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Ver.de: Deutschlands erste nachhaltige Sachversicherung sucht Investoren

Ein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit, der sein gesamtes Versicherungskapital unter ethischen Kriterien verantwortungsvoll anlegt – das ist Ziel von Ver.de. Das erste Produkt – eine Hausratsversicherung – soll insbesondere ökologischen Ansprüchen gerecht werden. Welche Hürden bei der Gründung einer nachhaltigen Versicherung zu überwinden sind, haben die Initiatorinnen Marie-Luise Meinhold und Nga Le in den zurückliegenden Monaten erfahren.

München (csr-news) – Ein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit, der sein gesamtes Versicherungskapital unter ethischen Kriterien verantwortungsvoll anlegt – das ist Ziel von Ver.de. Das erste Produkt – eine Hausratsversicherung – soll insbesondere ökologischen Ansprüchen gerecht werden. Welche Hürden bei der Gründung einer nachhaltigen Versicherung zu überwinden sind, haben die Initiatorinnen Marie-Luise Meinhold und Nga Le in den zurückliegenden Monaten erfahren.

Vor dem Schritt in die Unternehmensgründung war die promovierte Wirtschafts- und Naturwissenschaftlerin Marie-Luise Meinhold zehn Jahre bei der Allianz tätig. „Die meisten Jahre waren gut“, sagt Meinhold. Eine Erfahrung aus dieser Zeit: „Der Finanzsektor ist weitgehend von ökologischen Themen getrennt.“ Der Einfluss von Kapitalanlagen auf die Zukunft unseres Planeten sein kaum im Blick, und zwar nicht nur bei den klassischen Investoren. „Auch Impact Investors wollen mit Versicherungen nichts zu tun haben. Das ist ihnen zu sehr um die Ecke gedacht“, hat die Versicherungsexpertin erfahren.

Wie Meinhold kommt auch Nga Le aus dem klassischen Versicherungsgeschäft. „Wir als Versicherungsbranche stecken in einem moralischen Tief“, sagt die Diplom-Kauffrau. Bei Ver.de engagiert sie sich derzeit für die Investorensuche und damit für das erfolgsentscheidende Kriterium. Die Herausforderung: Meinhold und Le wollen mit einem Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit (VVaG) demokratische Strukturen schaffen, die Kapitalkosten gering halten und neuen Geschäftsmodellen zum Durchbruch verhelfen: Dabei setzen die Initiatorinnen darauf, dass die Versichertengemeinschaft die Lösung ökologischer und sozialer Probleme mitträgt. Investoren bevorzugen dagegen Gesellschaftsformen wie eine Aktiengesellschaft, die ihnen eine umfassende Kontrolle über das Unternehmen gewähren. Zudem will Ver.de zunächst mit einem Kapitalstock von 3,5 Millionen Euro starten, was für Großinvestoren zu gering erscheint. Die Gründerinnen arbeiten während ihrer dritten Runde mit Investorengesprächen deshalb an Alternativen: Etwa daran, wie demokratische Eigentümerstrukturen und die Kontrolle der Investoren über ihr Kapital miteinander verknüpft und wie das nachhaltige Versicherungsgeschäft mit einem höheren Kapitalstock geführt werden kann. Bis Ende des Jahres soll das benötigte Kapital zusammenkommen. Dann rechnen die Gründerinnen mit einer schnellen Genehmigung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

Als erstes Produkt will Ver.de eine an ökologischen und sozialen Kriterien ausgerichtete Hausratversicherung anbieten. “Im Privatkundenbereich ist dafür ein relevantes Marktpotential vorhanden“, sagt Meinhold. Das Besondere: Ver.de will im Schadensfall einen ökologisch fairen Ersatz des zerstörten Hausrats ermöglichen und dazu 20 Prozent über dem ursprünglichen Wert des Haushaltsgegenstandes ausschütten. Die Versicherungsprämien werden in nachhaltige Kapitalanlagen investiert, liquide Mittel sollen bei Nachhaltigkeitsbanken – etwa der GLS-Bank, Triodos oder der Ethikbank – deponiert werden. „Wir investieren in erneuerbare Energien, soziale Projekte und die Bio-Landwirtschaft“, sagt Meinhold. Und die Kunden sollen an den Investitionsentscheidungen mitwirken können. Meinhold dazu: „Transparenz und Partizipation sind hohe Werte.“

Teurer als vergleichbare Angebote soll die Hausratversicherung trotzdem nicht werden. Dafür sollen zum einen effiziente Verwaltungsstrukturen und ein schlanker EDV-Bereich sorgen. Zum anderen wird mit den Kunden eine Mindestschadenshöhe vereinbart.

„Beim Start von Ver.de machen wir das, was wir beherrschen: das Haushaltsprodukt“, sagt Le. Drei Jahre hat die Arbeit an der Gründung von Deutschlands erster nachhaltiger Sachversicherung bisher in Anspruch genommen. Le: „Wir würden jetzt gerne sofort anfangen.“

Ver.de im Internet:
www.unser-ver.de

Foto: Die Gründerinnen Nga Le (links) und Dr. Marie-Luise Meinhold

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