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Shell und Nigerias Regierung ignorieren Umweltschäden

2011 wurden die Auswirkungen einer Umweltkatastrophe im nigerianischen Ogoniland durch eine UNEP-Studie deutlich. Auslöser war die Beendigung der Ölförderung im Jahr 1993 durch den Mineralölkonzern Shell. Dieser hatte seine Anlagen ungesichert zurückgelassen, sodass in der Folgezeit ungehindert Rohöl austreten konnte, mit katastrophalen Auswirkungen. Geändert hat sich seitdem wenig, wie mehrere NGOs untersucht haben. Sie fordern die nigerianische Regierung und Shell zum Handeln auf.

Berlin (csr-news) > 2011 wurden die Auswirkungen einer Umweltkatastrophe im nigerianischen Ogoniland durch eine UNEP-Studie deutlich. Auslöser war die Beendigung der Ölförderung im Jahr 1993 durch den Mineralölkonzern Shell. Dieser hatte seine Anlagen ungesichert zurückgelassen, sodass in der Folgezeit ungehindert Rohöl austreten konnte, mit katastrophalen Auswirkungen. Geändert hat sich seitdem wenig, wie mehrere NGOs untersucht haben. Sie fordern die nigerianische Regierung und Shell zum Handeln auf.

Laut der Schweizer Umweltorganisation „Grünes Kreuz“ gehört die Region zu den zehn schmutzigsten Orten der Welt. Nach Auffassung der NGOs hat Shell das Ogoniland in einem erschreckenden Zustand verlassen. Dabei ist das Unternehmen eigentlich nach nigerianischem Recht verpflichtet, die durch die Ölförderung entstandenen Schäden und Verschmutzungen zügig zu beseitigen. Tatsächlich ist nicht viel passiert, wie die Bilanz von Friends of Earth Europe, Amnesty International, Environmental Rights Action, Platform and the Centre for Environment und Human Rights and Development (CEHRD) und BUND zeigt. In ihr werden die UNEP-Empfehlungen aus dem Jahr 2011 zusammengefasst und aufgezeigt, welche und wie wenige Maßnahmen Shell und die Regierung Nigerias bis Juli 2014 umgesetzt haben. „Das Verhalten von Shell ist an Skrupellosigkeit kaum zu überbieten“, sagt Franziska Petruschke vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland. . „Förderanlagen wurden damals entgegen aller internationalen Standards ungesichert zurückgelassen, an vielen Stellen tritt auch aktuell noch Rohöl aus“, so Petruschke. Mittlerweile ist eine Fläche so groß wie Portugal verschmutzt und ein Ende ist nicht abzusehen. Mehr als 800.000 Menschen sind von den Auswirkungen betroffen und haben größtenteils keinen Zugang mehr zu sauberem Wasser. Außerdem sind die Böden extrem vergiftet, die von der WHO festgelegten Grenzwerte werden dabei um das 900fache überstiegen. Mindestens 25-30 Jahre würde es nach Auffassung der UNEP dauern, bis das Gebiet als saniert gelten könnte. Doch dafür müsste mit den vorgeschlagenen Maßnahmen begonnen werden. Die UNEP hatte 27 dringende Maßnahmen vorgeschlagen, um die gröbsten Schäden zu beseitigen und eine weitere Verschmutzung zu verhindern. Bislang wurden nach Erkenntnissen der NGOs nur drei weniger bedeutende Maßnahmen in Angriff genommen. Denn diese beziehen sich hauptsächlich auf die Information der Bevölkerung und nicht auf die Beseitigung der Schäden. Petruschke: „Mit diesem unverantwortlichen Verhalten verletzt Shell klar elementare Rechte der lokalen Bevölkerung wie das Menschenrecht auf Wasser, Nahrung und Gesundheit. Und obwohl das United Nations Environment Programm bereits 2011 auf die Umweltkatastrophe hinwies, unternimmt Shell auch drei Jahre später keine deutlichen Schritte, um für die von ihnen angerichteten Schäden aufzukommen und das Ogoniland zu sanieren“. Erst 2013 hatten Vertreter von Shell vor Ort eine umfangreiche Bestandsaufnahme der Schäden erstellt. Aber auch die Regierung Nigerias kommt im Urteil der NGOs nicht gut weg. UNEP empfahl seinerzeit die Einrichtung eines Sonderfonds, in den Shell und die nigerianische Regierung eine Milliarde Dollar einzahlen sollten und aus dem Sanierungskosten bestritten werden sollten. Doch die nigerianische Regierung nehme ihre Kontrollpflichten kaum wahr, es fehlen technische Expertise, klare Richtlinien und Zuständigkeiten der Behörden, so das Ergebnis der NGOs. Jetzt gilt es zu handeln, so der Appell der NGOs, schließlich habe die Ölförderung in Nigeria viele Menschen reich gemacht, aber den Betroffen nur verseuchtes Land hinterlassen. Deshalb fordern sie alle Beteiligten auf, zumindest Notfallmaßnahmen, wie das Markieren verseuchter Trinkwasserquellen, sowie die Versorgung der Menschen mit sauberem Trinkwasser sofort und flächendeckend umzusetzen. Petruschke: “Danach müsse ein Plan zur schrittweisen langfristigen Sanierung des Ogonilandes erarbeitet werden“.

Zum Download:

Eine Kurzfassung der Bilanz.

Die ausführliche Fassung der Bilanz in englischer Sprache.