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Studie bemängelt Arbeitsbedingungen von Behinderten

Etwa jeder zweite Beschäftigte mit Behinderung muss einer Studie zufolge an einem nicht behindertengerechten Arbeitsplatz arbeiten.

Berlin (afp) – Etwa jeder zweite Beschäftigte mit Behinderung muss einer Studie zufolge an einem nicht behindertengerechten Arbeitsplatz arbeiten. Die Arbeitsbedingungen von Menschen mit Behinderung seien nicht so, „wie wir uns das wünschen“, sagte Verdi-Vorstandsmitglied Eva-Maria Welskop-Deffaa am Donnerstag bei der Vorstellung einer Untersuchung in Berlin. 60 Prozent der Behinderten, deren Arbeitsplatz nicht behindertengerecht ausgestattet sei, befürchteten, unter diesen Bedingungen nicht bis zur Rente berufstätig bleiben zu können. Verdi fordere daher die Stärkung der Rechte von Behinderten.

Die Bewertung nicht behindertengerechter Arbeitsplätze „schrappt so knapp an schlechten Arbeitsbedingungen vorbei, dass wir sogar in hohem Maße beunruhigt sein müssen“, sagte Welskop-Deffaa. Selbst ein behindertengerecht ausgestatteter Arbeitsplatz sei bei der Bewertung im unteren Mittelfeld gelandet.

„Viele Menschen mit Behinderung, egal welche Qualifikation sie haben, sind von Arbeitslosigkeit in deutlich höherem Maße betroffen als Menschen ohne Behinderung“, sagte die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Verena Bentele. Das zeige sehr deutlich, dass die Hürde für die Teilnahme am Arbeitsleben für viele Behinderte hoch und teilweise unüberwindlich sei.

Um diese Hürden zu beseitigen, sei eine rege Kommunikation zwischen den Arbeitgebern und den Arbeitnehmern mit Behinderung überaus wichtig, zum Beispiel über eine Schwerbehindertenvertretung. „Es ist entscheidend, dass Informationen für alle verfügbar sind und dass Arbeitgeber wissen, wie Barrierefreiheit im besten Fall aussehen kann“, sagte Bentele.

Einer der größten Problempunkte sei, dass Maßnahmen und Unterstützungsmöglichkeiten zur Inklusion von Menschen mit Behinderung zu unbekannt seien und daher zu wenig Eingang in Unternehmen fänden. Bentele sieht daher Handlungsbedarf für die Politik, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen, um das zu ändern. Sie sieht aber auch die Arbeitgeber verpflichtet, mit höherer Flexibilität und Bereitschaft auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung einzugehen, um sie erfolgreich in den Arbeitsalltag zu integrieren.