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Zufriedenheit der Auszubildenden stark von der Branche abhängig

Angehende Industriemechaniker und Bankkaufleute bewerten die Qualität deutlich besser als künftige Köche oder Hotelfachleute.

Berlin (afp) – Ob junge Menschen mit ihrer Ausbildung zufrieden sind, hängt offenbar sehr stark von der Branche ab. Angehende Industriemechaniker, Industrie- und Bankkaufleute bewerten die Qualität deutlich besser als künftige Köche oder Hotelfachleute, wie aus dem am Donnerstag vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) in Berlin vorgestellten Ausbildungsreport hervorgeht. Insgesamt zeigten sich demnach aber fast drei Viertel (71,4 Prozent) der Auszubildenden zufrieden.

Dies sei „erfreulich, darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es nach wie vor Probleme gibt und gegen Arbeitsschutzgesetze verstoßen wird“, erklärte DGB-Bundesjugendsekretär Florian Haggenmiller. Mehr als jeder zehnte Auszubildende (11,7 Prozent) muss dem Report zufolge ausbildungsfremde Tätigkeiten ausüben, bei mehr als jedem Dritten (36,6 Prozent) fallen regelmäßig Überstunden an. Bei den unter 18-Jährigen müssten 13,2 Prozent mehr als 40 Stunden pro Woche arbeiten, was ein klarer Verstoß gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz sei.

Die unterschiedliche Einschätzung der Ausbildungsqualität in verschiedenen Branchen spiegelt sich demnach auch in der vorzeitigen Auflösung von Ausbildungsverträgen wider. In Berufen, in denen die Auszubildenden die Qualität hoch einschätzen, liegen die Quoten deutlich unter dem Durchschnitt. Bei Bankkaufleuten liegt der Anteil bei 6,1 Prozent, bei den Industriekaufleuten bei 7,5 Prozent. Dagegen bricht fast die Hälfte der angehenden Köche die Ausbildung frühzeitig ab, bei Fachverkäufern im Lebensmittelhandwerk sind es rund 41 Prozent.

„Es bleibt unbegreiflich, dass Branchen wie dem Hotel- und Gaststättengewerbe, dem Handel und Teilen des Handwerks Jahr für Jahr die Auszubildenden davon laufen und trotzdem nichts passiert“, kritisierte DGB-Jugendsekretär Haggenmiller. Die Missstände in den Betrieben müssten schneller erkannt und beseitigt werden.

Der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Burkhard Siebert, sprach von einem „Armutszeugnis für das Gastgewerbe“. Mehr als 11.000 Ausbildungsplätze seien unbesetzt, erklärte Siebert. Gleichzeitig breche fast die Hälfte der jungen Menschen die Ausbildung zum Koch ab. „Das Gastgewerbe hat es selbst in der Hand, diese dramatische Entwicklung zu beenden oder weiter Fachkräfte zu vertreiben“, mahnte der NGG-Vize.

An der Befragung der DGB-Gewerkschaftsjugend beteiligten sich mehr als 18.000 Auszubildende aus den 25 häufigsten Ausbildungsberufen.

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