auf entsprechende Plätze zu vermitteln. Binnen drei Jahren sollen 100.000 Teilnehmer gewonnen werden. Ziel ist unter anderem die Bekämpfung des Fachkräftemangels.

Den BA-Daten zufolge, über die zuerst die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet hatte, lag die Abbrecherquote der 25- bis 34-Jährigen in Ausbildungen und anderen abschlussorientierten Qualifizierungen im März 2014 bei 36 Prozent. „Insgesamt zeigt sich eine hohe Abbruchdynamik“, heißt es in dem Papier. Über alle Altersgruppen hinweg lag die Quote etwas niedriger.

Die BA erfasste auch Gründe für das vorzeitige Ende von Ausbildungen. Bei den 25- bis 34 Jährigen waren demnach im Berichtsmonat Mai mit 39 Prozent der Fälle vor allem längere Fehlzeiten ausschlaggebend. Die Gründe für die Fehlzeiten werden allerdings nicht untersucht. 14,4 Prozent der Abbrüche erfolgten explizit wegen der Aufnahme eines Jobs.

Der für Arbeitsmarkt zuständige BA-Vorstand Heinrich Alt sagte der „Süddeutschen Zeitung“, junge Erwachsene ohne Ausbildung hielten sich „oft lieber mit kurzfristigen Aushilfsjobs über Wasser“, als sich mit einer Ausbildung zu befassen. Viele hätten bereits eine Familie und wollten ihren Kindern lieber heute als erst in drei Jahren „etwas bieten“. Alt forderte stärkere finanzielle Anreize für die Betroffenen, damit sie die Ausbildung abschließen. Möglich seien etwa Erfolgsprämien.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) schloss sich der Forderung an. Ausbildung dürfe nicht an zu geringen finanziellen Mitteln scheitern, sagte die DGB-Vizevorsitzende Elke Hannack auf AFP-Anfrage. „Wer etwas leistet, muss dafür belohnt werden, und er muss in die Lage versetzt werden, seinen Lebensunterhalt auch während der Ausbildung bestreiten zu können.“

Neben Prämien für einen erfolgreichen Abschluss komme auch ein Zuschlag infrage, „der den zusätzlichen Aufwand ausgleicht“. Auszubildende sollten zumindest nicht schlechter gestellt sein als die Ein-Euro-Jobber, die sich etwas zu den Hartz-IV-Leistungen hinzu verdienen können.

Dem Zeitungsbericht zufolge gibt es solche Prämien- und Zuschlagsmodelle bisher nur in Niedersachsen und Thüringen. In Thüringen würden für eine erfolgreich absolvierte Zwischenprüfung 1000 und für die Abschlussprüfung 1500 Euro gezahlt. Daneben gebe es einen monatlichen Zuschuss von 100 Euro. Die Abbrecherquote sei in dem Bundesland deutlich geringer.

Im Rahmen des BA-Sonderprogramms sind solche Zahlungen bislang nicht vorgesehen. Gezahlt werden stattdessen Zuschüsse zum Arbeitsentgelt und zu den Sozialversicherungsbeiträgen, um die Ausbildungsbetriebe zu entlasten. Die Auszubildenden können unter anderem Fahrtkosten und Kosten für auswärtige Unterbringung und Verpflegung sowie für Kinderbetreuung erstattet bekommen.

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