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Bündnis für nachhaltige Textilien: Harte Kritik und Zustimmung aus der Wirtschaft

Kurz vor der offiziellen Vorstellung des Bündnisses für nachhaltige Textilien von Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) verschärft die Wirtschaft ihre Kritik daran. Das Bündnis sei „realitätsfern“, zitierte das die Online-Ausgabe des „Handelsblatt“ am Dienstag aus einem Brief von Peter Clever, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands, an das Ministerium. Der nachhaltige Modeanbieter hessnatur erklärte dagegen seinen Beitritt zu dem Bündnis.

Berlin (csr-news) – Kurz vor der offiziellen Vorstellung des Bündnisses für nachhaltige Textilien von Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) verschärft die Wirtschaft ihre Kritik daran. Das Bündnis sei „realitätsfern“, zitierte das die Online-Ausgabe des „Handelsblatt“ am Dienstag aus einem Brief von Peter Clever, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands, an das Ministerium. Der nachhaltige Modeanbieter hessnatur erklärte dagegen seinen Beitritt zu dem Bündnis.

Clever schrieb laut „Handelsblatt“: „Es wurde zunehmend deutlich, dass das Ministerium in eine Richtung drängt, die nicht mit praktischem Realismus zu tun hat.“ Der Arbeitgebervertreter kritisiere in seinem Schreiben, dass Modeunternehmen Verantwortung bis hin zum Baumwollanbau übernehmen sollen. Das gehe weit über alle internationalen Vorgaben und Richtlinien hinaus. Leistbar sei das für die Unternehmen nicht.

Dagegen erklärte der Geschäftsführungsvorsitzende von hessnatur, Marc Sommer, gegenüber der Presse: „Gerade als mittelständisches Unternehmen sehen wir im Textilbündnis eine große Chance zur Profilierung im Wettbewerb, weil wir zeigen, dass eine qualitativ hochwertige Produktion modischer Kleidung in Verantwortung möglich ist.“ Der Beitritt zu dem Bündnis sei für hessnatur ein logischer und konsequenter Schritt. Sommer weiter: „In dem von Bundesminister Gerd Müller initiierten Bündnis sehen wir eine große Chance, die gesamte Textilproduktion menschlicher und umweltfreundlicher zu gestalten.“

Müller will das Bündnis am Donnerstag vorstellen. Erst am Freitag hatten der Gesamtverband der deutschen Modeindustrie (T+M), der Handelsverband Deutschland (HDE) und die Außenhandelsvereinigung des deutschen Einzelhandels (AVE) Müllers Pläne als „unrealistisch“ und „noch nicht entscheidungsreif“ bemängelt. T+M sagte seine Teilnahme ab. Der HDE will dagegen weiter mitmachen und Müllers Aktionsplan „weiterentwickeln“.

Die Kampagne für Saubere Kleidung, die Clean Clothes Campaign (CCC), begrüßte dagegen erneut die Pläne des Ministers. Ähnliche Initiativen gebe es auch in anderen europäischen Ländern. Daher sei das deutsche Textilbündnis kein „nationaler Alleingang“, sondern ein wichtiger Beitrag Deutschlands zur europäischen Verantwortung für eine nachhaltige globale Entwicklung. Freiwillige Selbstverpflichtungen führten aber nicht weit genug, mahnte CCC, seien aber ein erster hilfreicher Schritt. Sie forderte verpflichtende und gesetzliche Rahmenbedingungen.