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Bundesregierung präsentiert „Forschungsagenda Green Economy“

Eine umfassende „Forschungsagenda Green Economy“ stellte die Bundesregierung am Dienstag in Berlin vor. “Wenn wir weiter wirtschaften wie bisher, ruinieren wir die Grundlagen unseres Lebens“, sagte Forschungsministerin Prof. Johanna Wanka (CDU). „Deshalb ist es wichtig, dass wir darüber nachdenken, wie wir Wachstum erzeugen, nachhaltiges Wachstum.“ Erarbeitet wurde die Forschungsagenda in einem zweijährigen Dialogprozess mit Industrie und Zivilgesellschaft.

Berlin (csr-news) – Eine umfassende „Forschungsagenda Green Economy“ stellte die Bundesregierung am Dienstag in Berlin vor. “Wenn wir weiter wirtschaften wie bisher, ruinieren wir die Grundlagen unseres Lebens“, sagte Forschungsministerin Prof. Johanna Wanka (CDU). „Deshalb ist es wichtig, dass wir darüber nachdenken, wie wir Wachstum erzeugen, nachhaltiges Wachstum.“ Erarbeitet wurde die Forschungsagenda in einem zweijährigen Dialogprozess mit Industrie und Zivilgesellschaft.

„Wir wollen den nachhaltigen Umbau der Wirtschaft voranbringen. Das geht nur mit Innovationen“, so Wanka weiter. Ein „zurück zur Natur“ sei angesichts der wachsenden Weltbevölkerung und Mega-Citys keine Option. Im Zuge der Agenda sollen Forschungskooperationen zwischen Unternehmen und der Wissenschaft ausgebaut werden. „Hier wollen wir auf den guten Erfahrungen aufsetzen und sehr viel Neues wagen“, sagte die Ministerin.

Kriterien für ethische Entscheidungen

Zugleich mit der Entwicklung neuer Technologien müssten ethische Fragen diskutiert werden. Etwa bei der energetischen Nutzung von Biostoffen: „Das darf nicht in Konkurrenz zur Lebensmittelkette stehen“, so Wanka. Die Forschung solle Kriterien ermitteln, wann die Nutzung einer Ressource wirklich nachhaltig ist.

Die „Forschungsagenda Green Economy“ soll die praktische Umsetzung von Forschungsergebnissen fördern und beschleunigen. Die Ministerin: „Wir brauchen Ideen, wir brauchen Forschungsergebnisse und wir müssen uns dann darum kümmern, dass die auch umgesetzt werden – möglichst in großem Maßstab.“ Als Beispiel nannte Wanka die Eröffnung einer Pilotanlage der Firma Sunfire in Dresden, in der aus Wasser und Kohlendioxid synthetische Flüssigkraftstoffe wie Benzin und Diesel hergestellt werden sollen. „Das ist ein Beispiel, wo Wirtschaft und Wissenschaft dieselbe Vision haben und an einem Strang ziehen“, sagte die Ministerin.

„Denken beleben“

Weiter sagte Wanka: „Neue Ideen einer nachhaltigen Ökonomie müssen das Denken beleben.“ Um Rebound-Effekte zu reduzieren, müsse zudem Konsumverhalten beeinflusst werden. „Wir wollen versuchen, durch unterschiedliche Strategien Bildung für Nachhaltigkeit noch stärker zu verankern, nicht nur an den Hochschulen, sondern auch an Volkshochschulen“, kündigte die Ministerin an.

Die „Forschungsagenda Green Economy“ soll als Leitinitiative in das Programm „Forschung für nachhaltige Entwicklung“ (FONA) eingebettet und ressortübergreifend vorangebracht werden. Andere Forschungsprogramme aus den Bereichen Bioökonomie, Produktion oder neue Werkstoffe sollen darin einfließen. Das Bundesforschungsministerium will bis zum Jahr 2018 insgesamt 350 Millionen Euro für die neue Agenda bereitstellen.

Deutschland: Erfolgreich nachhaltig

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) sagte bei der Vorstellung der Agenda: „Es geht uns darum, der Welt deutlich zu machen, dass man eine erfolgreiche Industrienation sein und zugleich nachhaltiges Wachstum fördern kann.“ Deutschland sei Exportweltmeister bei Umwelt- und Effizienztechnologien. Bei den Umwelttechnologien liegt der deutsche Weltmarktanteil bei 14 Prozent und die Branche steht hierzulande für etwa zwei Millionen Arbeitsplätze.

Angesichts von Klimawandel und hohen Biodiversitätsverlusten sei ein Umdenken gefordert. Hendricks weiter: „Deshalb ist es allerhöchste Zeit, dass wir unsere soziale Marktwirtschaft auch ökologisch auf die Höhe der Zeit bringen.“ Nachhaltigkeit sei jedoch nicht mit Verzicht gleichzusetzen. „Auch ein sozial-ökologisch ausgerichtetes Wirtschaftsmodell wird am Ende nur dann akzeptiert werden, wenn es Wohlstand schafft“, sagte die Umweltministerin. Denn: „Wir sind nicht trotz, sondern gerade durch unsere ökologischen Standards eine der führenden Industrienationen der Welt geworden und geblieben.“

Ökologie und Soziales zusammendenken

Zugleich betonte die SPD-Politikerin den Zusammenhang zwischen ökologischer und sozialer Verantwortung. „Gute Umwelt und gute Arbeit sind untrennbar miteinander verbunden, und das nicht nur hier, sondern weltweit und auch entlang der Lieferketten“, so Hendricks. Umweltbelastungen seien weltweit ungleich verteilt.

Aufgabe der Politik sei es, Sicherheit für Investoren und Unternehmer zu schaffen. Die Ministerin: „Die Green Economy braucht eine Klarheit der Politik und den Willen der Politik, Märkte ökologisch zu gestalten.“

Verlässliche Bedingungen schaffen

Das sieht auch Michael Otto, Aufsichtsratsvorsitzender der Otto Group, so: „Die Unternehmerinnen und Unternehmer benötigen stabile und verlässliche Rahmenbedingungen, sonst werden die notwendigen Investitionen nicht getätigt werden“, sagte Otto. Ein ständiges Nachsteuern bestrafe die Unternehmen, die ihr Handeln frühzeitig an nachhaltigen Rahmenbedingungen ausgerichtet hätten.

Green Economy sei nicht nur eine Frage der Technik, sondern auch der Menschen. Otto dazu: „Wenn wir den Menschen in unserem Arbeitsbereich keine Brücken bauen, dann werden wir sie verlieren.“ Gefordert seien Fortbildungen und die Einbeziehung von Nachhaltigkeitsanforderungen in die Ausbildung.

Für Deutschland sieht der Unternehmer in einem nachhaltigen Wirtschaften große ökonomische Chancen. Hier seien ein leistungsfähiger wissenschaftlicher Sektor, ein hohes Umweltbewusstsein in der Gesellschaft und ein weit gefächertes politisches Instrumentarium vorhanden. Otto weiter: „Die bewährte Innovationskraft einheimischer Unternehmen kann für die Erschließung neuer Märkte genutzt werden.“ Deutschland könne sich nur mit Innovationen, nicht aber mit der Massenproduktion auf dem Weltmarkt behaupten, wie die Verlagerung der Produktion von Sonnenkollektoren nach Asien gezeigt habe. „Diesen Wettkampf können wir nicht gewinnen, wir müssen deshalb noch viel entschlossener auf Innovation setzen“, sagte Otto.

Vorreiter Deutschland

Die Vorreiterrolle Deutschlands hob Prof. Jeffrey Sachs, Direktor des The Earth Institute der Columbia University, hervor. Deutschland dürfe sich bei der Energiewende aber nicht von anderen Staaten abkoppeln, sondern solle gemeinsame Lösungen mit anderen Staaten entwickeln – insbesondere mit Blick auf die Dekarbonisierung. „Mindestens 180 von 193 Ländern weltweit besitzen nicht das technologische Knowhow für einen solchen Durchbruch“, so Sachs.

Der Wissenschaftler forderte eine möglichst schnelle Abkehr von fossilen Energiequellen und sprach sich gegen weitere Ölbohrungen in Arktis und Tiefsee aus. Sachs: „Es gibt keine Verwendung für diese Ressourcen“. Eine besondere Verantwortung trage der Energiesektor. „Jedes neue Kraftwerk, das heute gebaut wird, muss ein CO2-neutrales oder nahezu CO2-neutrales Kraftwerk sein“, sagte der Ökonom.

Zugleich sprach sich Sachs für deutlich mehr Investitionen in Forschung aus: „Es ist unglaublich, wie wenig wir erfinden, um nachhaltige Entwicklung voranzubringen.“ Dabei sei eine Zusammenarbeit von öffentlichem Sektor, Unternehmen und Forschungsinstitutionen gefordert: „Wir brauchen weltweite Public-Private-Partnerships, um Low-Carbon-Technologien voranzubringen.“

Die „Forschungsagenda Green Economy“ >> als PDF zum Download

Foto: v.l. Michael Otto, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Otto Group, Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, Bundesforschungsministerin Johanna Wanka, Jeffrey Sachs, Director of The Earth Institute, Columbia University, USA.

Hier lesen Sie mehr über die Diskussionen auf der Konferenz:
>> Green Economy: Forschung marktorientiert fördern

Hier sehen Sie einen >> Videokommentar zur Konferenz.

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