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Aktionswoche: Maschinen- und Anlagenbauer präsentieren Bildungsengagement

Westfälische Maschinen- und Anlagenbauer sind vielfältig im Bildungsbereich engagiert. Das wurde am Donnerstag auf einer Veranstaltung des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) in Oelde (bei Gütersloh) deutlich. Die Aktivitäten reichen von der Förderung naturwissenschaftlicher Interessen im Kindergarten bis zu Integrationsangeboten für Studierende aus dem Kosovo.

Oelde (csr-news) – Westfälische Maschinen- und Anlagenbauer sind vielfältig im Bildungsbereich engagiert. Das wurde am Donnerstag auf einer Veranstaltung des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) in Oelde (bei Gütersloh) deutlich. Die Aktivitäten reichen von der Förderung naturwissenschaftlicher Interessen im Kindergarten bis zu Integrationsangeboten für Studierende aus dem Kosovo.

Vom 15. bis 21. September gestaltet der VDMA eine „Aktionswoche der unternehmerischen Verantwortung“. Die Branche sei durch Unternehmer geprägt, die um ihre Verantwortung wissen, so VDMA-Präsident Reinhold Festge (Foto) bei der Auftaktveranstaltung. Dennoch sieht der Verbandspräsident Handlungsbedarf: „Wir haben nach wie vor Imageprobleme. Diese Imageprobleme kommen zum Tragen, wenn wir Nachwuchskräfte suchen.“ Die Schwerpunktsetzung der VDMA-Mitglieder bei ihrem gesellschaftlichen Engagement überrascht daher nicht. Festge: „Wir machen das im Bereich Ausbildung, weil Ausbildung das Entscheidende für unsere Industrie in den nächsten Jahrzehnten sein wird.“

Unternehmen aus den Kreisen Gütersloh und Warendorf stellten in Oelde ihre vielseitigen Bildungsprogramme vor. So vermittelt das Oelder Unternehmen GEA Westfalia Separator Grundschülern technische Zusammenhänge wie die Funktionsweise eines Separators. Dazu werden eine Salatschleuder und eine alte Museums-Zentrifuge benutzt, berichtet Ausbildungsleiter Hans-Josef Westbomke. Vorbereitet und durchgeführt werden diese Bildungseinheiten von den GEA-Auszubildenden, deren Persönlichkeitsentwicklung dadurch gefördert werden soll. Westbomke: „Wir wollen solche Projekte machen, damit unser Auszubildenden in eine andere Rolle schlüpfen und Verantwortung übernehmen.“

Technikförderung für Benachteiligte

Unter dem Titel „PhoenixKids“ fördert die Maschinenfabrik Beumer aus Beckum in Kooperation mit dem Jugendamt sechs sozial benachteiligte Jugendliche. „Diese Kinder sind es wirklich wert, sich für sie einzusetzen“, sagt Beumer-Ausbildungsleiter Michael Dilla. Die 11- bis 14-Jährigen kommen seit etwa drei Jahren an Dienstagnachmittagen ins Unternehmen, wo sie Pneumatik- oder Schweißlehrgänge absolvieren und technische Projekte umsetzen. Der Bau einer Parkbank war ein solches Projekt: Angestoßen hatte dies eine auf den Rollator angewiesene ältere Dame, die sich darüber beklagte, dass es auf ihrem Weg in die Stadt keine Bank zum Ausruhen gäbe. Die PhoenixKids konstruierten und bauten daraufhin eine Sitzbank, die Stadt stellte die Aufstellfläche und das Fundament zur Verfügung. Als Dankeschön lud die ältere Dame anschließend die PhoenixKids zum Abendessen ein.

„Wir wollen keine besseren Schüler aus diesen Kindern machen, sondern sie lernen, weil sie Spaß haben“, beschreibt Dilla das Konzept. Sein Ziel ist es, jeden dieser Jugendlichen demnächst in eine Ausbildung zu bringen. Für Jörg Stelten, Sozialarbeiter der Stadt Beckum, passt das Angebot des Unternehmens bestens ins Konzept der Jugendhilfe: „Uns fehlte ein praktisches Erprobungsfeld und wir brauchten eine Anbindung.“ Besonders wichtig sei die Kontinuität dieses Programms. PhoenixKids „gibt den Kindern über einige Jahre Stabilität, die sie zum Teil in ihren Familien nicht finden“, so Stelten weiter.

Junge Fachkräfte aus dem Kosovo

Fachkräftemangel ist für viele Unternehmen der entscheidende CSR-Treiber. „Im Moment ist das kein Ding für uns, aber es wird kommen“, sagt Matthias Fleischhut, Personalleiter bei ThyssenKrupp Industrial Solutions. Und er ist sich sicher: „Wir werden einfach mehr Menschen von außen holen müssen“. Entscheidend für den Erfolg der Fachkräfteanwerbung sei deren soziale Integration, oder, wie Fleischhut es ausdrückt: „Gelingt uns das, die Menschen hier zu behalten, ohne die Menschen aus der Region zu verdrängen?“

Die Kooperation mit dem Loyola-Gymnasium in der Stadt Prizren im Kosovo ist eines von mehreren Projekten der weltweiten Fachkräfteanwerbung von ThyssenKrupp. Das 2005 von deutschen Jesuiten gegründete Gymnasium vermittelt den Schülern neben der englischen auch die deutsche Sprache, was deren Integration erleichtert. Kurz vor dem deutschen Standards entsprechenden Abitur kommen Schüler zu dreiwöchigen Praktika nach Deutschland, um mögliche zukünftige Arbeitgeber kennenzulernen. Derzeit sind vier junge Leute aus dem Kosovo im Rahmen eines dualen Studiums bei ThyssenKrupp Industrial Solutions beschäftigt.

CSR muss freiwillig bleiben

Die Auftaktveranstaltung in Oelde nutzt VDMA-Präsident Reinhold Festge zugleich, um sich gegen die von der Europäischen Union initiierte CSR-Berichtspflicht zu positionieren. „Unternehmerische Verantwortung muss freiwillig bleiben. Die Unternehmen haben kein Interesse an Verpflichtungen“, auch nicht an Selbstverpflichtungen, sagte Festge. Soziale Verantwortung sei ein Kernelement unternehmerischen Handelns. Wer Unternehmern vorschreiben wolle, wie sie zu denken und zu handeln hätten, schränke ihre unternehmerische Freiheit ein, so der VDMA-Präsident.

Lesen Sie hier mehr über die Eröffnungsveranstaltung in Berlin:
CSR-Diskussion bei Maschinenbauern: Ökonomen droht Geschichtsvergessenheit

Die VDMA-Aktionswoche der unternehmerischen Verantwortung im Internet:
www.wir-unternehmen-was.de

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