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Arab Bank: Hamas-Kundschaft bringt angesehenes Geldhaus auf die Anklagebank

Seit Mitte August sitzen Repräsentanten der Arab Bank, eines der größten und angesehensten Geldhäuser im Orient, in New York auf der Anklagebank. Dass Unterstützer der radikalislamischen Hamas, die im Westen als Terrororganisation eingestuft wird, zu ihrer Kundschaft zählten, hat sie dorthin gebracht. Angehörige von Opfern, die bei Selbstmordanschlägen in Israel getötet wurden, hatten die Bank vor zehn Jahren in den USA verklagt, weil diese hohe Geldsummen an die Hinterbliebenen der Attentäter überwies.

Jerusalem (afp) – Seit Mitte August sitzen Repräsentanten der Arab Bank, eines der größten und angesehensten Geldhäuser im Orient, in New York auf der Anklagebank. Dass Unterstützer der radikalislamischen Hamas, die im Westen als Terrororganisation eingestuft wird, zu ihrer Kundschaft zählten, hat sie dorthin gebracht. Angehörige von Opfern, die bei Selbstmordanschlägen in Israel getötet wurden, hatten die Bank vor zehn Jahren in den USA verklagt, weil diese hohe Geldsummen an die Hinterbliebenen der Attentäter überwies.

Von Jennie Matthew

Ironie der Geschichte: Es war ebenfalls in New York, wo Abdel Hamid Schoman, ein Palästinenser aus Jerusalem, als Hausierer das Startkapital für sein späteres Bankimperium zusammenbrachte. 1930 kehrte er in die Heimat zurück und gründete dort das erste private Geldinstitut in der arabischen Welt. Als 1948 der Staat Israel ausgerufen wurde, verlegte die Arab Bank ihre Zentrale in die jordanische Hauptstadt Amman.

Heute ist sie ein multinationales Finanzunternehmen mit 600 Niederlassungen in 30 Ländern. Die Arab Bank wies in der Bilanz für 2013 Einlagen in Höhe von 46,4 Milliarden Dollar (35,2 Milliarden Euro) aus, bei einem Eigenkapital von 7,8 Milliarden Dollar. Über acht Jahrzehnte überstand die Firmengruppe alle Kriege und Umbrüche im Nahen Osten.

Der Arab Bank wird vertraut, weil sie zwar niedrige, aber garantierte Zinsen und Dividenden bietet und über enorme Liquiditätsreserven verfügt. Diese Reputation bildete sich 1948 und erneut im Sechstagekrieg 1967, als die Bank jedem, der ins Ausland fliehen wollte, auf Anfrage sofort alle Einlagen auszahlte. Auch international genießt die Arab Bank hohe Reputation, ihr werden ein zurückhaltendes Geschäftsgebaren und erstklassige Professionalität bescheinigt.

Und dennoch muss sich die Bank nun gegen die Anklage verteidigen, sie habe den Terrorismus unterstützt, indem sie während der Zweiten Intifada von 2000 bis 2005 den Familien von Selbstmordattentätern der Hamas Zahlungen aus einem in Saudi-Arabien angelegten Entschädigungsfonds überwies. Das New Yorker Verfahren befindet sich in der Beweisaufnahme und wird voraussichtlich mehrere Monate dauern.

„Es ist unvorstellbar, dass die Arab Bank so etwas bewusst getan haben könnte“, sagt der jordanische Wirtschaftswissenschaftler Riad al-Churi. „Die Bank ist hoch-professionell, gut verwurzelt und sehr erfolgreich“, fügt er hinzu. Das Finanzunternehmen selbst verteidigt sich, es habe nur „alltägliche Bankgeschäfte ausgeführt“. Diese verstießen in keiner Weise gegen US-Gesetze zur Terrorabwehr. Zudem habe die Bank nie die Absicht gehabt, „die Hamas oder andere bekannte Terrorgruppen zu unterstützen“.

In den Palästinensergebieten ist die Arab Bank für Entwicklungshelfer aus den USA und Europa, von der UNO oder internationalen Hilfsorganisationen die erste Wahl, wenn es um die Finanzausstattung von Aufbauprojekten geht. Sie verwaltet auch die Konten der Palästinensischen Autonomiebehörde, auf die Israel deren Anteil an Zöllen und Steuereinnahmen überweist. Mit fast eintausend Bankangestellten in 27 Filialen ist das Institut auch einer der wichtigsten Arbeitgeber im Westjordanland und in Gazastreifen.

Branchenkenner bestreiten, dass der Arab Bank, bei der die Nachfahren des Gründers Schoman nur noch zwei Prozent der Anteile halten, nationalistische Motive unterstellt werden können. „Ihre Unternehmenskultur ist von der globalen Finanzwelt geprägt. Sie verfolgen Geschäftsziele und keine religiösen oder politischen Zwecke“, sagt al-Churi. „Die Privatwirtschaft nimmt diese Bank als ethisch orientiertes, sehr unpolitisches Institut war“, pflichtet Sahi Churi bei, der Generaldirektor des Getränkekonzerns NBC, der in den Palästinensergebieten die Coca-Cola-Lizenz innehat.

Ob dies die Richter in New York beeindruckt, ist völlig offen. Entscheidet die Kammer, dass die Arab Bank haftbar gemacht werden kann, rollt auf sie eine Welle von Entschädigungsklagen zu.

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