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CDP-Klimaschutzranking: Emissionen in der Lieferkette bleiben Herausforderung

Nur wenige Unternehmen erfassen die CO2-Emissionen in ihrer Lieferkette und Vorproduktion effektiv. Das wurde bei der Vorstellung der CDP-Klimadatenabfrage 2014 für die DACH-Region am Donnerstag in München deutlich. Ansonsten belegt die Studie eine wachsende Bedeutung transparenter Klimaberichte sowohl für Unternehmen als auch für Investoren.

München (csr-news) – Nur wenige Unternehmen erfassen die CO2-Emissionen in ihrer Lieferkette und Vorproduktion effektiv. Das wurde bei der Vorstellung der CDP-Klimadatenabfrage 2014 für die DACH-Region am Donnerstag in München deutlich. Ansonsten belegt die Studie eine wachsende Bedeutung transparenter Klimaberichte sowohl für Unternehmen als auch für Investoren. „Unternehmen warten darauf, dass Regierungen einen klareren Rahmen setzen“, sagte Paul Simpson, der CEO des CDP.

Die gemeinnützige Klimaschutzorganisation CDP erfasst in ihrer Klimadatenabfrage 2014 die Daten von 4.500 Unternehmen weltweit, darunter 166 börsennotierte Unternehmen aus der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz), die an das CDP berichten. Die Unternehmen werden nach ihren Ergebnissen gerankt. Die Bestnote A erzielten in der DACH-Region Bayer, BMW, Commerzbank, Daimler, EnBW Energie Baden-Württemberg, Generali Deutschland, MAN, Raiffeisen Bank International, RWE, SAP, SGS, Siemens, Syngenta International, UBS, VERBUND AG, Volkswagen sowie Zurich Insurance Group. Damit gehören zu den Besten auch solche Unternehmen, deren Geschäftsaktivitäten gemeinhin nicht als klimafreundlich gelten. Susan Dreyer, beim CDP verantwortlich für die DACH-Region, sagte: „Wir wollen Veränderungen auslösen. Das heißt: Wir belohnen im Performance Score relative Verbesserungen.“

Schwachstelle Scope 3

In einer Klimaberichterstattung werden erfasst: die direkten, durch Verbrennung in eigenen Anlagen erzeugten Emissionen (Scope 1), die indirekten Emissionen aufgrund eingekaufter Energie (Scope 2) sowie die Emissionen in Vorproduktion und Lieferkette (Scope 3). Die Erfassung und das Management der Scope 3-Emissionen wird nur von wenigen Unternehmen ausreichend wahrgenommen. Lediglich zwei Unternehmen – BASF und Metro – konnten in der Erhebung alle Fragen zum CO2-Ausstoß in ihrer Vorproduktion vollständig beantworten und mit Emissionsdaten belegen. Wie das CDP berichtete, machen aber gerade die Scope 3-Emissionen in manchen Branchen ein Vielfaches der Scope 1 und 2-Emissionen aus.

„In einer globalen Welt ist für uns wichtig, dass Klimaschutz nicht nur hinter dem eigenen Fabriktor stattfindet“, sagte Dreyer. Deutlicher wurde der Vertreter einer auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Investmentorganisation: „Die Klimaschweinereien finden meisten in der Zulieferkette statt“, sagte versiko-Vorstand Michael Duesberg. In einen anspruchsvollen Nachhaltigkeitsfonds würden deshalb auch die Performance Leader des CDP nicht aufgenommen.

„Die Grundschwierigkeit für die Unternehmen sehe ich darin, Daten aus ihrer Lieferkette zu bekommen“, so Dreyer. Denn die Scope 3-Emissionen entstünden außerhalb ihres eigenen Zulieferbereichs. Für BMW sagte Ursula Mathar, Leiterin des Nachhaltigkeitsmanagements: „Wir engagieren uns gemeinsam mit unseren Lieferanten und gehen auch in die Regionen.“ Das Unternehmen hatte laut CDP nicht alle Fragen zum Scope 3 beantwortet. „Wir haben alles beantwortet, was relevant ist“, sagte Mathar. Das Händlernetz sei nicht vollständig erfasst, einige Angaben seien hochgerechnet worden.

Investoren nehmen Klimarisiken ernst

Weltweit unterstützen 767 Investoren, die über ein Drittel des weltweit investierten Vermögens verwalten, das Anliegen des CDP. Nach Überzeugung der NGO liegt dies zum einen an bereits erkennbaren unmittelbaren Auswirkungen des Klimawandels auf Kosten und Umsatz der Unternehmen. Zudem könnten Investoren, die das CDP-Scoring in ihren Anlageentscheidungen berücksichtigen, höhere Langfristrenditen erzielen. So erzielten die fünf DAX-Unternehmen mit dem besten CDP-Scoring-Ergebnis eine fünf Prozent höhere Rendite als die fünf DAX-Unternehmen mit den schlechtesten Ergebnissen. „Diese Steigerung auch nachhaltig und mehrjährig hinzubekommen, auf Wunsch der Investoren, das ist nicht so trivial“, sagte Ingo Speich, Senior Portfoliomanager bei Union Invest.

„Bei großen Unternehmen würde eine Nichtteilnahme am CDP zu einer Nichtentlastung des Vorstandes bzw. des Aufsichtsrates führen“, so Speich weiter. Eine Nichtteilnahme sei ein klares Signal an Investoren und führe zur Hinterfragung der Klimastrategie. Von den 30 DAX-Unternehmen berichten 29, die Munich Re berichtet aktuell nicht. Weltweit hat Apple neu teilgenommen – und das mit guten Ergebnissen

Klimaberichterstattung wird transparenter

Zugleich weisen die CDP-Ergebnisse auf eine zunehmend transparente Klimaberichterstattung börsennotierter Unternehmen. In der DACH Region konnten 110 der 166 beteiligten Unternehmen deutlich mehr Transparenz als im Vorjahr vorweisen. Durchschnittlich erfüllen die Unternehmen 70 Prozent der CDP-Anforderungen – und damit 25 Prozentpunkte mehr als vor vier Jahren. Trotzdem gibt es mit diesem Ergebnis noch „Luft nach oben“.

Weitere Ergebnisse

77% der CDP-Teilnehmer sehen laut aktueller Befragung im Klimawandel auch Chancen und 70% sehen sich von einem Risiko betroffen.

Automobilhersteller und ihre Zulieferer nehmen beim Klimaschutz eine zentrale Rolle ein: Alle CDP-Teilnehmer aus dieser Gruppe bieten auch klimafreundliche Produkte. BMW, Daimler und Volkswagen erreichen im CDP-Ranking die Bestnote A.

Der Klimawandel ist ein Geschäftsthema mit hoher Relevanz: Bei 83% der Unternehmen liegt die Verantwortung dafür beim Vorstand oder bei einem direkt vom Vorstand beauftragten Komitee.

42% setzen ihren Mitarbeitern finanzielle Anreize für die Erreichung von Klimaschutzzielen, allerdings betreffen nur 13% davon den Vorstand.

Was Klimaschutz bewirkt, sei aufgrund der Veränderungen in Unternehmen nicht so einfach zu ermitteln, so Dreyer. 688 Mio. Tonnen an direkten Treibhausgasemissionen wurden im DACH-Raum über das CDP offengelegt. An Einsparungen wurden für Scope 1 und 2 lediglich zwei Mio. Tonnen erreicht

Die Ergebnisse des globalen „CDP Climate Performance Leadership Index 2014“ >> als PDF zum Download

About the author

CSRjournalist

Achim Halfmann ist Geschäftsführer von CSR NEWS und lebt im Bergischen Land. Seine Themen liegen vorallem in den Bereichen Gesellschaft, Medien und Internationales.

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