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Kann die Wirtschaft vom Profifußball lernen?

Der Springer-Verlag bewirbt sein neues Buch „CSR und Sportmanagement“ derzeit mit einer Pressemeldung unter der Überschrift „CSR und Sport: Was die Wirtschaft vom Fußball lernen kann“. Die Meldung fiel mir ins Auge, weil es immer noch umgekehrt ist: Fußballvereine profitieren von der Wirtschaft. Nicht umsonst sehen Vereine mit einem Konzern im Hintergrund – Wolfsburg etwa – in Sachen CSR besonders gut aus. Eine wachsende Zahl von Profifußballvereinen stellt sich offensiv ihrer gesellschaftlichen Verantwortung, wobei manche – was ein professionelles CSR-Management betrifft – gerade erst diesen Weg eingeschlagen haben. Ein Kommentar von Achim Halfmann

Frankfurt/Main (csr-news) – Der Springer-Verlag bewirbt sein neues Buch „CSR und Sportmanagement“ derzeit mit einer Pressemeldung unter der Überschrift „CSR und Sport: Was die Wirtschaft vom Fußball lernen kann“. Die Meldung fiel mir ins Auge, weil es immer noch umgekehrt ist: Fußballvereine profitieren von der Wirtschaft. Nicht umsonst sehen Vereine mit einem Konzern im Hintergrund – Wolfsburg etwa – in Sachen CSR besonders gut aus. Eine wachsende Zahl von Profifußballvereinen stellt sich offensiv ihrer gesellschaftlichen Verantwortung, wobei manche – was ein professionelles CSR-Management betrifft – gerade erst diesen Weg eingeschlagen haben.

Ein Kommentar von Achim Halfmann

Im Text der Meldung wird die Herausgeberin des Buches, Alexandra Hildebrandt, mit einem Statement dazu zitiert, was Unternehmen vom Sport lernen können: „Positive Bezüge finden sich vor allem im ‚Fairplay‘: den Wettbewerb, Chancengleichheit und Integrität achten statt Erfolg um jeden Preis erzielen wollen, ist das Ziel.“ Auch das fiel mir auf, denn es wäre beste CSR im Kerngeschäft – wenn es so wäre. Doch gerade wenn es um den sportlichen Erfolg geht, stehen die Vereine vor einer großen Herausforderung. Während etwa die Fanbetreuung mancherorts engagiert betrieben wird, verweisen sie in Bezug auf den verantwortungsvollen Umgang mit Nachwuchstalenten aus Afrika und Südamerika gerne auf das sogenannte „Boßmann-Urteil“ des Europäischen Gerichtshofes aus dem Jahr 1995 und erklären sich für unzuständig. Aber gerade die Verantwortungsübernahme für den spielerischen Nachwuchs wäre angesagt, wenn Integrität statt Erfolg um jeden Preis gefragt ist.

Das Thema diskutierte ich mit der Expertin eines Profivereins, die darauf hinwies: Auch die großen Vereine sind – etwa als „GmbH & Co.KG aA“ organisiert – Wirtschaftsakteure und stehen von daher unter Erfolgsdruck wie andere wirtschaftliche Akteure auch.

Wahrscheinlich ist es richtig, nicht die Wirtschaft gegen den Sport auszuspielen, sondern einen gemeinsamen Weg in eine verantwortungsvolle Zukunft zu suchen. Denn auch die Wirtschaft tut sich mit „Fairplay“ schwer: Derzeit bin ich zu Gesprächen über Themen der gesellschaftlichen Unternehmensverantwortung in Kenia. Experten des Teesektors in dem ostafrikanischen Land klagen darüber, dass für Kleinfarmer hilfreiche Innovationen von multinationalen Konzernen blockiert werden – weil sie nicht in deren Interesse liegen. „Fairplay“ ist halt weltweit und in jeder Branche eine Herausforderung.

Das Buch:

Alexandra Hildebrandt: CSR und Sportmanagement. Jenseits von Sieg und Niederlage: Sport als gesellschaftliche Aufgabe verstehen und umsetzen. 2014, 614 S., 109 Abb. Softcover
ISBN 978-3-642-54883-3

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