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Das Leiden der Kaninchen: Tierschützer kritisieren Modelabel

In Spanien werden Kaninchen unter tierschutzwidrigen Bedingungen für die Pelzindustrie gehalten. Das Fell dieser Tiere ziere später die Textilien bekannter westlicher Modelabel, berichtet die Tierschutzorganisation Animal Equality.

Stuttgart (csr-news) – In Spanien werden Kaninchen unter tierschutzwidrigen Bedingungen für die Pelzindustrie gehalten. Das Fell dieser Tiere ziere später die Textilien bekannter westlicher Modelabel, berichtet die Tierschutzorganisation Animal Equality.

Zwei Jahre lang hatte die Organisation nach eigenen Angaben in 70 Kaninchenbetrieben in Spanien recherchiert. Ein auf der Website von Animal Equality bereitgestelltes Video zeigt teilweise erheblich verletzte Tiere in Drahtkäfigen. Zu sehen ist, wie Mitarbeiter kranke oder verletzte Tiere an den Käfiggittern totschlagen, wie neugeborene Kaninchen in Mitarbeiterhänden zerquetscht werden oder wie ein noch lebendes Kaninchen einer Mülltonne mit toten Artgenossen zu entkommen versucht.

Mit verdeckter Kamera wurde der Chef des spanischen Pelzhändlers Curticub, Francisco Cuberes, aufgenommen. Nach dessen Angaben liefern die betroffenen Farmen Pelze an Burberry, Armani, Marc Jacobs und weitere Luxusmarken. Mit einer Kampagne und der Website www.Leiden-für-Mode.org fordert Animal Equality die Modelabel dazu auf, Pelz durch synthetische Alternativen zu ersetzen und keine echten Pelze mehr zu verkaufen.

Das Modelabel Burberry erklärte, es verurteile das in dem Video dargestellte grausame und illegale Verhalten gegenüber Tieren auf das schärfste. Zu dem dort dargestellten Unternehmen bestünden keine direkten Geschäftsbeziehungen und es gebe keinen Hinweis darauf, dass diese spanischen Farmen Teil der Burberry-Lieferkette seien. „Burberry wird keine natürlichen Rohmaterialien verwenden, wenn Anlass zu der Sorge besteht, dass es bei deren Produktion zu einer unakzeptablen Behandlung von Tieren gekommen ist“, so eine Sprecherin des Labels. Auch Dior zeigte sich von den dargestellten Misshandlungen der Kaninchen entsetzt und erklärte ebenfalls, zu dem im Film dargestellten Unternehmen keine Geschäftsbeziehung zu unterhalten. Einzig Saint Laurent verurteilte die Tierquälereien nicht nur und stritt nicht nur Handelsbeziehungen zu den Farmen ab. Sondern das Unternehmen will auch prüfen, ob es indirekte Beziehungen zu den Farmen gibt, ob also Felle von dort auf Umwegen in die eigenen Produkte einfließen. Die anderen Firmen äußerten sich nicht.

Kritiker von Animal Equality verweisen darauf, dass die Tierschutzorganisation illegale Methoden für ihre Recherchen nutze. Dazu gehöre das widerrechtliche Eindringen in Nutztierbetriebe, um Tiere zu entwenden. Die NGO wurde 2006 unter dem Namen Igualdad Animal in Madrid gegründet und ist in sieben Ländern aktiv.

Auch in Deutschland kritisieren Tierschützer die Haltungsbedingungen für Kaninchen, wenngleich dafür seit August strengere Regeln gelten. Die Halter müssen Mast- und Zuchtkaninchen danach etwa Aktivititäts- und Ruheflächen bieten, sie mindestens zweimal pro Tag in Augenschein nehmen und ihre Sachkunde nachweisen. Laut dem Deutschen Tierschutzbund werden hierzulande jährlich 41.000 Tonnen Kaninchenfleisch verzehrt, die Tendenz sei steigend. 33.000 Tonnen werden in Deutschland selbst produziert; dafür werden 25 Millionen Tiere geschlachtet.

Aufgezogen werden sie laut Tierschutzbund oft in engen Käfigen, die zum Teil in mehreren Etagen übereinander stehen. Hoppeln oder Sprünge seien nicht möglich, die Folge seien schmerzhafte Wirbelsäulenverkrümmungen und Gelenkprobleme. Auch mit den neuen Regeln seien die Platzvorgaben zu gering, auch ein Freilauf sei nicht vorgesehen, kritisiert der Tierschutzbund.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hatte am Wochenende angekündigt, mit einer Reihe von Maßnahmen die Lebensbedingungen von Tieren in der Landwirtschaft verbessern zu wollen. Ein erstes Konzept soll Mitte September vorliegen, sagte Schmidt dem Berliner „Tagesspiegel am Sonntag“. Er sei derzeit in „intensiven Gesprächen“ mit Erzeugern, Handel, Tierschutzverbänden und Ökoverbänden. „Ich setze zunächst auf freiwillige Verpflichtungen“, so Schmidt. Falls Freiwilligkeit nicht ausreiche, sei er aber auch bereit zu gesetzgeberischem Handeln.

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