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Globaler Weckruf – Heute ist Earth Overshoot Day

Berlin/Genf (csr-news) > Noch einen Tag früher als 2013 hat die Menschheit in diesem Jahr die natürlichen Ressourcen verbraucht, die sich innerhalb eines Jahres regenerieren können. Für den Rest des Jahres leben wir auf Pump. Anders ausgedrückt, wir leben so, als hätten wir noch eine weitere Erde zur Verfügung. Mehr als 2,5 Erden wären nötig, wenn die gesamte Weltbevölkerung auf dem hohen Konsumniveau von Deutschland leben würde.

Seit Jahrzehnten ist der Earth Overshoot Day immer früher. In den 1970er und 1980er Jahren lag er noch im Dezember, seitdem werden die natürlichen Ressourcen immer schneller verbraucht. In diesem Jahr ist es nun der 19. August und damit noch mal einen Tag früher als im vergangenen Jahr. Grund für das immer weitere Vorrücken sind vor allem die hohen Konsumniveaus in Industrie- und zunehmend Schwellenländern sowie das schnelle Bevölkerungswachstum. Bezogen auf einzelne Nationen lag der Overshoot Day teilweise schon im Frühjahr. Die USA hatten beispielsweise schon im März ihre Ressourcen verbraucht und auch die Schweiz lebt seit dem Mai auf Pump. Berechnet wird der jährliche Earth Overshoot Day vom Global Footprint Network, die sich dabei auf das Konzept des ökologischen Fußabdrucks stützen. Das Problem des immer schnelleren Ressourcenverbrauchs ist, dass sich die Erde praktisch nicht mehr erholen kann. „Die Menschheit häuft nicht nur seit drei Jahrzehnten bei der Natur neue Schulden an, sondern beansprucht in jedem Jahr auch einen immer größeren Kreditrahmen“, warnt WWF-Vorstand Eberhard Brandes. „Man muss weder Buchhalter noch die viel zitierte schwäbische Hausfrau sein, um zu wissen, dass so ein Verhalten nicht ewig gut gehen kann.“ Die Verantwortung hierfür tragen laut Brandes vor allem die wohlhabenden Länder und die großen Industrienationen, wie etwa Deutschland oder die USA. Um der Bedrohung zu begegnen, müssten generell, so der WWF, die Produktionsweisen und Konsumgewohnheiten der Menschheit umweltfreundlicher und nachhaltiger werden.

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„Der Erdüberlastungstag zeigt uns klar die ökologischen Grenzen unseres Planeten auf“, sagt Julia Otten von Germanwatch. „Unsere Art zu leben und zu wirtschaften muss sich angesichts dieser Grenzen grundlegend ändern.“ Regierungen, Unternehmen und Konsumenten hätten laut WWF die Mittel in der Hand, um nachhaltiger zu leben und zu wirtschaften, sei es durch höhere Energieeffizienz und erneuerbare Energien, bewussteren Fleischkonsum, umweltfreundliche Mobilität oder nachhaltigen Fischfang. „Das ist sowohl ein ökologisches als auch ein ökonomisches Problem“, sagte Mathis Wackernagel, Präsident des Global Footprint Network. Er sieht die Probleme vor allem bei den ärmeren Ländern, die sich gegen die Auswirkungen kaum schützen können. „Die Ressourcenverschwendung ist nicht nur ökologisch problematisch, sondern auch in höchstem Maße global ungerecht“, findet auch Christiane Wegner von FairBindung. Dem stimmt Valerie Wilms, Obfrau im Parlamentarischen Beirat für nachhaltige Entwicklung des Deutschen Bundestags zu: „Wir in den Industriestaaten leben zusätzlich auf Kosten von Umwelt, Menschenrechten und Sozialstandards anderer Nationen“. Sie plädiert dafür, die Senkung der CO2-Emissionen zu forcieren und nicht nur zu kompensieren. Wilms: „So sinnvoll die einzelnen Kompensationsprojekte auch sind. Deutschland will die Treibhausgase bis 2020 auf 60 Prozent des Niveaus von 1990 senken, in Wirklichkeit steigen sie jedoch leicht an. Dabei handelt es sich hier nur um die Emissionen auf deutschem Boden. Die Emissionen der zahlreichen importierten Güter und Fertigteile sind da noch gar nicht enthalten“. Weitere große Baustellen sind nach ihrer Auffassung der Wärmemarkt, der Mobilitätssektor und schließlich die industrielle Produktion. „Es gibt großen Handlungsbedarf. Die Bundesregierung sollte als hoch entwickeltes Land mutig vorangehen. Wir haben das Know-how und wir haben gute Technologien, um die Energiewende und auch die Kreislaufwirtschaft entschiedener voranzubringen und wir haben die Verantwortung zu handeln, weil wir unsere Bedürfnisse auf Kosten anderer Nationen befriedigen“, so Wilms. Und aus dem Umweltbundesamt heißt es: „Der Earth Overshoot Day sollte uns ein mahnender Weckruf sein, nicht nur, um ressourcenintensive Konsummuster zu überdenken, sondern auch, um individuell aktiv zu werden“.

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Foto: Aktion in Berlin von INKOTA-Netzwerk, Germanwatch, BUNDjugend, Naturschutzjugend und FairBindung anlässlich des heutigen Earth Overshoot Day.