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Handbuch Nachhaltigkeit für Unternehmen

Welchen Beitrag leisten freiwillige CSR-Maßnahmen für eine nachhaltige Gesellschaft? Diese Frage haben 17 europäische Forschungsinstitute im Rahmen des EU-Projekts „Impact“ untersucht. Im vergangenen Jahr hatten sie ihre Forschungsergebnisse präsentiert. Die gewonnen Erkenntnisse flossen in einen Leitfaden, der Unternehmen bei der Umsetzung einer Nachhaltigkeitsstrategie helfen soll und nun veröffentlicht wurde.

Darmstadt (csr-news) > Welchen Beitrag leisten freiwillige CSR-Maßnahmen für eine nachhaltige Gesellschaft? Diese Frage haben 17 europäische Forschungsinstitute im Rahmen des EU-Projekts „Impact“ untersucht. Im vergangenen Jahr hatten sie ihre Forschungsergebnisse präsentiert. Die gewonnen Erkenntnisse flossen in einen Leitfaden, der Unternehmen bei der Umsetzung einer Nachhaltigkeitsstrategie helfen soll und nun veröffentlicht wurde.

Impact war eines der bislang größten Forschungsprojekte zur Corporate Social Responsibility. Über 2.000 große und mehr als 5.000 kleine und mittlere Unternehmen wurden analysiert, dazu Fallstudien zu 19 großen europäischen Unternehmen aus den Bereichen Automobil und Einzelhandel, Bekleidung und Bau sowie Informations- und Telekommunikationstechnologie, fünf CSR-Netzwerkanalysen und eine schriftliche Befragung von 500 CSR-Experten. Ziel des Projektes war es, herauszufinden, ob CSR-Maßnahmen von Unternehmen einen Beitrag dazu leisten, die EU-Ziele der Strategien von Göteborg und Lissabon zu erreichen: Wachstum, Innovation, Wettbewerbsfähigkeit, hohe Arbeitsplatzqualität sowie ökologische Nachhaltigkeit. Eine eindeutige Antwort, ob CSR auch zu einem ökonomischen Gewinn führt, konnte auch nach Abschluss der Studie nicht pauschal, sondern nur für jedes Nachhaltigkeitsthema einzeln gegeben werden.

Es zeigte sich aber auch, dass fast alle kleinen, mittleren und großen Unternehmen eigene CSR-Aktivitäten zu verfolgen und ein Bewusstsein für die meisten der in einer Befragung vorgeschlagenen Nachhaltigkeitsthemen zu besitzen. Dieses starke Bewusstsein für Nachhaltigkeitsthemen führt allerdings nicht immer dazu, dass Unternehmen auch aktiv werden. „Viele Unternehmen bemühen sich, nachhaltig zu wirtschaften, stoßen aber oft an ihre Grenzen. Häufig ist ihnen nicht klar, mit welchen Maßnahmen sie einen Effekt beispielsweise auf die Umwelt erzielen und wie dieser optimiert werden kann“, erklärt Christoph Brunn, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Öko-Institut. So zeigte sich beispielsweise in der Automobilindustrie ein klares Bewusstsein für die Probleme, die mit dem hohen Bedarf an kritischen Rohstoffen einhergehen, ein aktives Gegensteuern war jedoch nicht zu erkennen. Ähnliche Muster konnten die Forscher beim Thema Wasser in der Bekleidungsindustrie feststellen. Es reicht also nicht nur ein grundsätzliches Nachhaltigkeitsverständnis, sondern: „Es ist unerlässlich, dass Unternehmen sich dort stark machen, wo sie die größte, tatsächliche Wirkung, gerade für ihren Industriezweig, erzielen können“, so Brunn. Ein einfaches „weiter so“ kann also keine sinnvolle Option sein und wird vor allem keine grundlegende Wende hin zu einem nachhaltigen Wirtschaften bringen, lautet dann auch das Fazit der Forscher. Das bisherige Vertrauen in Selbstverpflichtungen oder freiwillige Einzelmaßnahmen der Industrie hätte sich als nicht ausreichend erwiesen. „Nur der richtige Mix aus Freiwilligkeit, Richtlinien und Standards kann helfen, an den wesentlichen Stellschrauben für Nachhaltigkeit zu drehen und so bessere Impacts, das heißt positive Effekte auf die Gesellschaft, zu erzielen“, so Brunn. Auch die bislang nur „weichen“ politischen Anreize wie Awards und Informations- sowie Netzwerkplattformen für CSR-Engagement in Deutschland haben keinen maßgeblichen Einfluss. Das Öko-Institut forderte deswegen die Politik auf, das verfügbare Instrumentarium besser auszunutzen, regulatorisch stärker einzugreifen und wenn nötig auch vor härteren Maßnahmen wie Mindeststandards oder Verboten nicht zurückzuschrecken.

impact

Quelle: Handbuch Nachhaltigkeit für Unternehmen

Um den Nutzen für die Gesellschaft stärker in den Fokus zu rücken und den Unternehmen eine Unterstützung zu bieten, wurde nun das Handbuch für Nachhaltigkeit in Unternehmen veröffentlicht. „Impact hat uns deutlich gezeigt, dass freiwillige Maßnahmen von Unternehmen erkennbare positive Effekte auf Nachhaltigkeit bewirken, jedoch nicht ausreichen, die Nachhaltigkeitsziele der Europäischen Union zu erreichen“, fasst Brunn die Ergebnisse zusammen. „Mit dem Handbuch möchten wir Unternehmen einen Leitfaden an die Hand geben, Nachhaltigkeitsaktivitäten so anzugehen, dass deren gesellschaftliche Wirkung möglichst groß ist“. Ob eine Nachhaltigkeitsmaßnahme eines Unternehmens für die Gesellschaft von Nutzen ist, entscheidet sich an verschiedenen Stellen: bei der Wahl eines bestimmten Themas ebenso wie bei der Auswahl der konkreten Aktivität, der Umsetzung oder auch der Messung der positiven oder negativen Effekte auf Gesellschaft oder Umwelt. Je systematischer ein Unternehmen dabei vorgeht, desto größter ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Aktivitäten auch lohnen. Deshalb haben die Wissenschaftler die Methode CIAM – Corporate Impact Assessment & Management – entwickelt. Nach ihr durchlaufen Nachhaltigkeitsmaßnahmen im besten Fall fünf Phasen, beginnend mit der Auswahl der für das Unternehmen und die Gesellschaft wichtigsten Nachhaltigkeitsthemen. Nach der Entscheidung für die umzusetzenden Nachhaltigkeitsmaßnahmen sollte das Ergebnis am Ende idealerweise anhand von Schlüsselindikatoren gemessen und ausgewertet werden. In jeder der insgesamt fünf Phasen steht der Impact im Vordergrund. CIAM folgt dem Schema etablierter Mechanismen von Managementsystemen und versieht diese mit neuen Elementen. Besonders kleine und mittelständische Unternehmen, die aufgrund ihrer Größe häufig weniger Ressourcen zur Durchführung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen haben, finden in dem Handbuch Tipps dazu, wie sie mit ihren Mitteln positive Effekte erzielen können.

Das „Handbuch für Nachhaltigkeit in Unternehmen“ zum Download.