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Engagement gegen Hunger wenig glaubwürdig

Im Rahmen der German Food Partnership (GFP) kooperiert das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) seit rund einem Jahr mit 30 großen deutschen Agrarkonzernen und Verbänden um den Hunger in der Welt zu bekämpfen. Die Organisation Oxfam wollte nun wissen, wie dieses nicht unumstrittene Projekt von der Bevölkerung wahrgenommen wird.

Berlin (csr-news) > Im Rahmen der German Food Partnership (GFP) kooperiert das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) seit rund einem Jahr mit 30 großen deutschen Agrarkonzernen und Verbänden um den Hunger in der Welt zu bekämpfen. Die Organisation Oxfam wollte nun wissen, wie dieses nicht unumstrittene Projekt von der Bevölkerung wahrgenommen wird. Dazu wurden 1.001 Bürger Anfang des Monats vom Meinungsforschungsinstitut Forsa um ihre Ansicht gebeten. Grundsätzlich findet eine Mehrheit, nämlich 62 Prozent der Befragten, gut, dass die Bundesregierung zur Bekämpfung des Hungers in der Welt mit Unternehmen aus der Privatwirtschaft zusammenarbeitet. Zwei Drittel aller Deutschen meinen aber, dass Agrar- und Chemiekonzerne wie Bayer und BASF sich ausschließlich wegen eigener Interessen wie der Profitsteigerung oder der Erschließung neuer Märkte bei der Bekämpfung des Hungers engagieren. Nur 28 Prozent glauben, dass dabei auch soziale Aspekte eine Rolle spielen. „Die Umfrage zeigt ganz klar, dass die Deutschen den Konzernen ihr Engagement bei der Hungerbekämpfung nicht abkaufen“, sagt David Hachfeld, Wirtschaftsexperte von Oxfam Deutschland. Allerdings lies die Fragestellung in diesem Punkt kaum ein anderes Ergebnis erwarten („Die großen Agrar- und Chemiekonzerne setzen sich ausschließlich wegen unternehmensinterner Interessen wie z.B. Profitsteigerung oder der Erschließung neuer Märkte bei der Bekämpfung des Hungers ein“. Möglich waren die Antworten „ja“ oder „nein, auch soziale Aspekte spielen eine Rolle“.). Die Mehrheit der Befragten ist zudem der Meinung, das eine Landwirtschaft, die traditionelle Anbaumethoden bewahrt und Böden und Ressourcen schont, der richtige Weg wäre, den Hunger zu bekämpfen. Das ist aber das genaue Gegenteil von dem, was die Agrarkonzerne forcieren, so Oxfam. „Sie drücken in der GFP massiv ihr Hightech-Saatgut und die dazu passenden Pestizide auf den Markt“. Oxfam geht davon aus, dass die Zusammenarbeit vor allem den Konzernen, die ihre Absätze steigern und sich neue Märkte aufbauen wollen, nützt. „Kleinbauern, die in Armut leben, bleiben auf der Strecke. Dabei stellen sie weltweit mehr als die Hälfte der knapp 900 Millionen Hungernden“, sagt Hachfeld. Ein Versuch der Organisation Einblick in die Vertragsunterlagen zu bekommen, blieb bislang erfolglos.