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Die Rolle zivilgesellschaftlicher Initiativen für die Nachhaltigkeit von Städten

In zahlreichen europäischen Städten gibt es vielfältige Ideen und Initiativen, die den gesellschaftlichen Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit zum Ziel haben. Doch was macht eine nachhaltige Stadt aus und wie lassen sich Veränderungsprozesse beschleunigen und unterstützen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) gemeinsam mit europäischen Partnern im Projekt ARTS. Mehrere Städte haben die Forscher im Fokus, unter anderem Dresden.

Dresden (csr-news) > In zahlreichen europäischen Städten gibt es vielfältige Ideen und Initiativen, die den gesellschaftlichen Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit zum Ziel haben. Doch was macht eine nachhaltige Stadt aus und wie lassen sich Veränderungsprozesse beschleunigen und unterstützen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) gemeinsam mit europäischen Partnern im Projekt ARTS. Mehrere Städte haben die Forscher im Fokus, unter anderem Dresden.

Dresden mit seinem Umland ist eine von fünf Regionen in Europa, die in Sachen Nachhaltigkeitsentwicklung bereits viele lokale Aktivitäten vorweisen können und unter anderem deshalb im Fokus des Forschungsprojektes ARTS (Accelerating and Rescaling Transitions to Sustainability) stehen. „Um uns ein Bild von den bisherigen Erfolgen und Hindernissen machen zu können, wollen wir gern mit den lokalen Initiativen ins Gespräch kommen“, sagt Markus Egermann vom IÖR, der das Projekt koordiniert. Deshalb waren zum Projektauftakt Mitte Oktober lokale Akteure aus allen gesellschaftlichen Bereichen in das IÖR eingeladen. Über 60 Interessierte von zivilgesellschaftlichen Initiativen und Vereinen, aus der Kommunalverwaltung und der Privatwirtschaft folgten der Einladung. „Dieser Zuspruch war überwältigend und zeigt zugleich, dass das Forschungsprojekt ein wichtiges Thema aufgreift“, sagt Egermann.

Ob Car-Sharing, Nachbarschaftsgärten, Bürgerkraftwerke, lokale Währungen, das Klimaschutzbüro oder die Lokale Agenda 21 – längst gibt es in Dresden zahlreiche Nachhaltigkeitsinitiativen. Sie alle wollen den CO2-Ausstoß minimieren, Energie und andere Ressourcen sparen oder regionale Wirtschaftskreisläufe stärken und von globalen Entwicklungen unabhängiger werden. „Einige der Initiativen sind inzwischen fester Bestandteil des Stadtlebens, andere haben sich enttäuscht wieder zurückgezogen, nachdem sie auf erhebliche Hürden gestoßen sind“, erklärt Markus Egermann. Viele dieser Initiativen werden von zivilgesellschaftlichen Akteuren initiiert und sind deshalb von großem Interesse für die Forscher. „Wir wollen aber gleichermaßen die bestehenden Aktivitäten aus Politik und Verwaltung sowie aus der Wirtschaft und Wissenschaft in den Blick nehmen und gerade auch die Potenziale einer stärkeren Vernetzung und Zusammenarbeit ausloten“, so Egermann. Zusammen mit Forschern aus Großbritannien, Ungarn, den Niederlanden, Schweden, Österreich und Belgien erforschen die Dresdner in den nächsten zwei Jahren, welche Faktoren die bereits angestoßenen Prozesse behindern und was getan werden kann, um die nachhaltige Entwicklung von Stadtregionen zu beschleunigen. „Obwohl es bereits viele Initiativen gibt, die mit innovativen Ideen zu nachhaltigem Verhalten anregen, zeigen Studien doch, dass wir noch weit von einem gesamtgesellschaftlichen Wandel zu mehr Nachhaltigkeit entfernt sind“, sagt Egermann. Bis 2016 wird das Dresdner Projektteam nun die Gegebenheiten vor Ort analysieren und dabei die existierenden Initiativen durch Workshops, Experteninterviews, künstlerische Wettbewerbe und die Nutzung sozialer Medien eng einbeziehen. Ziel ist es, gemeinsam mit den Akteuren der Stadtregion geeignete Strategien zu erarbeiten, die auf den schon vorhandenen Aktivitäten aufbauen, soziale Innovations- und Lernprozesse anstoßen und so den Prozess hin zu mehr Nachhaltigkeit in der Region voranbringen.

Ähnlich gehen die anderen Forscher im ARTS Projekt vor. Von ihnen werden die Städte Brighton, Budapest, Genk und Stockholm untersucht. Im Mittelpunkt stehen dabei immer die lokalen Nachhaltigkeitsinitiativen und die Frage, welche Bedingungen und Mechanismen deren Bemühen um eine Veränderung städtischer Infrastrukturen und Lebensstile befördern oder behindern. Am Ende soll durch das Forschungsprojekt ein vertiefendes Verständnis der Bedingungen, Herausforderungen und Mechanismen zur Beschleunigung des gesellschaftlichen Wandels zu Nachhaltigkeit möglich sein. Dabei wird die Zusammenarbeit zwischen Gesellschaft und Forschung gestärkt, mit dem Ziel, Theorien und politische Strategien zu formulieren und soziale Innovations- und Lernprozesse anzustoßen. Das Projekt trägt somit zu neuen Governanceansätzen und Instrumenten bei, die die öffentliche Debatte rund um Nachhaltigkeit und bürgerschaftliches Engagement beleben sollen.

Die Website des Projekts ARTS.