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Textilindustrie kritisiert „Bündnis für nachhaltige Textilien“

Das geplante „Bündnis für nachhaltige Textilien“ von Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) stößt in der Wirtschaft auf große Bedenken. Viele Details des Vorhabens seien „nicht realisierbar“, teilte der Gesamtverband der deutschen Modeindustrie (T+M) am Freitag in Berlin mit. Auch aus der Opposition im Bundestag kam Kritik.

Berlin (afp) – Das geplante „Bündnis für nachhaltige Textilien“ von Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) stößt in der Wirtschaft auf große Bedenken. Viele Details des Vorhabens seien „nicht realisierbar“, teilte der Gesamtverband der deutschen Modeindustrie (T+M) am Freitag in Berlin mit. Auch der Handelsverband Deutschland (HDE) und die Außenhandelsvereinigung des deutschen Einzelhandels (AVE) bezeichneten Müllers Vorhaben am Freitag als „noch nicht entscheidungsreif“ und als „unrealistisch“.

Der T+M kritisierte insbesondere die Forderung des Bündnisses, weltweit wie in Deutschland übliche Sozialstandards durchzusetzen und auf einige „unersetzbare“ chemische Stoffe zu verzichten. Dies sei für viele Unternehmen „in einem überschaubaren Zeitraum“ nicht erreichbar. Der Gesamtverband werde deswegen nicht Mitglied des Bündnisses werden.

HDE-Geschäftsführer Stefan Genth bemängelte eine Reihe von sozialen und ökologischen Anforderungen als „nicht erfüllbar“. Der Einzelhandel sei aber bereit, Müllers Aktionsplan mit allen Beteiligten weiter zu entwickeln.

Auch aus der Opposition im Bundestag kam Kritik: Der Grünen-Abgeordnete Uwe Kekeritz bezeichnete Müllers Vorhaben als „wenig konkret“. Das „Bündnis für nachhaltige Textilien“ will erreichen, dass Industrie und Handel über die gesamte Herstellungskette hinweg soziale und ökologische Mindeststandards einhalten. Am kommenden Donnerstag will Minister Müller das Bündnis vorstellen.

In einigen Ländern, in denen die Textilindustrie fertigen lässt, gibt es immer wieder schwere Unglücke und Arbeitsunfälle. Massive Überstunden, enormer Leistungsdruck und Arbeitsrechtsverletzungen gehören zum Alltag der Näher. Eines der schwersten Unglücke ereignete sich am 24. April 2013, als der Rana-Plaza-Fabrikkomplex in Bangladesch einstürzte. Mehr als 1100 Arbeiter kamen ums Leben, mehr als 2000 weitere Menschen wurden verletzt. Zahlreiche westliche Firmen hatten in dem Gebäude Kleider nähen lassen.