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Bank of America steuert auf Rekordvergleich mit US-Justiz zu

New York (afp) > Wegen dubioser Geschäfte mit Immobilienkrediten vor der Finanzkrise hat die zweitgrößte US-Bank, die Bank of America, eine Rekordstrafe akzeptiert: Sie wird laut Informationen aus Verhandlungskreisen bis zu 17 Milliarden Dollar (12,7 Milliarden Euro) zahlen, um einem Strafverfahren zu entgehen. Diese Summe wäre das höchste jemals von einer Bank gezahlte Bußgeld in den USA. Die Einigung soll kommende Woche verkündet werden. Die Bank of America (BofA) und das Justizministerium verhandeln seit Monaten über den Vergleich. Das Geldhaus wollte laut „New York Times“ und „Wall Street Journal“ sehr viel weniger zahlen, nämlich 13 Milliarden Dollar. Mitte Juni standen die Verhandlungen deswegen kurz vor dem Scheitern. Ein Telefonat von Justizminister Eric Holder mit BofA-Chef Brian Moynihan soll den Verhandlungskreisen zufolge nun den Durchbruch gebracht haben. Offiziell verweigerten die Bank und das Ministerium jeden Kommentar.

Die US-Behörden werfen der BofA – wie auch einer Reihe anderer Banken – vor, schlecht abgesicherte Kredite einkommensschwacher Hausbesitzer zu Finanzprodukten gebündelt, mit einer guten Bonität versehen und die Käufer so hinters Licht geführt zu haben. Ab 2007 hatten in den USA immer mehr einkommensschwache Hausbesitzer ihre Darlehen wegen steigender Zinsen nicht mehr abzahlen können, während die faulen Kredite zu Wertpapieren gebündelt und von Bank zu Bank als Geldanlage weitergereicht wurden. Nach dem Bankrott der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 lösten diese CDO genannten Wertpapiere in einer Kettenreaktion eine weltweite Finanzkrise aus. In den USA mussten viele Menschen ihre Häuser zwangsversteigern oder blieben auf hohen Schulden sitzen, während die gekauften Immobilien deutlich an Wert verloren haben. Investoren verloren mit den CDO-Anlagen Milliardensummen. 2012 begannen die Ermittlungen der Justizbehörden gegen die Banken.

Die BofA soll dubiose Anlagen im Wert von 57 Milliarden Dollar verkauft haben. Sie steht damit an der Spitze. Es folgt JP MorganChase mit 33 Milliarden Dollar. Diese Bank hatte bereits im November vergangenen Jahres eingewilligt, deshalb 13 Milliarden Dollar Strafe zu zahlen – bislang ist dies die größte zivilrechtliche Zahlungsauflage, die einem einzigen Unternehmen in den USA jemals aufgebrummt wurde. Die Citigroup zahlte Mitte Juli sieben Milliarden Dollar. Von den bis zu 17 Milliarden Dollar, die nun die BofA berappen soll, sollen neun Milliarden Dollar in bar an das Justizministerium, an Bundesstaaten und Behörden fließen, wie aus den Verhandlungskreisen verlautete. Der Rest soll als Hilfen an überschuldete Hausbesitzer und an Bankkunden gehen, die Immobilien in einem Katastrophengebiet kaufen wollen. Der Deal könne auch noch scheitern, hieß es aus den Verhandlungskreisen; die Gefahr sei aber gering. Die Bank of America, die 2008 den Immobilienfinanzierer Countrywide übernommen hatte, musste wegen widerrechtlicher Zwangsräumungen und des Verkaufs fauler Immobilienkredite bislang schon mehr als 50 Milliarden Dollar Bußgelder zahlen. Die Strafen haben die Gewinne der Bank seit Beginn des Jahres aufgefressen.

 

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