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Der Faire Handel wächst – Zahlen, Entwicklungen, Trends

Innerhalb der vergangenen vier Jahre hat sich der Absatz fair gehandelter Produkte in Deutschland verdoppelt. Alleine im vergangenen Jahr wurde eine Steigerung von 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr erzielt. Dafür haben die Verbraucher hierzulande 784 Millionen Euro für fair gehandelte Produkte ausgegeben, gibt das „Forum Fairer Handel“ bekannt. Ein neues Siegel soll Orientierung geben.

Berlin (csr-news) > Innerhalb der vergangenen vier Jahre hat sich der Absatz fair gehandelter Produkte in Deutschland verdoppelt. Alleine im vergangenen Jahr wurde eine Steigerung von 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr erzielt. Dafür haben die Verbraucher hierzulande 784 Millionen Euro für fair gehandelte Produkte ausgegeben, gibt das „Forum Fairer Handel“ bekannt. Ein neues Siegel soll Orientierung geben.

Inzwischen werden faire Produkte von der Hälfte der Deutschen gekauft. Im Durchschnitt geben sie dafür ca. 25 Euro aus. Der faire Handel entwickelt sich also, mit Wachstumsraten, die seit mehreren Jahren im zweistelligen Bereich liegen. Aber der Markt wächst auch auf der Anbieterseite. Insgesamt 57 anerkannte Importeure bieten in Deutschland ausschließlich fair gehandelte Waren an, 13 mehr als im Jahr zuvor. Mit 654 Mio. Euro machten Produkte mit dem Fairtrade-Siegel 2013 den größten Anteil (79 Prozent) am Gesamtabsatz fair gehandelter Produkte aus. Die angebotenen Produkte kommen zum größten Teil (etwa 75 Prozent) aus dem Lebensmittelbereich. Von diesem Teil sind etwa 69 Prozent nicht nur fair gehandelt, sondern auch biozertifiziert. Am Ranking der beliebtesten Produkte hat sich nichts geändert. Es dominiert der Kaffee gefolgt von Kakao, Schokolade und Blumen. Bei einzelnen Importeuren wie GEPA oder El Puente macht der Kaffe mehr als ein Drittel des Handelsvolumens aus. Bei den Fairtrade-zertifizierten Produkten liegt der Kaffeeanteil sogar bei fast 45 Prozent. Betrachtet man das gesamte Handelsvolumen, also nicht nur Lebensmittel, dann liegen kunsthandwerkliche Produkte mit einem Anteil von 18-19 Prozent auf dem zweiten Platz. Diese werden sicher hauptsächlich in den Weltläden und bei den Aktionsgruppen nachgefragt. Denn obwohl fair gehandelte Produkte inzwischen auch in Supermärkten zu kaufen sind, gehören die Weltläden und Aktionsgruppen mit einem Anteil von 42 Prozent noch immer zu den wichtigsten Vertriebswegen. Trends landen meist auch im Netz und so nehmen die Verkaufszahlen im Onlinehandel ebenfalls zu und haben sich im vergangenen Jahr fast verdoppelt. Auch in den gastronomischen Betrieben stehen die Zeichen auf Wachstum, im vergangenen Jahr ein Plus von rund 40 Prozent. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Fairtrade-Lizenznehmer um weitere 30 auf insgesamt 280 Unternehmen. Zu den bekanntesten Neueinsteigern zählen die basic Bio-Supermärkte.

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Eine wachsende Zahl von kleinbäuerlichen Betrieben und Landarbeitern mitsamt ihren Familien können von dieser Entwicklung und kann dadurch ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen verbessern. Existenzsichernde Mindestpreise und langfristige Handelsbeziehungen bieten insbesondere benachteiligten Produzent/innen ein selbstbestimmtes Leben und größere Planungssicherheit. „Doch das von EU und USA anvisierte Freihandelsabkommen TTIP droht diese Fortschritte zu torpedieren“, stellt Manuel Blendin, Geschäftsführer des Forums Fairer Handel, fest. Durch den Zollabbau für den Handel mit Agrarprodukten zwischen der EU und den USA befürchtet das Forum Fairer Handel einen Verdrängungswettbewerb zulasten von Exportländern des Südens. „So könnten beispielsweise billige Baumwolle aus den USA oder Zucker aus der EU die Existenz von Kleinbauern in Afrika, Lateinamerika und Asien bedrohen“, so Manuel Blendin weiter. Während TTIP knapp die Hälfte des Welthandelsvolumens bündeln soll, würde es zugleich die politischen Handlungsspielräume der anderen Hälfte beschränken. „Wir wollen eine andere Handelspolitik – demokratisch, transparent und fair. Handelsabkommen müssen soziale und ökologische Mindeststandards berücksichtigen“, fordert Manuel Blendin. Dass dies möglich sei, beweise der faire Handel bereits seit mehr als vier Jahrzehnten. „Das Konzept eines gemeinwohlorientierten Wirtschaftens – weg vom Profit, hin zum Menschen – überzeugt die Verbraucher in Deutschland“, stellt Blendin fest. Er betont: „Das kontinuierliche Wachstum im Fairen Handel ist ein klares Votum für eine andere Wirtschaftsweise, die den Grundsätzen von TTIP klar widerspricht.“ Das Forum Fairer Handel (FFH) ist das bundesweite Netzwerk des Fairen Handels und versteht sich als die politische Stimme der Fair-Handels-Bewegung in Deutschland. Mitglieder des Forums sind der Weltladen-Dachverband, die Fair-Handels-Importeure GEPA – The Fair Trade Company, EL PUENTE, dwp, BanaFair und GLOBO – Fair Trade Partner sowie Naturland – Verband für ökologischen Landbau. Hinzu kommt ein breites Netzwerk von Partnerorganisationen, die in den Arbeitsgruppen mitarbeiten.

WFTOUm den Konsumenten Orientierung zu bieten, gibt es in der Fair-trade-Landschaft ein neues Siegel. Es wird von der World Fair Trade Organization (WFTO) an Unternehmen vergeben, wenn diese in ihrer gesamten Tätigkeit die Kriterien des WFTO einhalten. Die Einhaltung der Standards wird in einem mehrstufigen Verfahren überprüft. Dazu zählt u.a. ein strenges Monitoringsystem mit umfangreichen Dokumentationspflichten sowie Kontrollen durch externe Gutachter. Die gelabelten Produkte werden demnächst in den Weltläden angeboten. Die WFTO ist die internationale Dachorganisation von mehr als 400 Fair-Handels-Organisationen in über 70 Ländern. Dazu zählen Produzentengruppen und -netzwerke, Vermarktungsorganisationen aus dem Süden, Fair-Handels-Importeure und Weltladen-Dachverbände aus dem Norden die so die gesamte Lieferkette abdecken.

Factsheet „Der Faire Handel in Deutschland. Zahlen, Entwicklungen und Trends für das Geschäftsjahr 2013“

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