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Vier von zehn ehemaligen Gastarbeitern von Armut bedroht

Vier von zehn ehemaligen Gastarbeitern sind im Rentenalter von Armut bedroht – unter den türkisch-stämmigen Rentnern ist es sogar jeder zweite.

Düsseldorf (afp) – Vier von zehn ehemaligen Gastarbeitern sind im Rentenalter von Armut bedroht – unter den türkisch-stämmigen Rentnern ist es sogar jeder zweite, wie eine am Montag veröffentlichte Studie des Wirtschafts-und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung zeigt. Demnach ist die Altersarmut unter Ausländern dreimal so hoch wie bei deutschen Rentnern. Denn die große Mehrheit der Gastarbeiter fand in den 70er Jahren nur Jobs in den untersten Lohngruppen.

Im Schnitt bekommen der Studie zufolge deutsche Männer über 65 Jahre eine monatliche gesetzliche Rente von 1109 Euro. Ehemalige Gastarbeiter, die aus der Türkei kamen, erhalten demnach nur durchschnittlich 742 Euro. Rentner aus dem früheren Jugoslawien bekommen 873 Euro, aus Italien 963 Euro Rente. Auch die Rentnerinnen aus der Türkei stehen laut Studie vergleichsweise am schlechtesten da: Deutsche bekommen demnach Schnitt 572 Euro Rente gezahlt, Türkinnen 363 Euro. Die deutsche Staatsangehörigkeit haben nur sehr wenige Gastarbeiter der ersten Generation angenommen.

Besonders konzentriert seien die Probleme in Nordrhein-Westfalen, heißt es in der Studie. Der Strukturwandel dort habe die Beschäftigten aus dem Ausland besonders hart getroffen. Fast 47 Prozent der ehemaligen Gastarbeiter in Nordrhein-Westfalen erhalten demnach weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens und gelten damit als armutsgefährdet. Unter den türkisch-stämmigen Rentnern sind es demnach sogar knapp 60 Prozent.

Auch bei der Wohnsituation zeigen sich laut Untersuchung Unterschiede. Im Durchschnitt wohnten die Zuwanderer nach wie vor unter schlechteren Bedingungen als Einheimische. Sie verfügen demnach wesentlich seltener über Wohneigentum und müssten, weil sie meist in Ballungsgebieten wohnen, überdurchschnittliche Mieten zahlen. Die ehemaligen Gastarbeiter lebten heute zwar besser als zur Zeit ihrer Anwerbung. „Gesellschaftlich sind aber viele ganz unten geblieben“, lautet das Fazit von Studienautor Eric Seils.

In den 60er und 70er Jahren zogen Millionen Migranten aus Südeuropa in die Bundesrepublik. Der Großteil der sogenannten Gastarbeiter stammte aus Ländern wie Italien, Portugal, Spanien, Griechenland oder der Türkei. Am 10. September jährt sich zum 50. Mal die Ankunft des „millionsten Gastarbeiters“ in der Bundesrepublik. Am Bahnhof Köln-Deutz wurde der Portugiese Armando Rodrigues de Sá damals mit Blumen und einem Moped empfangen.