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Wie war das Leben damals? Lebensqualität weltweit seit 1820

Wie war das Leben im Jahr 1820 und wie hat es sich bis heute verändert? Eine gemeinsame Studie der OECD unter Beteiligung der Wirtschaftshistoriker des holländischen Clio Infra-Projektes kommt zu dem Schluss: Die Lebensqualität der Menschen hat sich seit dem frühen 20. Jahrhundert in großen Teilen der Welt verbessert. Gerade in jüngerer Zeit haben sich die Lebensbedingungen in den Ländern rund um den Globus stärker angeglichen als das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf. Mit einer Ausnahme, den Ländern südlich der Sahara.

Berlin/Paris (csr-news) > Wie war das Leben im Jahr 1820 und wie hat es sich bis heute verändert? Eine gemeinsame Studie der OECD unter Beteiligung der Wirtschaftshistoriker des holländischen Clio Infra-Projektes kommt zu dem Schluss: Die Lebensqualität der Menschen hat sich seit dem frühen 20. Jahrhundert in großen Teilen der Welt verbessert. Gerade in jüngerer Zeit haben sich die Lebensbedingungen in den Ländern rund um den Globus stärker angeglichen als das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf. Mit einer Ausnahme, den Ländern südlich der Sahara.

Die Studie bietet zum ersten Mal systematische Erkenntnisse über langfristige Trends in Gesundheit, Bildung, sozialer Gleichheit, Umwelt oder persönlicher Sicherheit. Damit leistet sie einen Beitrag zu der Frage inwieweit ökonomischen Faktoren unsere Lebensqualität beeinflussen und ob unsere politischen Vertreter sich in ihrer Arbeit auf Themen konzentrieren, die für das Wohl der Menschen wichtig sind. „Unsere Sicht auf die sozioökonomische Entwicklung seit der industriellen Revolution basiert zu einem Großteil auf Erkenntnissen aus überlieferten volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen in der Tradition von Simon Kuznets und Angus Maddison“, schreiben die Historiker. „Die Entwicklungen des Bruttoinlandsprodukts (BIP) pro Kopf spiegeln jedoch nicht vollständig die verschiedenen Formen von Lebensqualität wider“. Vor allem weil die Entwicklung der Menschheit inzwischen verstärkt nicht nur anhand wirtschaftlicher Fakten bewertet wird, sondern immer stärker im Zusammenhang mit Lebensqualität.

Schon seit vielen Jahren sammeln Wirtschaftshistoriker und andere Sozialwissenschaftler Daten, die die immateriellen Formen von Lebensqualität umfassen. Bis heute sind diese jedoch nicht systematisch über Raum und Zeit verglichen worden. So mag es vielleicht im 19. Jahrhundert Informationen zur Lebenserwartung in einigen europäischen Ländern gegeben haben, aber es ist bis jetzt nicht möglich gewesen, diese mit Zahlen für Afrika zu vergleichen. Folglich beruhen die meisten Studien, die weltweit langfristige Entwicklungen erfassen, stark auf den Schätzungen des BIP pro Kopf. Der vorliegende Bericht will diese Lücke schließen.

Dabei werden die Entwicklungen wurden für 25 Länder, acht Weltregionen und die Weltwirtschaft als Ganzes erfasst. Der Bericht untersucht zehn individuelle Formen von Lebensqualität und verfolgt sie über Raum und Zeit, um sie dann in einem neuen Gesamtindikator zusammenzufassen. Die historischen Daten erstrecken sich von inflationsbereinigten Löhnen über das BIP, die Lebenserwartung, Bildungsabschlüsse, Größe (als Maß für physisches Wohlbefinden und Ernährung), Sicherheit, politische Institutionen, die Umwelt bis hin zur Ungleichheit in Bezug auf Einkommen und zwischen den Geschlechtern. Die Themen orientieren sich am How’s Life?-Bericht der OECD, der regelmäßig die Lebensqualität und den Fortschritt in modernen Gesellschaften misst.

Ein kombinierter Indikator aller erforschten Dimensionen zeigt, dass verbesserte Einkommen und höhere Wirtschaftskraft nicht notwendig auch zu Fortschritten in anderen Lebensbereichen führen. Das BIP allein spiegelt also die Lebensqualität nur ungenügend. Laut der Studie sind die Löhne einfacher Arbeiter seit 1820 inflationsbereinigt um das Achtfache gestiegen, während das globale BIP sogar zehn Mal so hoch kletterte. Der Anstieg fiel allerdings in Westeuropa, Nordamerika, Australien, Nahost und Nordafrika stärker aus als in anderen Regionen. Die Ungleichheit der Einkommen hat sich zwischen dem Ende des 19. Jahrhunderts und 1970 verringert und ist danach wieder erheblich gewachsen. In Osteuropa kam es nach dem Zusammenbruch des Kommunismus zu einem rasanten Anstieg der Ungleichheit. Auch in China ist die Ungleichheit seit den 90er Jahren auf dem Vormarsch. Insgesamt hat die Globalisierung seit den 1980er Jahren dazu geführt, dass die soziale Ungleichheit innerhalb der Staaten wuchs, während sie zwischen den Ländern zurückging. In einigen Bereichen, wie zum Beispiel bei Bildung und Gesundheit, ist die statistische Korrelation mit dem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf zunächst relativ stark. 1820 konnte weltweit nur etwa jeder fünfte Mensch Lesen und Schreiben. Nach 1945 verbesserte sich die Alphabetisierung erheblich, im Jahr 2000 waren bereits acht von zehn Menschen in der Lage, zu lesen und zu schreiben. Ähnlich dramatisch war der Fortschritt bei der Lebenserwartung, die von weniger als 30 Jahren 1880 auf beinahe 70 Jahre (2000) stieg. Heute sind unter anderem durch eine verbesserte Gesundheitsversorgung selbst dort noch Fortschritte in der Lebenserwartung zu erkennen, wo das BIP stagniert. Kaum ausgeprägt ist der Zusammenhang zwischen dem Reichtum eines Landes und der persönlichen Sicherheit seiner Bewohner: So waren zum Beispiel die Mordraten in den USA über 200 Jahre relativ hoch, während sie in vielen Teilen Asiens niedrig sind.

Der Bericht „How Was Life? Global Well-being since 1820“ online und die Visualisierung der Daten.

 

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