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Computer-Kurse gegen den Piraten-Fluch: Reeder und SOS-Kinderdörfer bauen Bildungszentrum in Dschibuti

Relativ ruhig war es zuletzt an der Piratenfront am Horn von Afrika, die Probleme vor Ort aber sind längst nicht aus der Welt. Der Verband Deutscher Reeder (VDR) und die Organisation SOS-Kinderdörfer weltweit setzen deshalb auf Bildung als Waffe im Kampf gegen die Seeräuberei: In einem Armenviertel von Dschibuti haben sie ein nun neues Bildungszentrum für 200 Kinder und Jugendliche eröffnet.

Hamburg (afp) – Relativ ruhig war es zuletzt an der Piratenfront am Horn von Afrika, die Probleme vor Ort aber sind längst nicht aus der Welt. Der Verband Deutscher Reeder (VDR) und die Organisation SOS-Kinderdörfer weltweit setzen deshalb auf Bildung als Waffe im Kampf gegen die Seeräuberei: In einem Armenviertel von Dschibuti haben sie ein nun neues Bildungszentrum für 200 Kinder und Jugendliche eröffnet.

Von Sebastian Bronst

„Auf See bekämpfen wir nur die Symptome, die Ursachen der Piraterie liegen an Land“, sagte VDR-Präsident Michael Behrendt bei der Vorstellung des Projekts am Donnerstag in Hamburg. SOS-Kinderdörfer-Vorstandschef Wilfried Vyslozil nannte das in den vergangenen Monaten errichtete Zentrum, in dem jungen Menschen an Computern praktische berufliche Fähigkeiten lernen, ein „Signal der Aufwertung“ für eine Nachbarschaft, in der viele Menschen aus dem vom Krieg zerrissenen Somalia leben.

Jugendarbeitslosigkeit sei in Dschibuti wie in vielen anderen Ländern ein besonders drängendes Probleme, die Reaktionen der Einwohner auf die Eröffnung des Zentrums seien deshalb „enorm“ gewesen, berichtete Vyslozil von der feierlichen Zeremonie vor Ort an diesem Wochenende.

Dschibuti ist ein an Somalia grenzendes kleines Land, in dessen gleichnamiger Hauptstadt schätzungsweise 570.000 Menschen leben. Das Seegebiet vor Somalia machte viele Jahre durch eine neue Form der Piraterie Schlagzeilen, bei der bewaffnete Kommandos Handelsschiffe entführten.

Auch deutsche Reedereien, denen ein erheblicher Teil der globalen Handelsflotte gehört, waren von der Entwicklung schwer betroffen. Inzwischen hat sich die Lage durch den Einsatz privater Wachleute auf Schiffen und Patrouillen internationaler Kriegsschiffe beruhigt. Seit zwei Jahren wurde kein Schiff vor Somalia mehr erfolgreich gekapert.

Dass dies eine nachhaltige Entwicklung ist, glaubt beim VDR aber niemand. Sollte die Mission der Marinekräfte in der Region wieder beendet werden, dann „würde der ganze Spuk von vorne beginnen – über Nacht“, betonte Behrendt. Der Grund sei einfach: Die Piraten vor Somalia handelten aus existenzieller Not. „Es sind Verzweiflungstaten.“

Das neuartige sogenannte E-Learning-Center in Dschibutis Armenviertel Balbala soll hier ansetzen und verhindern, dass junge Menschen aus Mangel an Alternativen in die Kriminalität abrutschen. Balbala ist ein Magnet auch für Flüchtlinge aus dem nur wenige Kilometer entfernten Somalia. Schätzungsweise einige tausend Menschen kämen dort jede Woche neu an, berichtete Vyslozil. Das mache den Stadtteil zu einem „Pulverfass“. In Somalia selbst wäre der Bau und Betrieb eines solchen Bildungszentrums aus Sicherheitsgründen derzeit völlig unmöglich.

SOS-Lehrkräfte vermitteln den Kindern und Jugendlichen dort Computer-Grundwissen, damit diese ihre Bewerbungen schreiben und Ausbildungen bewältigen können. Außerdem transportieren sie berufsspezifische Kenntnisse zu EDV, kaufmännische Praxis und Sprachen. Alles wurde dabei speziell auf die Anforderungen des lokalen Arbeitsmarkts zugeschnitten.

Dschibuti sei ein boomender Hafenstandort, erläuterte Vyslozil. Die Stadt sei so etwas wie das Tor zur Welt für das wesentlich größere Nachbarland Äthiopien. Gerade sei in Dschibuti ein neuer Containerterminal gebaut worden, hinzu kämen Werften und Logistikbetriebe. „Es ist ein Land im Aufbruch.“ Viele Jugendliche dort strebten eine Arbeit etwa im Hafen an. Hierbei setze das Zentrum an.

Die Baukosten von 643.000 Euro teilten sich der VDR, die SOS-Kinderdörfer und das deutsche Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit, das das Bildungsprojekt von Anfang an begleitete. Die laufenden Kosten von rund 125.000 Euro pro Jahr trägt der Reederverband. Zunächst gilt das bis 2017, aber auch danach sei die Finanzierung gesichert, betonte VDR-Verbandsgeschäftsführer Ralf Nagel in Hamburg. „Das ist für uns ein langfristiges Engagement. Wir werden nicht 2017 die Flagge einholen.“

Foto: Armenviertel Balbala in Dschibuti-Stadt – von hier kommen die Schüler des E-Learning-Zentrums (Ralph Gladitz / SOS Kinderdörfer)

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