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Vom großen Ganzen zur Praxis – Nachhaltigkeit in Print- und Webdesign

Ressourceneffizienz beginnt manchmal schon dort, wo man sie gar nicht vermutet. Etwa beim Grafik-Designer, der die neue Imagebroschüre oder den Nachhaltigkeitsbericht gestaltet. Wichtige Entscheidungen über den späteren Verbrauch von Papier, Druckfarbe oder Toner werden schon in der frühen Phase des Layouts getroffen. An welchen Stellschrauben für ein nachhaltiges Print- und Webdesign gedreht werden muss, zeigt ein neuer Leitfaden auf.

Reinheim (csr-news) > Ressourceneffizienz beginnt manchmal schon dort, wo man sie gar nicht vermutet. Etwa beim Grafik-Designer, der die neue Imagebroschüre oder den Nachhaltigkeitsbericht gestaltet. Wichtige Entscheidungen über den späteren Verbrauch von Papier, Druckfarbe oder Toner werden schon in der frühen Phase des Layouts getroffen. An welchen Stellschrauben für ein nachhaltiges Print- und Webdesign gedreht werden muss, zeigt ein neuer Leitfaden auf.

„Ausflug ins Grüne“ heißt der zweiteilige Leitfaden, den die Druckerei Lokay ab heute über ihre Webseite anbietet. Erstellt wurde er von Melissa Fiebig, die mit diesem Werk ihr Designstudium beendet hat. „Ausflug ins Grüne“ ist zunächst ein Handbuch für Gestalter, eine Anregung sich mit den zahlreichen Aspekten nachhaltigen Print- und Webdesigns auseinanderzusetzen. Denn die sind nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Zwar denkt jeder direkt an Papiere aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung, idealerweise mit dem richtigen Siegel. Seltener steht allerdings die ausgewählte Schriftart, der richtige Abstand und die Breite der Buchstaben zur Debatte. Doch die haben unmittelbare Auswirkungen auf den Umfang eines Druckwerks und damit auch auf den Verbrauch von Papier und Druckfarben. Weil heute zahlreiche Printprodukte auch als PDF angeboten werden, hat deren Gestaltung ebenso Einfluss auf den Tonerverbrauch falls einzelne Seiten oder ganze Publikationen ausgedruckt werden. Noch seltener werden die Auswirkungen bei der Gestaltung von Webseiten bedacht. Beim ökologischen Webdesign werden Aspekte wie energiesparende Webfarben und Dateiformate oder der CO2-Ausstoß von Suchanfragen berücksichtigt. Zahlreiche dieser Aspekte müssen schon in der Entwurfsphase berücksichtigt werden. Genau hier soll der Leitfaden ansetzen, denn sind grundlegende Entscheidungen erstmal gefällt, gibt es selten ein zurück. „Kunden nutzen unsere ökologische Expertise oft erst in der Produktionsphase“, sagt Thomas Fleckenstein, Prokurist der Druckerei. „Mit diesem Buch können wir ihnen jetzt etwas an die Hand geben, das noch früher ansetzt. Das hilft unseren Kunden und der Umwelt.“

Fiebig setzt in ihrem Leitfaden ganz vorne an und erläutert erstmal das „Große Ganze“ bevor es im Praxisteil an konkrete Lösungen geht. So steht am Beginn die Frage nach der Definition von Nachhaltigkeit und welche Bedeutung die im Zusammenhang mit Design hat. So hat die Allianz deutscher Designer in ihrer „Charta für nachhaltiges Design“ den Design-Prozess betont. Demnach steht nicht das 100 Prozent nachhaltige Produkt im Vordergrund, sondern die schrittweise Verbesserung der bestehenden Produkte und Prozesse. Die Kölner Designschule Ecosign verwendet den Begriff im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung und sieht den Designer als Mittler zwischen Mensch, Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt. Für ihren eigenen Leitfaden hat sich Fiebig auf die ökologischen Aspekte des nachhaltigen Kommunikationsdesigns konzentriert. Allerdings betont sie, dass Ökonomie und Soziales im nachhaltigen Design einen ebenso wichtigen Stellenwert einnehmen, die jeder Designer in seinen Gestaltungs- und Herstellungsprozessen mit einbeziehen sollte.

Ein Teil des Leitfadens befasst sich mit der Typografie und ihrer Rolle bei der nachhaltigen Gestaltung von Print- oder Webprodukten. Darin werden neuere Ansätze wie die sogenannten Eco-Fonts vorgestellt, also Schrifttypen, die durchlöchert sind und dadurch beim Drucken bzw. Ausdrucken Toner sparen sollen. Fiebig hat getestet und die Ergebnisse ausführlich dargelegt. Nach ihrer Einschätzung sind Ecofonts zwar für den alltäglichen Gebrauch im Bürobetrieb geeignet, aber auf keinen Fall für die Verwendung in einem textbasierten Gestaltungsumfeld. Entweder ist die Schrift kaum lesbar, sieht zerrissen aus oder wenn sie größer wird, eher wie eine Schmuckschrift. Auch Software, die den Effekt der Ecofonts auf andere Schriftarten anwendet, scheint keine brauchbare Lösung zu sein. Toner sparen erzielt „die Software durch wahlloses zerlöchern beliebiger Schriften“. Aber es gibt auch typografische Lösungen, etwa die Verwendung Light-Schnitten oder die sogenannte platzsparende Typografie. Ausführlich werden einige Schriftarten und ihre mögliche Verwendung dargestellt. Eine dieser Schriften heißt Gulliver und gilt als platzsparendste aber dabei noch gut lesbare Schrift überhaupt. Die amerikanische Zeitung USAtoday hat vor einiger Zeit auf diesen Schrifttyp umgestellt und konnte die Zeitung um drei Zentimeter schmaler machen, ohne die Textmenge zu reduzieren. Auf den ersten Blick nicht viel, aber bei einer täglichen Auflage von rund 1,8 Millionen Exemplaren, kommt am Ende eine Menge Papier und Farbenersparnis zusammen.

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Das Buch ist selbst auch ein Beispiel für ein ökologisches Printprodukt. Layout, Format und Typografie sparten Platz, Papier, Farbe und Druckplatten. Gedruckt und herausgegeben wird es von Lokay, einer ganzheitlich ökologisch ausgerichteten Druckerei. „Ausflug ins Grüne – Nachdenken über nachhaltiges Print- und Webdesign“ ist ein Handbuch für Gestalter. Neben vielem Wissenswerten über Rohstoffe, Herstellungs- oder Recyclingprozesse ist der Leitfaden voller einfach umsetzbarer Praxistipps und Denkanstöße. „Den einzig wahren Weg gibt es nicht“, hat Fiebig während der Arbeit an ihrem Buch erkannt. „Es kommt darauf an, die Zusammenhänge zu verstehen, abzuwägen und bewusste Entscheidungen zu treffen. Nachdenken ist ein guter Anfang.“

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Quelle: „Ausflug ins Grüne – Nachdenken über nachhaltiges Print- und Webdesign“

 

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