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Werkstätten für Behinderte – Plus für die Gesellschaft

Welche volkswirtschaftlichen Auswirkungen erzeugen gemeinnützige Werkstätten für behinderte Menschen? Dieser Frage ist die Universität Eichstätt-Ingolstadt im Auftrag des Bundesverbandes der Werkstätten (BAG WfbM) in einer Studie nachgegangen. Diese erste bundesweite Studie hat einen klaren Mehrwert für die Gesellschaft ermittelt. Mit 100 Euro investierten Mitteln erzeugen sie eine Wertschöpfung in Höhe von 108 Euro.

Frankfurt (csr-news) > Welche volkswirtschaftlichen Auswirkungen erzeugen gemeinnützige Werkstätten für behinderte Menschen? Dieser Frage ist die Universität Eichstätt-Ingolstadt im Auftrag des Bundesverbandes der Werkstätten (BAG WfbM) in einer Studie nachgegangen. Diese erste bundesweite Studie hat einen klaren Mehrwert für die Gesellschaft ermittelt. Mit 100 Euro investierten Mitteln erzeugen sie eine Wertschöpfung in Höhe von 108 Euro.

Werkstätten wirken – sie verbessern die Lebensqualität von Menschen mit Behinderung. Und sie sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in ihrer Region und darüber hinaus, so das Fazit der Forscher in ihrer Studie zum Social Return on Investment (SROI). Rund 300.000 Menschen sind in Deutschland aufgrund einer schwerwiegenden Beeinträchtigung vom allgemeinen Arbeitsmarkt ausgeschlossen und finden in den Werkstätten nicht nur ein Arbeitsangebot, sondern auch eine Perspektive. Dabei entstehen, unterstützt von rund 70.000 Fachkräften, Produkte und Dienstleistungen, die in den Wirtschaftskreislauf fließen. In der Summe leisten die Werkstätten mit einen Jahresumsatz von rund 8 Milliarden Euro, ein beträchtlichen Beitrag zur volkswirtschaftlichen Wertschöpfung in Deutschland. Jochen Walter, im Vorstand des BAG WfbM: „Die Studie belegt, Werkstätten sind wertschöpfende Unternehmen, in die es sich lohnt, Steuergelder zu investieren. Sie erzeugen positive soziale Wirkungen – sowohl direkt für die Menschen mit Behinderung als auch darüber hinaus für das Umfeld und die Wirtschaftsregion.“ Für die Studie wurden die Daten von 26 Werkstätten vorwiegend aus dem Jahr 2013 ausgewertet. Diese repräsentative Stichprobe bildet rund 7 Prozent der Werkstätten in Deutschland ab. Dabei zeigte sich, dass die in Werkstätten investierten öffentlichen Mittel nicht einfach verbraucht werden. Vielmehr sind die positiven Effekte für alle Beteiligten zu spüren. Um den Kreislauf der investierten Mittel und die erzeugten Wirkungen und Rückflüsse sichtbar zu machen haben sich die Forscher der SROI-Methode bedient. Danach wird gefragt: Welchen Ertrag bekommt die Gesellschaft für ihre Investitionen in Werkstätten zurück? Sozialausgaben der öffentlichen Hand werden also nicht als „versenkte Mittel“ betrachtet, sondern als Investitionen. Prof. Bernd Halfar von der katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt: „Die Werkstätten haben die Herausforderung als Sozialunternehmen angenommen. Damit nehmen sie in der wissenschaftlichen Betrachtung sozialer Unternehmen eine Vorreiterrolle ein. Erstmals macht sich eine ganze Branche innerhalb der Sozialwirtschaft auf diese Weise transparent und ist Teil einer Bewegung von Organisationen, die eine Entwicklung zum Wirkungsdenken vorantreiben.“ Die Werkstätten und ihre Mitarbeiter führen Steuern und Sozialbeiträge ab, sie vermeiden an anderer Stelle Kosten für die öffentliche Hand und sie erzeugen direkte und induzierte wirtschaftliche Effekte für die Regionen. Die SROI-Studie hat diese Wirkungen gemessen. In der Summe kommt sie zu dem Ergebnis: Werkstätten sind wertschöpfend. Unterm Strich erzeugen sie ein deutliches Plus für die Gesellschaft. Hochgerechnet verschaffen Werkstätten der öffentlichen Hand pro Jahr Einnahmen und Einsparungen in Höhe von etwa 6 Milliarden Euro im Vergleich zu Investitionen in Höhe von 5,6 Milliarden Euro. 100 Euro, die in Werkstattleistungen investiert werden, erzeugen also eine Wertschöpfung von 108 Euro.

SROI

 

Quelle: BAG WfbM

 

Die vier SROI-Perspektiven im Detail:

SROI 1: Die erste Perspektive bestimmt die Rückflüsse, die aus der Werkstatt über Sozialversicherungsbeiträge und Steuern an die öffentliche Hand zurückfließen. Diese werden von den erhaltenen Zuschüssen und Entgelten abgezogen. Ein Ergebnis der Studie ist: 51 Euro von 100 Euro fließen sofort wieder an die Gesellschaft zurück.

SROI 2: Die zweite Perspektive betrachtet, welchen Beitrag Werkstattbeschäftigte von ihren persönlichen Sozialleistungen über Steuern und Sozialbeiträge wieder an die öffentliche Hand zurückzahlen. Das Ergebnis: Werkstätten befähigen Menschen mit Behinderung, aktiver Teil der Gemeinschaft zu sein. Werkstattbeschäftigte erwirtschaften einen Teil ihres Lebensunterhaltes und leisten einen wertvollen volkswirtschaftlichen Beitrag. Von 100 Euro Transferleistungen, die die Werkstattbeschäftigten erhalten, zahlen sie im Schnitt 69 Euro an die öffentlichen Kassen zurück.

SROI 3: Diese Perspektive berechnet, welche Kosten entstehen würden, wenn es das Werkstattangebot nicht gäbe. Zum Vergleich: Ein Werkstattplatz kostet die öffentliche Hand – Steuern und Beiträge abgezogen – im Schnitt rund 10.000 Euro pro Jahr. Würden die Beschäftigten zu Hause bleiben, entstünden Betreuungskosten von durch-schnittlich rund 10.400 Euro pro Person. Ein Grund dafür ist: Einige Angehörige von Menschen mit Behinderung könnten nur eingeschränkt erwerbsfähig sein. Dadurch würden für den Staat Steuern und Beiträge aus Bruttolöhnen von rund 2 Milliarden Euro entfallen. Alternativen zur Werkstatt, die weniger Teilhabe für Menschen mit Behinderungen bieten, sind nicht günstiger.

SROI 4: Die vierte Perspektive betrachtet Werkstattunternehmen als Wirtschaftsfaktoren. Werkstätten sind Sozialunternehmen. Sie holen Aufträge in die Region und schaffen Arbeitsplätze. Hochgerechnet generieren Werkstätten direkte Einkommen in Höhe von 3 Milliarden Euro. Werkstätten und ihre Beschäftigten kaufen Waren und beziehen Dienstleistungen. Bundesweit bedeutet das eine direkte Nachfrage von rund 2,7 Milliarden Euro. Da die Mitarbeiter und Beschäftigten einen Teil ihres Einkommens in der Region ausgeben, wird dort die Wirtschaft angekurbelt. Durch die Tätigkeit von Werkstätten entsteht eine direkte und induzierte Nachfrage in Höhe von insgesamt 6 Milliarden Euro. Daran hängen wiederum direkte und induzierte Arbeitsplätze in Höhe von rund 7 Milliarden Euro (Bruttolöhne). Für die öffentliche Hand bedeutet dies Einnahmen in Höhe von knapp 6 Milliarden Euro.

Positive Sozialbilanz: Die Teilhabeangebote der Werkstätten verbinden Soziallei-stungen und wirtschaftliche Produktivität zu einem Kreislauf. Damit verbessert das Werkstattangebot die Lebensqualität von behinderten Menschen, die Unterstützung im Arbeitsleben brauchen, und sie fördert die Wohlfahrt der Gesellschaft.