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African Briquet Factory: Soziales Startup als Alternative zur Entwicklungshilfe

Aus Abfällen der Landwirtschaft lässt sich mittels „Brikettierung“ sogenannte „grüne Kohle“ herstellen. Die African Briquet Factory in Äthiopien wendet dieses Verfahren an. Gerd Ladstätter gründete das Startup 2011 mit dem Ziel, eine Alternative zur staatlichen Entwicklungshilfen zu schaffen.

Addis Abeba (csr-news) – Aus Abfällen der Landwirtschaft lässt sich mittels „Brikettierung“ sogenannte „grüne Kohle“ herstellen. Die African Briquet Factory in Äthiopien wendet dieses Verfahren an. Gerd Ladstätter gründete das Startup 2011 mit dem Ziel, eine Alternative zur staatlichen Entwicklungshilfen zu schaffen. „Bevor ich das Unternehmen gründete, arbeitete ich ein halbes Jahr lang als Investment Promotion Experte für ein äthiopisch-deutsches Regierungsprogramm zur Förderung der Privatwirtschaft“, berichtet Ladstätter. „Dabei habe ich einige Entwicklungshilfe-Projekte kennengelernt – ich halte diese Art von Hilfe jedoch für ineffizient.“ Als „Social Enterprise for profit“ soll das Unternehmen langfristig Arbeitsplätze schaffen und auf diese Weise die wirtschaftliche Entwicklung Äthiopiens unterstützen.

Bio-Briketts werden zum Kochen und in der industriellen Produktion eingesetzt. „Mit der Herstellung der Briketts leisten wir einen wesentlichen Beitrag zur Klimaverbesserung“, so Ladstätter. „Beim Einsatz von einer Tonne Briketts werden 1,5 Tonnen C02 eingespart.“ Darüber hinaus seien Bio-Briketts billiger als fossile Brennstoffe und hätten einen höheren Brennwert.

Das Thema Nachhaltigkeit wird in Äthiopien viel diskutiert: „Der verstorbene Premierminister Meles Zenawi hat intensiv die Diskussionen zur Klimaveränderung auf internationaler Ebene geschürt“, erklärt Ladstätter. „Nicht ohne Vorteil für Äthiopien, das ja durch seine geographische Lage von Klimaveränderungen stärker betroffen ist.“ Dies werde in den nationalen Medien thematisiert. Darüber hinaus belieferten viele Unternehmen, insbesondere Textilunternehmen, westliche Konzerne und setzten sich auch deshalb mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinander.

Aktuell beschäftigt die African Briquet Factory 25 Mitarbeiter und plant, die Anzahl der Angestellten im Zuge einer Verdopplung der Produktionskapazität im nächsten Jahr auf 50 zu erhöhen. „Da die Mitarbeiter meistens Mitglied einer Großfamilie sind, würden etwa 200 bis 300 Personen von 50 Arbeitsplätzen profitieren“, sagt Ladstätter. Man könne das Unternehmen stark automatisieren, es sei ihm jedoch wichtig, Arbeitsplätze zu schaffen.

Äthiopien ist ein Agrarstaat: Im Jahr 2012 waren laut Auswärtigem Amt 81 Prozent der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft beschäftigt. „Die Produktion von Bio-Briketts bietet sich also an“, so Ladstätter. „Trotzdem gab es die Briketts in Äthiopien bislang nicht, anders als beispielsweise in China, Indien, Kenia und Tansania.“ Insgesamt wundere es ihn, dass wenige Europäer in Äthiopien investierten. In dem Land gebe es eine rasante Industrieentwicklung, daher seien die Möglichkeiten „enorm“. „In Deutschland muss man sich mit Startups eine Nische suchen – da ist nichts, was es auf dem Markt noch nicht gibt“, sagt Ladstätter. „In Äthiopien gibt es sehr viele Marktlücken, dort mangelt es oftmals an Geldmitteln und Knowhow. Die Investoren kämen derzeit hauptsächlich aus China, Indien, Amerika und der Türkei.

 

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