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Digitale Nachhaltigkeit – ressourcenschonend, frei, kollaborativ

Der Begriff der Nachhaltigkeit wird selten im Zusammenhang mit digitalen Produkten verwendet. Doch auch Daten und Software können nachhaltig hergestellt, genutzt und weiterentwickelt werden. Am Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität Bern will man diesen Zusammenhang untersuchen und hat dafür die Forschungsstelle «Digitale Nachhaltigkeit» gegründet.

Bern (csr-news) > Der Begriff der Nachhaltigkeit wird selten im Zusammenhang mit digitalen Produkten verwendet. Doch auch Daten und Software können nachhaltig hergestellt, genutzt und weiterentwickelt werden. Am Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität Bern will man diesen Zusammenhang untersuchen und hat dafür die Forschungsstelle «Digitale Nachhaltigkeit» gegründet.

Lassen sich Softwareprodukte und andere digitale Wissensgüter ressourcenschonend herstellen, ist eine der Fragen, die unter dem Gesichtspunkt digitaler Nachhaltigkeit eine Rolle spielen. Aber es geht um weit mehr, beispielsweise um die freie Nutzung von Software, wie sie von Open Source Projekten verfolgt wird, oder auch um deren kollaborative Weiterentwicklung und langfristige Zugänglichkeit. Digitale Nachhaltigkeit verfolgt also keinen reinen ökologischen Ansatz, sondern behandelt ebenso Regelungen und Strukturen für die nachhaltige Entwicklung unserer Wissensgesellschaft. Das Themenspektrum reicht dabei von Speicherformaten, über den Schutz von Daten vor Manipulation und Missbrauch bis hin zu wirtschaftlichen Strukturen etwa im Hinblick auf Abhängigkeiten von einzelnen Unternehmen. An der Berner Forschungsstelle will man genau diese Aspekte im Hinblick auf die große Bedeutung von Information und Wissen für unsere Gesellschaft, untersuchen. Unsere Informationen und unser Wissen basieren schließlich zu einem überwiegenden Teil auf digital erstellten, bearbeiteten und verbreiteten Daten. Zudem wandelt sich die Welt der Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT) rasch. „Dabei wird vor allem an das Heute und wenig an das Morgen gedacht“, sagt Matthias Stürmer vom Institut für Wirtschaftsinformatik und Leiter der neuen Forschungsstelle „Digitale Nachhaltigkeit“. Dies soll das Konzept der digitalen Nachhaltigkeit ändern: Und zwar durch die Übertragung des Prinzips der nachhaltigen Entwicklung von der physischen in die digitale Welt. Die Forschungsstelle «Digitale Nachhaltigkeit» wurde mit Unterstützung des Vereins «Swiss Open Systems User Group /ch/open» gegründet und ist in dieser Form europaweit einzigartig. Sie entspricht der Strategie 2021 der Universität Bern, welche Forschung im Bereich nachhaltige Entwicklung als einen ihrer fünf Themenschwerpunkte festlegt. Die Forschungsstelle befasst sich unter anderem mit der Informatikbeschaffung durch Behörden sowie mit Open Data und Open Source Software. „Für die nachhaltige Entwicklung unserer Wissensgesellschaft braucht es geeignete Strukturen und Regeln, sodass Abhängigkeiten von Firmen und Staaten reduziert und Innovation und Wettbewerb bei Informations- und Kommunikationssystemen gefördert werden“, sagt Stürmer. Matthias Stürmer ist auch Geschäftsleiter der parlamentarischen Gruppe Digitale Nachhaltigkeit. Diese überparteiliche Gruppe fördert auf politischer Ebene den nachhaltigen und innovativen Umgang mit ICT und setzt sich für den öffentlichen Zugang zu Wissensgütern ein.

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