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Mängel bei Ausbildung und am Arbeitsmarkt bringen Junge um ihre Jobs

Ein strenger gesetzlicher Kündigungsschutz und falsche Schwerpunkte in Bildungssystemen sind einer Studie zufolge wichtige Ursachen für die hohe Jugendarbeitslosigkeit in südeuropäischen Ländern. Diese Problemfelder gehen die Staaten bisher aber mit sehr unterschiedlichem Ehrgeiz an, wie aus einer am Dienstag in Berlin veröffentlichten Untersuchung hervorgeht. Um gute Instrumente für mehr Jobs zu finden, müssten zudem alle Beteiligten an einen Tisch – inklusive der jungen Generation selbst.

Berlin (afp) – Ein strenger gesetzlicher Kündigungsschutz und falsche Schwerpunkte in Bildungssystemen sind einer Studie zufolge wichtige Ursachen für die hohe Jugendarbeitslosigkeit in südeuropäischen Ländern. Diese Problemfelder gehen die Staaten bisher aber mit sehr unterschiedlichem Ehrgeiz an, wie aus einer am Dienstag in Berlin veröffentlichten Untersuchung hervorgeht. Um gute Instrumente für mehr Jobs zu finden, müssten zudem alle Beteiligten an einen Tisch – inklusive der jungen Generation selbst.

Die Untersuchung hatte das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Auftrag der Robert-Bosch-Stiftung erstellt. Exemplarisch am Beispiel von Spanien, Italien und Portugal suchten die Wissenschaftler nach institutionellen und wirtschaftlichen Ursachen für die hohe Zahl der jungen Arbeitslosen.

Im Zuge der Finanz- und Staatsschuldenkrise habe die Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa „alarmierend hohe Quoten“ erreicht, beschreiben die Autoren der Studie. Mehr als jeder zweite junge Spanier etwa sei im Jahr 2012 ohne Lehr- oder Arbeitsstelle geblieben – ein trauriger Spitzenwert. Dabei habe das Land vor der Krise in Sachen Jugendarbeitslosigkeit immer im Schnitt der europäischen Länder gelegen.

Dieser heftige Anstieg liege unter anderem am hohen Anteil junger Erwerbstätiger mit befristeter Beschäftigung. Da für unbefristet Beschäftigte lange ein „sehr strikter Kündigungsschutz“ gegolten habe, hätten Jugendliche erst einmal Zeitverträgen bekommen. Die Jungen hätten so als „ein Puffer beim rezessionsbedingten Arbeitsplatzabbau“ fungiert, schreiben die Autoren der Studie. Ein solches Bild habe sich auch in Italien und in Portugal gezeigt. In allen drei Ländern habe mehr als die Hälfte der erwerbstätigen unter 25-Jährigen 2012 nur einen befristeten Arbeitsvertrag gehabt. Von den über 40-Jährigen war es demnach noch nicht einmal jeder Fünfte.

Immense Defizite machten die Wissenschaftler aber auch in den Bildungssystemen der Länder aus: Die Staaten hätten lange quasi am Bedarf vorbei ausgebildet und keine attraktiven berufsbildenden Alternativen zum Studium geboten.

Um die Mängel zu beheben, gingen die drei Staaten mit sehr unterschiedlichem Tempo voran: Am weitesten ist der Untersuchung zufolge Spanien vorangekommen. Die Regierung habe eine „ehrgeizige“ Arbeitsmarktreform angestoßen und sei dabei, Zentren für duale Ausbildung aufzubauen. Portugal habe ebenfalls gesetzliche Änderungen beim Kündigungsschutz vorgenommen. In seinen Initiativen für eine bessere Berufsausbildung sei das klamme Land aber von der Finanzierung durch die EU abhängig.

Als Schlusslicht in Sachen Arbeitsmarkt- und Bildungsreformen beschreiben die Autoren aber Italien: Die Ausgaben für bildungspolitische Initiativen müssten „auf allen Ebenen des Bildungssystems erhöht“ werden. Und auch effektive Strukturreformen am Arbeitsmarkt seien „bisher in politischen Aushandlungsprozessen weitgehend gescheitert“.

Für ganz Europa ließen sich durch die Betrachtung der drei Staaten verschiedene Handlungsanweisungen ableiten: Neben den Initiativen in Sachen Bildung und Arbeitsmarkt müssten Länder etwa auch die grenzüberschreitende Mobilität der Jugendlichen fördern. Außerdem müsse die Arbeitsvermittlung verbessert und die Ausbildung für junge Arbeitslose bezuschusst werden. Schließlich sollten alle Beteiligten – Politik, Wirtschaft, Gewerkschaften und die junge Generation selbst – in die Arbeit für mehr Jugendbeschäftigung einbezogen werden.

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