Agenturmeldung Nachrichten

Bertelsmann-Stiftung sieht Europa von sozialer Spaltung bedroht

Demnach hat sich nicht nur das Nord-Süd-Gefälle deutlich verstärkt, auch die Ungleichheit zwischen den Generationen nahm zu.

Gütersloh (afp) – Die soziale Ungerechtigkeit hat sich seit Beginn der Wirtschaftskrise in den meisten Ländern der Europäischen Union verschärft. Zu diesem Ergebnis kommt der erste vergleichende Gerechtigkeitsindex für alle EU-Staaten, den die Bertelsmann-Stiftung am Montag in Gütersloh veröffentlichte. Demnach hat sich nicht nur das Nord-Süd-Gefälle deutlich verstärkt, auch die Ungleichheit zwischen den Generationen nahm zu. Deutschland belegt in dem EU-Vergleich den siebten Platz.

Schweden, Finnland, Dänemark und die Niederlanden wiesen ein hohes Maß an sozialer Gerechtigkeit auf, während die Ungerechtigkeit besonders in den Krisenstaaten Griechenland, Spanien und Italien größer geworden sei, teilte die Bertelsmann-Stiftung mit. Dort sei es nicht gelungen, die teils massiven Einschnitte sozial gerecht aufzuteilen.

In Deutschland sei die soziale Gerechtigkeit seit Beginn der Krise 2008 gestiegen, was insbesondere auf die gute Entwicklung des Arbeitsmarktes zurückzuführen sei, heißt es in dem Index. So habe Deutschland beispielsweise mit 7,9 Prozent die geringste Jugendarbeitslosigkeit im EU-Vergleich. In anderen wichtigen Bereichen belege es jedoch Plätze im Mittelfeld: bei der Bildungsgerechtigkeit zum Beispiel Rang 14 und bei der Gleichheit der Einkommensverteilung Rang 13.

Die Stiftung sieht Europa von sozialer Spaltung bedroht, die wachsende soziale Ungerechtigkeit erhöhe die Spannung zwischen den Staaten aber auch zwischen den Generationen. Europa mache zwar leichte Fortschritte bei der wirtschaftlichen Stabilisierung, dennoch müsse die EU ergänzend dazu eine Strategie entwickeln, die eine „vollständige Politik zur Bekämpfung sozialer Ungerechtigkeit umfasst“, lautet das Fazit der Untersuchung. Die Mitgliedsstaaten müssten die richtige Balance zwischen Sparmaßnahmen und wichtigen Zukunftsinvestitionen finden.

Die Stiftung untersuchte verschiedene Elemente, darunter Armut, Bildung und den Arbeitsmarkt, die Rückschlüsse auf die soziale Gerechtigkeit der Länder zulassen. Künftig soll der Index jährlich die nationale Entwicklung aller 28 EU-Mitgliedsstaaten analysieren.