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Auf dem Weg zur ressourceneffizienten Volkswirtschaft

Deutsche Unternehmen sollen umweltschonender mit Rohstoffen umgehen, die deutsche Volkswirtschaft soll gar zur ressourcenschonendsten der Welt werden. Diese ehrgeizigen Ziele hat Bundesumweltministerin Barbara Hendricks bei der Konferenz zum Ressourcenschutz in Berlin erklärt. Allein durch den effizienteren Einsatz von Rohstoffen könnten Betriebe durchschnittlich über 200.000 Euro pro Jahr an Materialkosten sparen, europaweit könnten zwei Millionen Arbeitsplätze entstehen.

Köln/Berlin (csr-news) > Deutsche Unternehmen sollen umweltschonender mit Rohstoffen umgehen, die deutsche Volkswirtschaft soll gar zur ressourcenschonendsten der Welt werden. Diese ehrgeizigen Ziele hat Bundesumweltministerin Barbara Hendricks bei der Konferenz zum Ressourcenschutz in Berlin erklärt. Allein durch den effizienteren Einsatz von Rohstoffen könnten Betriebe durchschnittlich über 200.000 Euro pro Jahr an Materialkosten sparen, europaweit könnten zwei Millionen Arbeitsplätze entstehen.

Angesichts der globalen Begrenztheit natürlicher Ressourcen müsse auch Deutschland seinen Ressourcenverbrauch eindämmen. „Wir stehen vor der Herausforderung, mit weniger Rohstoffeinsatz und weniger Eingriffen in die Natur mehr Wohlstand zu erreichen“, so Hendricks zum Auftakt der dreitägigen Konferenz zum Ressourcenschutz. Eingeladen hatte das Umweltbundesamt, um gemeinsam mit Vertretern aus Unternehmen und der Politik die Rohstoffeffizienz in der Wirtschaft voranzutreiben. Die Ergebnisse sollen in einen Fortschrittsbericht zur Ressourceneffizienz einfließen, den die Bundesregierung im Frühjahr 2016 erstmals vorlegen will. Natürliche Ressourcen wie Rohstoffe, Trinkwasser und fruchtbares Land, aber auch die Artenvielfalt, sind die Grundlage für das Leben auf der Erde. Heutzutage werden weltweit doppelt so viele Rohstoffe verbraucht wie noch vor 30 Jahren. Während die Industrienationen den Großteil der globalen Wertschöpfung erwirtschaften, leiden die Entwicklungsländer überproportional unter den ökologischen und sozialen Folgen der Ressourcennutzung. Der Pro-Kopf-Konsum von Rohstoffen ist in Europa rund dreimal so hoch wie in Asien und viermal so hoch wie in Afrika. Allein in Deutschland liegt der Verbrauch bei rund 20 Tonnen pro Kopf und Jahr. UBA-Präsidentin Maria Krautzberger: „Im verarbeitenden Gewerbe entfallen schon heute rund 45 Prozent der Kosten auf Materialkosten, nur zwei Prozent auf Energie und unter 20 Prozent auf Personal. Wenn die Rohstoffpreise weiter in die Höhe schnellen, wird dieser Anteil steigen.“

Wie sich der Ressourceneinsatz bewerten lässt, damit hat man sich am Institut der deutschen Wirtschaft in Köln beschäftigt. Für die Bewertung spielt die Auswahl von Indikatoren eine wichtige Rolle, Indikatoren, die die internationale Arbeitsteilung und eine über das reine Wirtschaftswachstum hinausgehende Steigerung des internationalen Handels berücksichtigen. „So kann der ursprüngliche Rohstoffeinsatz dem Land der letzten Verwendung und nicht dem produzierenden Land zugerechnet werden“, schreiben die Forscher des IW. „Dies ist eine für Deutschland bedeutsame Korrektur“. Denn dann würden sich für Deutschland, auch im europäischen Vergleich, bedeutsame Fortschritte erkennen lassen. Hierzulande wird hauptsächlich der Indikator inländischer Materialeinsatz (Direct Material Input DMI) verwendet. Dieser misst die im Inland verwerteten und importierten Rohstoffe, Halb- und Fertigwaren, also die Materialien, die in das ökonomische System eingehen, die weiterverarbeitet, konsumiert oder exportiert werden. Im Rahmen der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie werden dabei nur abiotische Materialien (beispielsweise Eisen, Erdöl, Erze) betrachtet, während im europäischen Kontext auch biotische Materialien (beispielsweise land- und fortwirtschaftliche Erzeugnisse) berücksichtigt werden. Vom DMI abgezogen werden die exportierten Güter. Übrig bleibt der tatsächliche inländische Materialverbrauch (Domestic Material Consumption DMC). „Doch diese haben auch eine Vorgeschichte: Vom Rohstoff bis zur Ware an der Ladentheke wird das jeweilige Gut meistens leichter“, schreiben die Autoren. „Wenn man alles vom Ursprung her denkt, benötigt man sogenannte Rohstoffäquivalente für die gehandelten Produkte. Aus dem DMI wird dann der RMI (Raw Material Input) und aus dem DMC der RMC (Raw Material Consumption)“. Betrachtet man diese Werte, dann sank der Rohstoffverbrauch in den Jahren von 2000 bis 2008 doppelt so stark, wenn man die Vorstufen der Importe und Exporte berücksichtigt, als wenn man nur mit dem Eigengewicht kalkuliert. In der Summe ist es Deutschland also gelungen, das Wirtschaftswachstum vom Ressourcenverbrauch zu entkoppeln.

IW-Koeln

Dennoch gibt es weiteren Verbesserungsbedarf. Umweltministerin Hendricks sieht hier vor allem die Wirtschaft in der Verantwortung. „Wir müssen anderen Ländern vorleben, wie man sich technisch, wirtschaftlich und sozial entwickeln kann und gleichzeitig die Natur schützt. Ressourceneffizienz ist hier das Schlüsselwort“, so Hendricks. Aber auch die Politik ist nach Ansicht von UBA-Chefin Krautzberger gefordert. „Das Thema Ressourcen muss auf der politischen Agenda in Deutschland und Europa an vorderster Stelle platziert werden. Wir sollten als modernes Industrieland alles daran setzen, unseren Rohstoffverbrauch absolut zu senken. Es geht nicht nur darum, dass ein einzelnes Produkt effizienter produziert wird, sondern wir in der Summe weniger Rohstoffe für unseren Wohlstand benötigen.“

Dass in der Wirtschaft noch Potenziale bezüglich der Ressourceneffizienz vorhanden sind, zeigt beispielhaft eine aktuelle Studie des VDI Zentrums Ressourceneffizienz über Material- und Energieeinsparungen in der chemischen Industrie. Obwohl das Innovationsniveau der chemischen Industrie in Deutschland bereits sehr hoch ist, lassen sich insbesondere in kleinen und mittleren Unternehmen noch Optimierungsansätze finden, so ein Fazit der Studie. Verbesserungsmöglichkeiten in den Kernprozessen liegen der Untersuchung zufolge u.a. bei der Wiederverwendung von Lösemitteln, dem Recycling, der Prozessintensivierung und der Reinigung von Anlagen oder Bauteilen. Die Prozessperipherie könnte darüber hinaus in einigen Betrieben durch Verbesserungen der Wärmerückgewinnung, der Wärme- und Kälteversorgung, der Druckluftsysteme und der Elektromotoren effektiver gestaltet werden. Durch eine kontinuierliche Erfassung und Auswertung prozessrelevanter Daten ließen sich weiterhin ohne größeren Aufwand Kosteneinsparungen von fünf bis zehn Prozent realisieren, so die Analyse. „Ressourceneffizienz liegt im Eigeninteresse der Unternehmen, um Kosten zu senken und die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern“, sagt Martin Vogt, Geschäftsführer des VDI ZRE. „Um diese Potenziale zu realisieren, sollten die Unternehmen beim Aufbau eines konsequenten Ressourcenmanagements unterstützt werden. Dies beginnt vielerorts schon beim Sammeln aussagekräftiger, verwertbarer Informationen zum Ressourcenverbrauch im eigenen Betrieb, um sich die Kostentreiber vor Augen zu führen und den Blick für Ressourceneffizienz zu schärfen.“

UBA-Präsidentin Krautzberger rät auch dazu, das Thema Ressourcenschonung viel stärker gemeinsam mit dem Thema Klimaschutz zu diskutieren. Aber auch die Verbraucher können zur Ressourcenschonung beitragen. Alltägliche Geräte wie Mobiltelefone, Autos oder T-Shirts beanspruchen natürliche Ressourcen. Der Ressourcenverbrauch ist den Produkten des Alltags wie etwa bei Mobiltelefonen versteckt sich meist in den Herstellungsprozessen. Alle Produkte und Güter des alltäglichen Konsums tragen aber einen solchen „ökologischen Rucksack“: Für die Herstellung eines Mobiltelefons werden rund 60 Materialien, darunter rund 30 Metalle wie Kupfer, Gold, Silber oder Lithium sowie Keramik und verschiedene Kunststoffe benötigt. Allein der daraus resultierende Verbrauch von 1.300 Liter Wasser entspricht dem Trinkwasserverbrauch einer Person in 10 Tagen. So könnten Verbraucher ihre Geräte länger nutzen, alte gebrauchsfähige Geräte verkaufen und defekte Geräte reparieren oder zum Recycling bringen, um ihren Beitrag zu leisten. Hendricks verwies darauf, dass das Umweltzeichen „Blauer Engel“ den Verbrauchern hier Orientierung biete: „Hersteller müssen sich an klare Vorgaben halten, wenn Sie den ‚Blauen Engel‘ nutzen wollen. Je nach Produkt müssen sie Recyclingmaterial verwenden, auf Schadstoffe verzichten, Ersatzteile für eine Reparatur bereithalten und die Produkte recyclinggerecht konstruieren.“