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Mitarbeiterbeteiligung – zunehmendes Interesse im Mittelstand

Mitarbeiterbeteiligung führt in Deutschland noch immer ein Schattendasein. Nur rund 4.500 Unternehmen bieten ihren Beschäftigten entsprechende Programme an. Dadurch verpassen sie die Chance, ihre Mitarbeiter stärker an den Betrieb zu binden und auch die Zufriedenheit zu steigern. Doch das Interesse der Unternehmen nimmt zu. Auf einer Expertentagung des Bundesverbands Mitarbeiterbeteiligung AGP wurden Erfahrungen hierzulande und im europäischen Ausland diskutiert.

Kassel (csr-news) > Mitarbeiterbeteiligung führt in Deutschland noch immer ein Schattendasein. Nur rund 4.500 Unternehmen bieten ihren Beschäftigten entsprechende Programme an. Dadurch verpassen sie die Chance, ihre Mitarbeiter stärker an den Betrieb zu binden und auch die Zufriedenheit zu steigern. Doch das Interesse der Unternehmen nimmt zu. Auf einer Expertentagung des Bundesverbands Mitarbeiterbeteiligung AGP wurden Erfahrungen hierzulande und im europäischen Ausland diskutiert.

Nach oben ist noch Luft, das wurde am europäischen Vergleich der Verbreitung von Beteiligungsprogrammen als auch der steuerlichen Rahmenbedingungen deutlich, den AGB-Geschäftsführer Heinrich Beyer präsentierte. Demnach liegt die Mitarbeiterbeteiligung in Deutschland bei den meisten Kriterien immer noch deutlich unter dem EU-Durchschnitt. So seien beispielsweise in den 2.500 größten Unternehmen in der EU im Durchschnitt 28,2 % der Beschäftigten am Kapital beteiligt. In den 220 deutschen Unternehmen aus dieser Gruppe sind es dagegen nur 17,3 %. Beyer sieht dabei die ungünstige steuerliche Behandlung in Deutschland als ein wesentliches Hemmnis. Dabei sind die Zeiten aus seiner Sicht geradezu ideal für Beteiligungsprogramme. Beyer: „Angesichts der unzureichenden Vermögensbildung in Deutschland und des extrem niedrigen Zinsniveaus ist dies eine renditestarke Alternative zu traditionellen Anlageformen“. Dass hier gegengesteuert werden muss, zeigen auch die Zahlen des Deutschen Aktieninstituts (DAI) zur Aktienkultur in Deutschland, die von Norbert Kuhn, Leiter Unternehmensfinanzierung, vorgestellt wurden. Danach investieren nur 7 Prozent der Deutschen in Aktien. In den USA sind dies 56 Prozent, in den Niederlanden 30 Prozent und in Großbritannien immer noch 25 Prozent. Ernüchternd ist auch die Zahl der deutschen Belegschaftsaktionäre, die von 2001 bis 2013 von 1,6 Mio. auf 1,2 Mio. zurückgegangen ist.

Doch obwohl es in den vergangenen Jahren auf europäischer Ebene zahlreiche Bestrebungen gab, Mitarbeiterbeteiligungen weiter auszubauen, kommt es nicht recht voran. Kevin O`Kelly, Executive Committee Member des europäischen Dachverbands IAFP: „Es hat eine Reihe von internationalen Projekten zum Stellenwert von Mitarbeiterbeteiligung gegeben und auch eine intensive Diskussion in verschiedenen Gremien in Brüssel; dies alles ist bislang jedoch ohne spürbare Auswirkungen auf die Bewertung des Themas in den einzelnen Mitgliedsländern der EU geblieben“. Dabei hat eine Mitarbeiterbeteiligung nicht nur positive finanzielle Aspekte, sondern steigert die Leistungsfähigkeit der Unternehmen insgesamt, wie Prof. Andrew Pendleton von der University of York deutlich hervorhob. Pendleton geht von Produktivitätseffekten von bis zu 3 Prozent aus, die allein mit der Einführung einer finanziellen Mitarbeiterbeteiligung erzielt werden können. Dabei sind es oftmals auch die Mitarbeiter, die auf eine Unternehmensbeteiligung verzichten. Markus Ott, Head of Corporate Finance bei der Deutschen Lufthansa AG, stellte die Belegschaftsaktienprogramme der Lufthansa vor und wies darauf hin, dass die meisten Mitarbeiter bei betrieblichen Anreizprogrammen immer noch eine hohe Liquiditätspräferenz haben, d. h. eine Auszahlung der Beteiligung gegenüber der Investition in das eigene Unternehmen vorziehen. Die Beteiligungsquote bei den Belegschaftsaktienprogrammen der Lufthansa liege aber mit durchschnittlich 42 Prozent immer noch deutlich über den deutschen und europäischen Mittelwerten.

Auch im Mittelstand wächst das Interesse an praktizierbaren Modellen der Mitarbeiterbeteiligung. Marcel Engelhardt von Rödl & Partner stellt in diesem Bereich ein kontinuierlich steigendes Interesse der Unternehmen fest. Dies sei auf den gravierenden Fachkräftemangel insbesondere in den wirtschaftlichen Wachstumsregionen Deutschlands zurückzuführen. „Es ist kein Zufall, dass wir in Baden-Württemberg geradezu einen Boom bei der Einführung von Erfolgs- und Kapitalbeteiligungen erleben“, so Beyer. „Mitarbeiterbeteiligung wird dort von den Unternehmen zu Recht als wichtiges Element einer positiven Leistungskultur angesehen, die entscheidende Alleinstellungsmerkmale hervorbringen kann“. Das Land Baden-Württemberg hat dazu ein Förderprogramm aufgelegt, um mittelständische Unternehmen mit einer geförderten Unternehmensberatung bei der Einführung einer Mitarbeiterkapitalbeteiligung zu unterstützen. Beyer: „Es bleibt aber die Forderung auch an Politik, Verbände und Gewerkschaften, die Bedeutung des Themas Mitarbeiterbeteiligung für Unternehmen und Gesellschaft zu erkennen und eine bessere Ausgestaltung der Rahmenbedingungen anzustreben.“