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Bedarf und Angebote berufsbegleitender CSR-Weiterbildungsmaßnahmen

Der Bedarf an Mitarbeitern, die das Nachhaltigkeitsmanagement eines Unternehmens entwerfen, entwickeln und umsetzen sollen, ist erkennbar im Steigen begriffen. Dies liegt daran, dass immer mehr Unternehmen beginnen, ihre Unternehmensstrategie und ihre Prozesse nachhaltig auszurichten; zudem müssen mit zunehmender CSR-Integrationstiefe kompetente Nachhaltigkeitsmanager nicht nur in der zentralen Stabsstelle (CSR-Office) agieren, sondern auch in den wesentlichen Funktionsbereichen – auch in denen der größeren Tochtergesellschaften.

Frankfurt am Main (csr-news) – Der Bedarf an Mitarbeitern, die das Nachhaltigkeitsmanagement eines Unternehmens entwerfen, entwickeln und umsetzen sollen, ist erkennbar im Steigen begriffen. Dies liegt daran, dass immer mehr Unternehmen beginnen, ihre Unternehmensstrategie und ihre Prozesse nachhaltig auszurichten; zudem müssen mit zunehmender CSR-Integrationstiefe kompetente Nachhaltigkeitsmanager nicht nur in der zentralen Stabsstelle (CSR-Office) agieren, sondern auch in den wesentlichen Funktionsbereichen (F&E, Einkauf/Supply Chain, Produktion, HR, Controlling, Marketing etc.) – auch in denen der größeren Tochtergesellschaften. Diese Entwicklung wird sich durch die EU-Richtlinie über die CSR-Berichtspflicht (2013) noch weiter verstärken.

Ein Gastbeitrag von Thomas Schulz

Auf der anderen Seite entlassen sozial- und umweltwissenschaftliche Fakultäten und Fachbereiche der deutschen Hochschulen nur in geringer Anzahl Absolventen, die spezialisierte Master- und MBA-Studiengänge für die Disziplin Nachhaltigkeitsmanagement o.ä. durchlaufen haben. Und darüber, ob entsprechende Aspekte einer nachhaltigen Unternehmensführung in die einzelnen betriebswirtschaftlichen Teildisziplinen systematisch integriert werden, liegen keine belastbaren Erkenntnisse vor, es darf zumindest bezweifelt werden.

Unternehmen sind somit meist immer noch gezwungen, den aktuellen nachhaltigkeitsspezifischen Weiterbildungsbedarf ihrer Mitarbeiter durch interne Maßnahmen oder aber auf dem Markt für berufliche und berufsbegleitende Bildungsangebote zu decken. Dass dies mehr als notwendig ist, zeigt der Corporate Sustainability Barometer 2012 (Leuphana Universität Lüneburg), der diesbezüglich zu dem Ergebnis kommt, dass „die Belegschaft deutscher Großunternehmen…bisher nur in geringem Maße für die Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen qualifiziert“ ist. Dies ist umso erstaunlicher, da „unternehmensinternes Wissen“ über Nachhaltigkeit und Nachhaltigkeitsmanagement (Methoden, Tools etc.) der stärkste Treiber ist für die erfolgreiche Realisierung der bestehenden Nachhaltigkeitsstrategie (Hörisch, Johnson, Schaltegger 2014).

Marktübersicht der Angebote berufsbegleitender CSR-Weiterbildungsmaßnahmen

Eine umfassende Marktübersicht berufsbegleitender CSR-Weiterbildungsangebote hat die BNU Beratung für Nachhaltige Unternehmensführung erstellt. Sie umfasst in der Regel nur solche Maßnahmen, die das Thema CSR interdisziplinär begreifen, d.h. die wesentlichen Funktionsbereiche eines Unternehmens umfassen (s. CSR-Definitionen des Nationalen CSR-Forums 2009 oder der EU-Kommission 2011). Alternative Begriffe können sein: Nachhaltigkeitsmanagement, Nachhaltige Unternehmensführung, Sustainable Management, Responsible Management etc.

Die Marktstudie lässt sich wie folgt beschreiben:

  • Untersuchungsregion: Deutschland, Österreich und die Schweiz (DACH)
  • Hochschulangebote mit MA/MBA-Abschluss (berufsbegleitend): über 15 Anbieter mit über 20 Angeboten
  • Angebote ohne MA/MBA-Abschluss von Hochschulen und privaten Anbietern: über 60 Anbieter mit über 140 konkret aufgeführten Angeboten, plus Hinweise auf viele weitere CSR-orientierte Angebote der gleichen Veranstalter, auch Angebote über nachhaltiges Investieren (SRI, ethisches Investment etc.)
  • Informationen: Anbieter, Bezeichnung, Leistungsumfang (Projekt-/Master-Arbeit, Prüfung etc.), Abschluss/Zertifikat, Dauer/Präsenztage, Preis, didaktisches Konzept (Fernstudium, Online-Anteile, Blended Learning etc.), Veranstaltungsorte etc.

Betrachtet man die Marktübersicht näher, fallen u.a. folgende Punkte auf:

  • Die großen themenübergreifenden „Seminar-Maschinen“ wie Euroforum, Management-Circle, Haufe-Akademie, FORUM Institut für Management, ZfU (CH) etc. haben keine CSR-Veranstaltungen im Programm; wenn überhaupt fokussieren sie das Thema Nachhaltigkeit auf Anwendungsfelder, wie z.B. Immobilien, Einkauf, Investments etc.
  • Einige privatwirtschaftliche Anbieter (Unternehmensberatungen, Agenturen, Zertifizierer etc.) verfügen über CSR-Weiterbildungsangebote mit bestimmten Schwerpunkten, die vermutlich das eigentliche Kerngeschäft unterstützen sollen (Kommunikation, Umwelt, Energie, Qualität etc.). Ein wirklich umfassendes CSR-Verständnis ist hier nicht zu vermuten.
  • Einige privatwirtschaftliche Anbieter geben zu einzelnen Veranstaltungsangeboten keine konkreten Termine an. Hier ist im besten Fall davon auszugehen, dass man sich noch in der Testphase befindet, im Zweifelsfall ist man aber nicht in der Lage gewesen, eine ausreichende Anzahl an Teilnehmern zu generieren und möchte das Thema aber noch nicht gänzlich aufgeben.
  • Bei manchen Angeboten ist genau zu prüfen, ob es sich um ein Fernstudium oder um Präsenzveranstaltungen handelt; dies ist bei einem so Dilemma-reichen Thema wie CSR wichtig.
  • Bei Hochschulangeboten mit MA/MBA-Abschluss ist die Anzahl der Präsenztage meist zu erfragen, und auch die Auskunft gebenden Stellen sind häufig nicht ausreichend informiert.

Empfehlungen für die Prüfung und Auswahl berufsbegleitender CSR-Weiterbildungsangebote:

  • Weiterbildungsanbieter mit eigener Nachhaltigkeitsstrategie sind die überzeugenderen Vermittler; allerdings ist unter den privatwirtschaftlichen Seminaranbietern keiner zu finden, der erkennbar und systematisch eine nachhaltigkeitsorientierte Geschäftsstrategie verfolgt.
  • Anbieter mit mehreren CSR- (nahen) Themen lassen vermuten, dass sie sich mit dem Thema intensiver auseinandergesetzt haben.
  • Referenten/Trainer mit langjährig ausgewiesener Expertise, vorzugsweise mit konkreter beruflicher Spezialisierung, versprechen einen größeren Lernerfolg.
  • Lassen Veranstaltungen eine (belastbare) Historie erkennen, könnte dies Beleg für ein erfolgreiches inhaltliches und didaktisches Konzept sein.
  • Von Veranstaltern angegebene „Teilnehmerstimmen“ eigenen sich erfahrungsgemäß nur bedingt als Qualitätsbeweis.
  • Aus didaktischen (andere Perspektive), aber auch aus inhaltlichen (hohe Komplexität) Gründen sind Trainerwechsel bei längeren Veranstaltungen (>1Tag) sinnvoll.
  • Bei aufwändigen Fernstudiengängen lassen sich Lernmaterialien testweise prüfen; zudem ist es hilfreich, wenn solche Programme über eine ausreichende Anzahl an Präsenztagen und/oder organisierte Kommunikationsmöglichkeiten verfügen.
  • Bei der Kostenbeurteilung einer Veranstaltung ist nicht alleine der Seminarpreis entscheidend; auch Dauer und Kosten der An-/Abreise, Kosten der Unterbringung und Verpflegung und vor allem der Arbeitsausfall (reduzierbar durch E-Learning-Anteile) sind entscheidende Kalkulationsbestandteile.

Und >> hier geht´s nun zur Marktübersicht.

Kontakt zum Autor: Dr. Thomas Schulz, BNU Beratung für Nachhaltige Unternehmensführung, Frankfurt am Main, info@bfnu.de

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