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Reform trägt Früchte: Elfenbeinküste erntet so viel Kakao wie nie

So gut ging es den Kakaobauern in der Elfenbeinküste lange nicht. Die schweren Unruhen sind seit dem Amtsantritt von Präsident Alassane Outtara 2011 vorerst Vergangenheit, die Regierung zahlt Garantiepreise für die Samen des Kakaobaums, und auch das Wetter spielte mit. Dieses Jahr wird das westafrikanische Land die beste Ernte aller Zeiten einfahren, verkündet die Regierung stolz. Und trotz des großen Angebots sind die Weltmarktpreise oben. Das allerdings liegt an Ebola.

Abidjanlondon (afp) – So gut ging es den Kakaobauern in der Elfenbeinküste lange nicht. Die schweren Unruhen sind seit dem Amtsantritt von Präsident Alassane Outtara 2011 vorerst Vergangenheit, die Regierung zahlt Garantiepreise für die Samen des Kakaobaums, und auch das Wetter spielte mit. Dieses Jahr wird das westafrikanische Land die beste Ernte aller Zeiten einfahren, verkündet die Regierung stolz. Und trotz des großen Angebots sind die Weltmarktpreise oben. Das allerdings liegt an Ebola.

Von Joris Fioriti und Jessica Berthereau

Zwar ist die Elfenbeinküste bislang nicht von der verheerenden Epidemie betroffen – jedoch die Nachbarländer Liberia und Sierra Leone. Groß ist deshalb die Angst, dass sich die Krankheit auch in die Elfenbeinküste und nach Ghana, einem weiteren großen Kakaoproduzenten, ausbreiten könnte. Diese Sorge lässt die Weltmarktpreise hochschießen.

Der Kakaobaum trägt das ganze Jahr über Früchte, die Ernte erstreckt sich also über zwölf Monate. Von Oktober 2013 bis Ende September 2014 kamen mehr als 1,74 Millionen Tonnen Kakaobohnen in der Elfenbeinküste zusammen: ein Fünftel mehr als im Vorjahreszeitraum, wie der Kakao- und Kaffeeverband errechnete. Für Verbandschef Edouard N’Guessan sind neben dem günstigen Wetter vor allem die neuen Sorten der Grund. Seit einigen Jahren schon werde der “Mercedes” unter den Saaten verteilt, sagt er. Die Ernte sei zwei- oder sogar dreimal so hoch wie auf den alten ivorischen Plantagen.

Die Regierung ihrerseits verweist auf die Reform, die sie ab der Saison 2011/2012 eingeführt hat. Seitdem bekommen die Bauern Garantiepreise. Ein Vertreter der Weltbank in der ivorischen Metropole Abidjan stimmt zu: Mit diesen Preisen im Blick hätten viele Bauern ihre Anbaufläche erweitert, bestehende Plantagen würden seitdem besser gepflegt.

Kouao N’dré, Vorsitzender einer Anbaugenossenschaft im Zentrum des Landes, sagt: “Wir freuen uns über die stabilen Preise.” Tatsächlich verdienten die Bauern “ein bisschen mehr”, gibt er zu. Aber angesichts der steigenden Lebenshaltungskosten “spüren wir das nicht”, schiebt er hinterher. Eine Anhebung des Garantiepreises wäre seiner Meinung nach angebracht.

Im fernen London, großer Handelsplatz für den Rohstoff, sind die Preise schon kräftig geklettert. Ende September erreichten sie das höchste Niveau seit mehr als drei Jahren. Rohstoffexperte Ole Hansen von der Saxo Bank erklärt, warum: “Ebola breitet sich weiter aus und nähert sich der größten Anbauregion der Welt. Daher steigt die Sorge um das Angebot.” Die Elfenbeinküste ist der größte Kakaoproduzent weltweit, Ghana der Zweitgrößte, 60 Prozent der Rohware kommt aus den beiden Ländern.

Viele Arbeiter auf den Kakaoplantagen kommen aus den Nachbarländern, wo Ebola schon grassiert, erläutert der Experte Thomas Pugh von der Londoner Beratungsfirma Capital Economics. “Und sind die Arbeitskräfte nicht da, ist der Nachschub gestört.”

Der Kakao wird vor allem von Kleinbauern angebaut, gibt Edward George von der Ecobank zu bedenken. “Wir reden von Hunderttausenden von Bauern, mit Feldern, die 1,5 oder zwei Hektar groß sind.” Entsprechend mühsam ist der Transport: “Das sind Leute, die mit dem Moped, mit dem Auto oder Kleinlaster die Bauern abklappern.” Sollte sich Ebola ausbreiten, würde keiner mehr fahren, die Regierung würde ganze Landstriche unter Quarantäne stellen und Ausgangssperren verhängen.

“Stellen Sie sich das mal vor: 60 Prozent des weltweiten Angebots fallen einfach weg”, ruft Rohstoffhändler George. “Da würden die Preise aber spektakulär steigen!”