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Mehr als 70 Tote bei schwerer Explosion in chinesischer Fabrik

Erneut sind bei einem verheerenden Industrieunfall in China zahlreiche Menschen getötet worden. Das jüngste Unglück ereignete sich am Samstag in einer Fabrik im Osten des Landes: Bei einer mutmaßlichen Staubexplosion wurden nach Behördenangaben vom Sonntag mindestens 71 Menschen getötet und 186 weitere verletzt.

Kunshan (afp) – Erneut sind bei einem verheerenden Industrieunfall in China zahlreiche Menschen getötet worden. Das jüngste Unglück ereignete sich am Samstag in einer Fabrik im Osten des Landes: Bei einer mutmaßlichen Staubexplosion wurden nach Behördenangaben vom Sonntag mindestens 71 Menschen getötet und 186 weitere verletzt. Die Industrieanlage in Kunshan in der Provinz Jiangsu wurde teilweise zerstört.

Nach weiteren Leichenfunden meldete das Staatsfernsehen am Sonntag die gestiegene Totenzahl, nachdem zuvor von 68 Todesopfern die Rede war. Unter den Verletzten seien viele Arbeiter mit schweren Verbrennungen oder Rauchvergiftungen. Über dem Gelände von Zhongrong Metal Products Co. stand dichter schwarzer Rauch.

Die Explosion ereignete sich am Samstag in einem Fertigungsbereich für Radnabenpolitur. Das Unternehmen stellt unter anderem Autoteile für US-Unternehmen wie General Motors her. Dem Bürgermeister von Kunshan zufolge hielten sich zum Zeitpunkt des Unglücks mehr als 260 Arbeiter in der Fabrik auf. Laut Firmenwebsite beschäftigt das Unternehmen mit Hauptsitz in Taiwan rund 450 Arbeiter.

„Wir hörten eine gewaltige Explosion, wir stehen alle unter Schock“, sagte ein Wächter einer nahegelegenen Fabrik der Nachrichtenagentur AFP nach dem Unglück. Demnach ereignete sich die Explosion während des Schichtwechsels, weshalb es besonders viele Opfer gegeben habe. Vor Ort herrsche Chaos, das Gelände sei „nicht wiederzuerkennen“, schrieb ein Augenzeuge im Kurznachrichtendienst Sina Weibo.

Die Polizei riegelte die Fabrik in dem Industriegelände im Nordosten Kunshans ab, das etwa 75 Kilometer westlich von Shanghai liegt. Auch vor dem Krankenhaus, in das viele der Verletzten gebracht wurden, patrouillierten zahlreiche Polizisten. Ein Arzt am Krankenhaus Shanghai Ruijin sagte im Staatsfernsehen, von Explosionen verursachte Verbrennungen seien wegen der Infektionsgefahr eine „besondere Herausforderung“. Die Zeitung „People’s Daily“ berichtete in ihrer Internetausgabe, Sanitäter aus Shanghai seien zum Unglücksort entsandt worden, um die Opfer zu behandeln.

Weiter berichtete „People’s Daily“, dass fünf Unternehmensvertreter festgenommen worden seien. Die taiwanische Nachrichtenagentur CNA zitierte den Manager der Firma mit den Worten, die Fabrik werde „für einige Zeit geschlossen bleiben“. Nach ersten Erkenntnissen wurde die Explosion durch Staub ausgelöst, der beim Polieren von Metall entstand und mit großer Hitze oder offenem Feuer in Berührung kam, wie das chinesische Ministerium für öffentliche Sicherheit erklärte.

Die in den USA ansässige Organisation China Labor Watch kritisierte, ein Ventilationssystem hätte „eine solche Staubpartikelbildung verhindert“. „Diese Tragödie ist das Resultat laxer Sicherheitsstandards am Arbeitsplatz.“

General Motors wies die Verantwortung am Sonntag von sich: Der Konzern habe keinen direkten Kontakt mit Zhongrong Metal Products Co. Zhongrong sei ein Subunternehmen von Dicastal, einem weltweit agierenden Zulieferer von GM. Die direkten Zulieferer müssten dafür sorgen, dass auch bei ihren jeweiligen Sublieferanten die jeweiligen nationalen Umwelt-, Sicherheits- und Qualitätsstandards eingehalten würden.

China Labor Watch warf GM dagegen vor, das Unternehmen habe die „Pflicht, die Produktionssicherheit in einer Lieferantenkette sicherzustellen“ und habe „einen Anteil an dieser tödlichen Explosion“. Ein Arbeiter des Zhongrong-Werks wurde von der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua mit den Worten zitiert, dass es zwar Kontrollen gebe, anschließend sich aber niemand um die Sicherheitsregeln schere.

Bei Arbeitsunfällen wurden in China laut Statistikbehörde allein im vergangenen Jahr fast 70.000 Menschen getötet.

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