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CSR-Berichterstattung bei Schweizer Großunternehmen

Mehr als die Hälfte der größten Schweizer Unternehmen hat im vergangenen Geschäftsjahr einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht. Wie eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmens EY Schweiz zeigt, haben sie dabei die Transparenz ausgeweitet und umfangreicher berichtet, verzichten allerdings auf die Prüfung ihrer Zahlen. Die Berater rechnen mit Auswirkungen auf Schweizer Konzerne durch die europäische Gesetzgebung.

Zürich (csr-news) > Mehr als die Hälfte der größten Schweizer Unternehmen hat im vergangenen Geschäftsjahr einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht. Wie eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmens EY Schweiz zeigt, haben sie dabei die Transparenz ausgeweitet und umfangreicher berichtet, verzichten allerdings auf die Prüfung ihrer Zahlen. Die Berater rechnen mit Auswirkungen auf Schweizer Konzerne durch die europäische Gesetzgebung.

Bei gut der Hälfte der Unternehmen ist die Nachhaltigkeit zumindest eng mit der Unternehmensstrategie verknüpft. Vier Fünftel der befragten Unternehmen sehen es allerdings als nötig an, dass Nachhaltigkeit eng an die Strategie gebunden sein sollte. Eine deutliche Mehrheit der befragten Unternehmen antwortete, dass die Geschäftsleitung als Gremium die Hauptverantwortung für die Thematik Nachhaltigkeit innehat. „Unsere Umfrage zeigt die aktuelle Lage vieler Firmen klar auf: Führungskräfte auf allen Ebenen sehen zwar Nachhaltigkeit als zentrales Thema, aber wenn es um die konkrete Umsetzung und Implementierung von Nachhaltigkeitsprogrammen sowie die Erfüllung von Rechenschaftspflichten geht, haben zahlreiche Unternehmen noch einen weiten Weg vor sich“, erläutert Roger Müller.

Nachhaltigkeit ist für die meisten Unternehmen kein Schönwetterthema mehr, das nur zu Marketingzwecken gepflegt wird: 88 Prozent der Befragten gaben an, dass das wichtigste Ziel der Nachhaltigkeitsstrategie die Erhöhung des Unternehmenswerts sei. 67 Prozent wollen damit Wettbewerbsvorteile erzielen oder die Erwartungen von Kunden, Lieferanten oder der Gesellschaft erfüllen. Bei 58 Prozent der Antwortenden geht es darum, interne und externe Geschäftsrisiken zu identifizieren und zu adressieren. Rund die Hälfte will mittels eines vorbildlichen Nachhaltigkeitsmanagements Mitarbeitende, Kunden oder Investoren gewinnen und binden. Kosteneinsparungen stehen nur für ein Drittel im Vordergrund. Die Umfrage zeigt weiter, dass die befragten Unternehmen ihre Kunden als die Gruppe mit der größten Relevanz für die Nachhaltigkeitsstrategie ansehen, gefolgt von Mitarbeitern, der Öffentlichkeit, Aktionären und Regulatoren. Die Unternehmen sind der Auffassung, dass Analysten ihre Nachhaltigkeitsleistung sehr wohl zur Kenntnis nehmen: Die Hälfte der befragten Unternehmen glauben, dass diese die ökologischen und sozialen Faktoren für die Bewertung des Unternehmens beachten. Nur ein Fünftel geht davon aus, dass Analysten diese Informationen ignorieren.

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Quelle: EY-Studie „Transparenz im Visier“

Die meisten Nachhaltigkeitsinformationen werden dabei hauptsächlich zur Erstellung der Nachhaltigkeitsberichte erhoben. „Der Nachhaltigkeitsbericht steht bei vielen Unternehmen noch zu stark im Fokus. Nachhaltigkeit ist kein Thema, das jährlich im ganzen Unternehmen zusammengetragen wird und dann wieder in Vergessenheit geraten darf. Ohne klare Ziele und eine Strategie werden Nachhaltigkeitsberichte nach wenigen Jahren zu Feigenblättern“, gibt Mark Veser, Senior Manager Climate Change and Sustainability Services bei EY Schweiz, zu bedenken. Insgesamt hat sich die Anzahl der von den 110 größten Unternehmen der Schweiz veröffentlichten Nachhaltigkeitsberichte, von 58 im Jahr 2012 auf 60 Berichte im Jahr 2013 erhöht. Die Anzahl der Unternehmen, die ihre Nachhaltigkeitsleistungen umfassend offenlegen, hat sich von 47 auf 52 erhöht. Größtenteils verwenden die Unternehmen die Richtlinien der Global Reporting Initiative, um ihre Nachhaltigkeitsberichte zu erstellen. Rund drei Viertel berichten auf dieser Basis, zehn davon folgen bereits der im vergangenen Jahr publizierten neuen Version G4 der Richtlinien. Zahlreiche Unternehmen wollen ihre Berichterstattung nun umstellen. Mark Veser rechnet damit, dass die neue EU-Direktive auch an der Schweiz nicht spurlos vorübergehen wird: „Direkte Auswirkungen haben die neuen Regeln auf an EU-Börsen kotierte Schweizer Unternehmen. Andere Firmen werden voraussichtlich den Druck spüren, beim Nachhaltigkeitsreporting zu ihren europäischen Kollegen aufzuschließen, um bei Ausschreibungen oder Ratings keine Nachteile zu erleiden.“ Zudem gibt es auch in der Schweiz verschiedene politische Aktivitäten, beispielsweise die laufende Revision des Umweltschutzgesetzes, um Unternehmen zur Berichterstattung zu verpflichten. Zudem hat die außenpolitische Kommission des Nationalrats den Bundesrat beauftragt, einen Vorschlag zur Einführung der Sorgfaltsprüfungspflicht für Unternehmen bezüglich Menschenrechten und Umwelt auszuarbeiten. Verschiedene Nichtregierungsorganisationen haben zudem die Kampagne „Recht ohne Grenzen“ gegründet und beraten über die Lancierung einer ähnlich gerichteten Volksinitiative.

Mark Veser sieht drei Erfolgsfaktoren für ein Nachhaltigkeitsmanagement durch die Studie und die politischen Aktivitäten bestätigt: „Wenn Firmen es schaffen, anspruchsvolle und explizite Ziele für die Nachhaltigkeit zu setzen, eine einheitliche und auf wenige Kernpunkte fokussierte Strategie zu erarbeiten und das Thema eine breite Abstützung im Topmanagement hat, sind die Voraussetzungen gegeben für ein erfolgreiches Nachhaltigkeitsmanagement, das durch die Integration in bestehende Prozesse einen substanziellen Beitrag zum Unternehmenserfolg leistet.“

Die vollständige Studie „Transparenz im Visier“ zum Download.

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