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Fairtrade-Baumwolle noch eine „Baustelle“

Seit dem Wochenende bietet das Modeunternehmen Ernsting’s family Kinderkleidung aus Fairtrade-Baumwolle an. Langarmshirts der Marke Topolino werden in allen Filialen bundesweit und im Online-Shop angeboten. Der Fairtrade-Baumwollstandard ist allerdings noch nicht fertiggestellt: Bisher bezieht er sich nur auf die im Anbau tätigen Bauern, bis Anfang 2016 soll er die ganze Produktionskette umfassen.

Köln (csr-news) – Seit dem Wochenende bietet das Modeunternehmen Ernsting’s family Kinderkleidung aus Fairtrade-Baumwolle an. Langarmshirts der Marke Topolino werden in allen Filialen bundesweit und im Online-Shop angeboten. Der Fairtrade-Baumwollstandard ist allerdings noch nicht fertiggestellt: Bisher bezieht er sich nur auf die im Anbau tätigen Bauern, bis Anfang 2016 soll er die ganze Produktionskette umfassen.

Baumwolle wird in 72 Ländern weltweit angebaut – überwiegend im globalen Süden, allein 28 Anbauländer in Afrika. Etwa 100 Millionen Haushalte leben davon. Durch Subventionen für den Anbau in den nördlichen Ländern werde der Baumwollpreis künstlich tief gehalten, kritisiert der deutsche Verein TransFair. In den USA erhielten Baumwollfarmer zwischen zwei und drei Milliarden US-Dollar jährlich an Zuschüssen, in Spanien und Griechenland seines es etwa 275 Millionen Euro.

Der Fairtrade-Standard schreibt einen festen Abnahmepreis vor und zudem eine Zusatzprämie für die regionalen Anbaugemeinschaften: Für die Kooperativen in Burkina Faso waren das 2009 pro Kilogramm Bio-Baumwolle 0,55 Euro – bei einem üblichen Marktpreis von 0,22 Euro. Hinzu kamen 5 Cent pro Kilogramm Baumwolle für Gemeinschaftsprojekte der Bauern-Kooperative. Die sogenannte Fairtrade-Prämie kann für Brunnen, Schulbänke oder Investitionen in die Gesundheitsvorsorge verwendet werden.

Wie in Burkina Faso fördert Fairtrade in mehreren Ländern Westafrikas die Umstellung auf den biologischen Anbau und zahlt einen Bio-Aufschlag. Bisher sind die weltweit produzierten Mengen biologischer Baumwolle verschwinden gering und werden der steigenden Nachfrage nicht gerecht. In den Jahren 2011 und 2012 wurden rund 27,6 Millionen Tonnen Baumwolle produziert, 138.000 Tonnen davon stammten aus biologischem Anbau.

Der Fairtrade-Standard gilt bisher nicht für die Weiterverarbeitung der so gelabelten Baumwolle, etwa für Spinnereien oder Nähereien in China, Bangladesch, Indien, Pakistan oder der Türkei. Diese müssen lediglich einen externen Nachweis über die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen erbringen. Das soll sich ändern: In diesem Jahr soll ein Standard für die gesamte Wertschöpfungskette der Baumwolle entwickelt werden, der Anfang 2016 implementiert werden kann. Mit diesem Standard sollen der Arbeits- und Gesundheitsschutz in der Baumwollverarbeitung bestärkt, die Position der Arbeiterinnen gestärkt und ein Zeitplan zum Erreichen existenzsichernder Löhne erstellt werden. Eine Road Map zur Entwicklung des neuen umfassenden Standards wurde im April 2014 festgelegt.

Außer Fairtrade engagieren sich „Cotton made in Africa“ und die „Better Cotton Initiative“ für eine sozial und ökologisch verantwortungsvolle Baumwollproduktion.

Weitere Informationen zu dem neuen Standard >> im Internet

Dibella-Video: The Fair Trail

Wie wird Faitrade-Baumwolle angebaut und auf welchen Wegen findet sie zum Verbraucher? Was bewirkt Fairtrade für die Landarbeiter in Indien? Dazu lässt ein englischsprachiges Video von Dibella die Beteiligten in Indien zu Wort kommen und bietet Einblicke in die Supply Chain der Fairtrade-Baumwolle. >> Das Video bei Vimeo

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