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Augsburg oder Indien – Drogeriekette dm verärgert Kunden

Der unbedarfte Einkauf der Bloggerin Pia Drießen in einem Markt der Drogeriekette dm brachte den Stein ins Rollen. Eher zufällig entdeckte sie ein neues Modell der beliebten Pfandtaschen, wie sie dm bei Manomama in Augsburg produzieren lässt. Eines der wichtigsten Produkte für Manomama-Gründerin Sina Trinkwalder. Dadurch kann sie sozial benachteiligte Menschen einstellen, die in der Taschenproduktion wieder die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben bekommen. Die für beide Seiten gut funktionierende Zusammenarbeit hat nun Risse bekommen: Denn wie Drießen entdeckte, stammte diese Tasche aus dem dm-Markt gar nicht aus Augsburg, sondern aus einer indischen Textilfabrik.

Augsburg/Karlsruhe (csr-news) > Der unbedarfte Einkauf der Bloggerin Pia Drießen in einem Markt der Drogeriekette dm brachte den Stein ins Rollen. Eher zufällig entdeckte sie ein neues Modell der beliebten Pfandtaschen, wie sie dm bei Manomama in Augsburg produzieren lässt. Eines der wichtigsten Produkte für Manomama-Gründerin Sina Trinkwalder. Dadurch kann sie sozial benachteiligte Menschen einstellen, die in der Taschenproduktion wieder die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben bekommen. Die für beide Seiten gut funktionierende Zusammenarbeit hat nun Risse bekommen: Denn wie Drießen entdeckte, stammte diese Tasche aus dem dm-Markt gar nicht aus Augsburg, sondern aus einer indischen Textilfabrik.

Die entsprechende Meldung auf ihrem Blog verbreitete sich schnell und sorgte für starke Verärgerung bei dm-Kunden, denn die Drogeriekette hatte stets mit der fair und in Deutschland produzierten Tasche geworben. Zusätzliche Brisanz bekommt die Geschichte, weil die indische Tasche von der Produktion aus Augsburg kaum zu unterscheiden ist, das Design wurde einfach kopiert. Sina Trinkwalder war von der Entdeckung offenbar ebenso überrascht, wie sie in den sozialen Medien angab, und wollte zunächst den Dialog mit dm suchen.

dm-Geschäftsführer Christoph Werner versucht sich indes in Schadensbegrenzung. „Wir wollen für unsere Kunden die besten Taschen anbieten und diese sozial und ökologisch sinnvoll produzieren lassen“, teilte er in einer Presseerklärung mit. Er wolle auch weiterhin bei manomama produzieren lassen, „weil Produktionsbedingungen und Qualität unseren Anforderungen entsprechen“. Den Schwenk ins indische Tippur versucht er dagegen als Entwicklungshilfe zu verkaufen. „Bei der Herstellung von Taschen, wie auch von drogistischen Artikeln sind aus unserer Sicht neben der Schaffung von Arbeitsplätzen in Deutschland aber weitere Aspekte zu berücksichtigen“, so Werner. Er zielt auf eine Diskussion ab, dass aus den Dritte-Welt-Ländern lediglich Rohstoffe bezogen werden, die Veredelung der Produkte aber woanders stattfindet. Länder wie Indien würden deshalb auf dem Status eines Rohstofflieferanten verbleiben. Werner: „Es ist uns ein Anliegen, den Menschen in Indien nicht nur den Auftrag zu geben, Baumwolle zu pflücken, sondern auch in Eigenregie die Fertigung für Waren durchzuführen, die hier in Europa benötigt werden“. Bislang hätte dm damit, beispielsweise bei Kinderkleidung, gute Erfahrungen gemacht. Es würde darauf geachtet, dass die Produktion unter ökologischen und fairen Bedingungen stattfindet. So würden die in Indien produzierten Taschen das GOTS-Siegel tragen. „Das erscheint uns im Zuge einer globalen Arbeitsteilung zukunftsfähig und richtig“, so Werner. „Zusätzlich erbringen wir eine dm-spezifische Zusatzleistung: Mithilfe des Pfad-Finders machen wir unseren Kunden die Produktion sowie die Transportwege transparent“.

Tatsächlich hat Pia Drießen mittels des Pfad-Finders die Produktionsverlagerung aufgedeckt. Eine ungewohnte Situation für die beliebte Drogeriekette, die sonst eher als besonders verantwortungsvoll wahrgenommen wird. In den sozialen Medien drücken die Kunden ihren Zorn aus und fühlen sich von dm für dumm verkauft. Auch für die Tatsache, dass sich die Taschen aus Deutschland und Indien ähneln, hat dm auch eine einfache Antwort parat. „Das aktuelle Design ist bei unseren Kunden am beliebtesten.”