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Der ökologische Fußabdruck stagniert auf hohem Niveau

In jedem Jahr verdeutlicht der Earth Overshoot Day den verschwenderischen Umgang mit den natürlichen Ressourcen der Welt. Seit Jahrzehnten liegt er immer früher im Jahr, in diesem Jahr bereits am 19. August. Für den Rest des Jahres werden gegenüber der Natur Schulden angehäuft. Und die werden immer höher, wie auch der in dieser Woche präsentierte „Living Planet Report 2014“ der Naturschutzorganisation WWF zeigt. Bei der Lösung des Problems spielen Unternehmen eine Hauptrolle.

Berlin (csr-news) > In jedem Jahr verdeutlicht der Earth Overshoot Day den verschwenderischen Umgang mit den natürlichen Ressourcen der Welt. Seit Jahrzehnten liegt er immer früher im Jahr, in diesem Jahr bereits am 19. August. Für den Rest des Jahres werden gegenüber der Natur Schulden angehäuft. Und die werden immer höher, wie auch der in dieser Woche präsentierte „Living Planet Report 2014“ der Naturschutzorganisation WWF zeigt. Bei der Lösung des Problems spielen Unternehmen eine Hauptrolle.

Für die Naturschützer des WWF treibt die Menschheit ihren eigenen Planeten in einen gefährlichen Burn-out. Der Ressourcenverbrauch ist zu hoch und die Erde hat nicht mehr ausreichend Zeit sich zu regenerieren. So zeigt der Living Planet Index für die vergangenen vier Jahrzehnte einen Rückgang der biologischen Vielfalt um 52 Prozent. Im Durchschnitt hat sich die Anzahl der untersuchten Säugetiere, Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische damit halbiert. „Wir entziehen uns und unseren Kindern die Lebensgrundlagen in atemberaubender Geschwindigkeit“, warnte Eberhard Brandes, geschäftsführender Vorstand des WWF Deutschland. „Macht die Menschheit weiter wie bisher, sind bis 2030 zwei komplette Planeten nötig, um den Bedarf an Nahrung, Wasser und Energie zu decken.“ Er mahnt, die Lage sei ernst, schon jetzt würden Hungersnöte, das Artensterben oder extreme Wetterkatastrophen immer dramatischere Ausmaße annehmen. Insgesamt seien drei der zehn ökologischen Belastungsgrenzen, in deren Rahmen eine Stabilität der Erde und ihrer Lebensräume definiert wird, überschritten: beim Biodiversitätsverlust, dem Klimawandel und dem Stickstoffkreislauf. Allerdings betont Brandes im Vorwort des Berichts: „Schönreden hilft ebenso wenig, wie den Kopf in den Sand zu stecken“.

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Allerdings sieht er Deutschland an diesem kritischen Punkt in einer besonderen Verantwortung. Denn in Bezug auf die Bundesrepublik sind die Ergebnisse des Reports eindeutig: Der ökologische Fußabdruck stagniert seit inzwischen zehn Jahren auf deutlich zu hohem Niveau – und das bei steigendem Wohlstand. Jeder Deutsche verbraucht demnach pro Jahr mehr als doppelt so viele Ressourcen, wie ihm im globalen Mittel zustehen würden. „Wir sind weit davon entfernt, Vorbild zu sein. Es muss uns endlich gelingen, den deutschen Fußabdruck auf ein nachhaltiges Maß zu senken“, forderte der WWF-Vorstand. „Nur eine Verringerung des Fußabdrucks kann auch für die nachfolgenden Generationen ein hohes Wohlstandsniveau garantieren. Daher können und müssen wir uns diese Anstrengungen als eine führende Industrienation leisten.“ Dies sei, so Brandes, eine der großen Herausforderungen unserer Zeit. Deutschland müsse insbesondere Landwirtschaft und Verkehr nachhaltiger ausrichten, ausgewiesene Schutzgebiete wirksamer schützen und die nationale Biodiversitätsstrategie schneller umsetzen. Von herausragender Bedeutung sei die konsequente Umsetzung der Energiewende. „Man beobachtet in der Welt sehr genau, wie wir hierzulande als eine führende Industrie- und Exportnation die Energiewende umsetzen. Wenn wir diese Herausforderung erfolgreich stemmen, hat das weltweite Signalwirkung“, bekräftigte Brandes.

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Aber der WWF sieht nicht nur die Politik und jeden Einzelnen in der Verantwortung, sondern vor allem auch Unternehmen. „Ohne die Nutzung natürlicher Ressourcen und Ökosystemdienstleistungen ist Wirtschaften nicht möglich“, heißt es im Report. „Unternehmen arbeiten auf der Basis der vorhandenen ökologischen Grundlagen. Sie nutzen Ressourcen und Ökosystemdienstleistungen – mehr oder weniger – direkt“. Schon aus diesem Grund sollten sie sich auf besondere Weise ihrer Verantwortung stellen. Ein wesentlicher Vorteil der Unternehmen gegenüber der Politik ist allerdings ihre Handlungsfähigkeit. „Schneller als die Politik nämlich sind sie in der Lage, geeignete Maßnahmen zu entwickeln und den Verbrauchern anzubieten“, ist der WWF überzeugt. Das gilt vor allem dann, wenn die Produktion in die entlegensten Regionen der Welt verlagert wird. Gerade auch dort müssten Unternehmen ihre Umweltrisiken und -auswirkungen besser verstehen lernen. Die Auslagerung in Gebiete mit keinen oder nur geringen Umweltauflagen sei dabei zumindest mittelfristig keine Lösung. Schließlich gelten die Folgen beispielsweise des Klimawandels für alle Regionen und außerdem setzt man sich in solchen Fällen besonderen Reputationsrisiken aus. „Wollen Unternehmen ihren Geschäftsbetrieb freihalten von Risiken, müssen sie in Lösungen für das nachhaltige Management von Ressourcen entlang ihrer Wertschöpfungskette investieren“, so der WWF im Report. „Der Schutz der Biodiversität, ehrgeizige Ziele bei der Reduzierung von Treibhausgasemissionen, ein verantwortungsvoller Umgang mit Süßwasser und die Entwicklung ressourcenschonender Produkte und Dienstleistungen sowie die Etablierung von Recyclingkreisläufen zählen dabei zu den wichtigsten Schlüsseln für ein nachhaltiges Wirtschaften“. Das Know-how in den Unternehmen und ihre Hebelwirkungen können nach Auffassung des WWF einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung leisten.

 Die deutsche Zusammenfassung des „Living Planet Report 2014“ zum Download.

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