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Reifen-Recycling in Kenia: Lösungen im Dialog von Unternehmen, NGOs und Politik

Manchmal wacht Peter in der Nacht von einem stechenden Geruch auf. In der Nachbarschaft verbrennt wieder einmal jemand Autoreifen. Als Fahrer eines Mittelklassehotels kann er sich eine „richtige“ Wohnung in Kenias Hauptstadt Nairobi leisten. Nachts wird hier illegal entsorgt, denn ein Entsorgungssystem für Altreifen gibt es bisher nicht. Das soll sich nun ändern – mit Unterstützung der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).

Nairobi (csr-news) – Manchmal wacht Peter in der Nacht von einem stechenden Geruch auf. In der Nachbarschaft verbrennt wieder einmal jemand Autoreifen. Als Fahrer eines Mittelklassehotels kann er sich eine „richtige“ Wohnung in Kenias Hauptstadt Nairobi leisten. Nachts wird hier illegal entsorgt, denn ein Entsorgungssystem für Altreifen gibt es bisher nicht. Das soll sich nun ändern – mit Unterstützung der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).

„Der Privatsektor sucht nach Lösungen, weil er das Problem gut kennt“, sagt Aregash Asfaw, Expertin für Public-Private-Partnership bei der GIZ in Kenia. Und so haben Asfaw und ihre Kollegen Reifenimporteure und –hersteller, die National Environment Management Authority (NEMA) als politische Institution, die Zementindustrie und Vertreter der Zivilgesellschaft zu einem nationalen Dialogforum zusammengebracht. Ziel ist die Entwicklung eines selbsttragenden Systems der Altreifenentsorgung.

Dialogforum sucht Lösungen

Das Dialogforum hat dazu bereits konkrete Vorschläge und eine Gesetzgebungsvorlage entwickelt, die nun dem Parlament zur Entscheidung vorliegt. Die Idee: Beim Reifenimport wird eine Abgabe erhoben, die zur Finanzierung eines Recyclingsystems beiträgt. Landesweit sollen Sammelstellen für Altreifen entstehen. Diese werden dann in Anlagen der Zementindustrie geschreddert und als Sekundär-Brennstoffe verwendet, wobei der Stahl aus den Reifen im Zement als Ersatz für Eisenerz dient. Dieses Verfahren ist auch in Deutschland üblich.

Die Mitglieder des nationalen Dialogforums setzen darauf, dass Kenias Parlament noch in diesem Jahr eine entsprechende Verordnung erlässt und sie sich gemeinsam an die Umsetzung des Altreifen-Entsorgungssystems begeben können.

Ohne Bildung geht es nicht

„Damit dieses Entsorgungssystem gelingen kann, ist eine Bildungskomponente unerlässlich“, sagt Aregash Asfaw. Dazu sitzt der Zivilsektor im Dialogforum mit am Tisch. Denn „das Reifenverbrennen ist heute bereits verboten, aber bisher fehlt ein Bewusstsein für die damit verbundenen Gesundheits- und Umweltgefahren.“

Diese Auffassung teilt der UNEP-Experte für Ressourceneffizienz in Afrika, Patrick Mwesigye. „Es fehlt an einem Bewusstsein dafür, dass Müll eine Ressource darstellt“, sagt Mwesigye. Und häufig fehle der politische Wille, sich dem Müllproblem zu stellen. Mwesigye: „Bei den meisten Regierungen besitzt dieses Thema keine Top-Priorität.“ Den Umweltanliegen fehle in Afrika eine politische Plattform: „Grüne“ Parteien gebe es hier nicht, das erleichtere das Wegschauen. Nun wenige zivilgesellschaftliche Organisationen widmen sich den Umweltproblemen. Diese fokussierten häufig zu einseitig auf die Armen, so der UNEP-Experte. Hauptproblem sei aber das falsche Verhalten wohlhabenderer Bevölkerungsschichten. Und es fehle an technischem Wissen für den Aufbau von Recyclingsystemen.

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