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Verstöße gegen Hygiene- und Arbeitsrechtsvorschriften – Burger King kündigt Franchisenehmer

Burger King Europa hat heute mit sofortiger Wirkung die 89 Franchiseverträge mit der Yi-Ko Holding gekündigt. „Diese schwierige, jedoch notwendige Entscheidung wurde getroffen, nachdem sich die Yi-Ko wiederholt nicht an die vertraglich vereinbarten Arbeitsbedingungen für ihre 3.000 Restaurant-Mitarbeiter gehalten hat“, teilte das Unternehmen mit. „Die fortgesetzte Missachtung der Burger King Standards durch die Yi-Ko hat auch die Existenz der übrigen 165 Franchisenehmer und 25.000 Mitarbeiter in Deutschland gefährdet“.

München (csr-news) > Burger King Europa hat heute mit sofortiger Wirkung die 89 Franchiseverträge mit der Yi-Ko Holding gekündigt. „Diese schwierige, jedoch notwendige Entscheidung wurde getroffen, nachdem sich die Yi-Ko wiederholt nicht an die vertraglich vereinbarten Arbeitsbedingungen für ihre 3.000 Restaurant-Mitarbeiter gehalten hat“, teilte das Unternehmen mit. „Die fortgesetzte Missachtung der Burger King Standards durch die Yi-Ko hat auch die Existenz der übrigen 165 Franchisenehmer und 25.000 Mitarbeiter in Deutschland gefährdet“. Yi-Ko will sich laut Vorabbericht des „Handelsblatts“ (Donnerstagsausgabe) gegen die Kündigung wehren. Sie habe die Holding „komplett überrascht“, sagte der Interimsgeschäftsführer Dieter Stummel der Zeitung. Damit die Restaurants vorerst weitermachen könnten, wolle die Holding eine einstweilige Verfügung vor Gericht erreichen.

Ein RTL-Team um den Journalisten Günter Wallraff hatte im Frühjahr unter anderem über schwere Missstände in Filialen der Yi-Ko-Holding berichtet. RTL teilte am Mittwoch mit, die Kündigung sei nach einer neuerlichen Recherche von Wallraff erfolgt. Der Journalist und sein Team seien trotz der versprochenen Besserungen erneut auf Verstöße gegen Hygienevorschriften und Arbeitsbedingungen gestoßen. So seien Zutaten länger als die erlaubten vier Stunden ungekühlt in der Küche gelagert worden. Burger King hatte sich um die Beseitigung der Mängel bemüht, und den entstandenen Vertrauensschaden in die gesamte Kette zu begrenzen. In einer unmittelbaren Reaktion hatte man sich gemeinsam mit dem Yi-Ko-Management auf Veränderungen – unter anderem den Rücktritt von Yi-Ko-Gesellschafter und Geschäftsführer Ergün Yildiz – geeinigt. Mit einem umfangreichen Maßnahmenkatalog wurde ein Großteil der Vorwürfe systematisch mit Unterstützung von Managern aus der Burger King Zentrale umgesetzt.

Gleichzeitig wurde mit Aktionen wie dem „Tag der offenen Küche“ versucht, das Vertrauen der Gäste zurückzugewinnen. Scheinbar ohne nachhaltigen Erfolg, denn trotz erster Verbesserungen wurden in den Yi-Ko-Filialen gegen die getroffenen Vereinbarungen verstoßen. „Dies beinhaltete unter anderem, dass der ehemalige Geschäftsführer der Yi-Ko fortwährend Einfluss auf das Tagesgeschäft nahm, dass wiederholt gegen Arbeitsverträge verstoßen wurde und dass die Schichten der Restaurants unterbesetzt waren“, heißt es in der Mitteilung von Burger King. „Die Kündigung stellt für uns nur den letzten Schritt dar“, sagt Andreas Bork, Vice President & General Manager, Burger King Central Europe. „Leider mussten wir aufgrund der wiederholten Verstöße der Yi-Ko gegen operative und arbeitsrechtliche Standards sowie der daraus resultierenden Rufschädigung feststellen, dass die Yi-Ko kein Teil der Burger King Gemeinschaft bleiben kann.“

Schon vor einigen Wochen hatte die Yi-Ko Holding angekündigt, zum 31. März 2015 den Bundesverband der Systemgastronomie e.V. (BdS) zu verlassen und damit gleichzeitig aus der Tarifbindung auszutreten. Damit kam die Holding einem möglichen Ausschluss zuvor. BdS-Präsident Wolfgang Goebel: „Die BdS-Wertegemeinschaft ist ein gemeinschaftliches Gut, das unter keinen Umständen beschädigt werden darf. Wir haben kein Verständnis, wenn sich einzelne Mitglieder der zwingenden Tarifbindung und der starken Wertegemeinschaft entziehen wollen.“ Die vom Verband geforderte schriftliche Stellungnahme zu den Vorwürfen gegen Yi-Ko blieb bislang unbeantwortet.

Ein Großteil der betroffenen Restaurants war bereits heute geschlossen, andere haben zunächst geöffnet, müssen deshalb aber nun mit weiteren Konsequenzen rechnen. Auf jeden Fall werden die 89 betroffenen Restaurants nicht mehr mit neuer Ware beliefert. Unklar ist bislang was mit den Filialen geschehen soll und wie die Arbeitsplätze der betroffenen Mitarbeiter gerettet werden können. Burkhard Siebert, stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG): „Der Fokus der Anstrengungen aller Beteiligten muss jetzt darauf liegen, die Arbeitsplätze der rund 3000 Beschäftigten in den Restaurants zu sichern. Die Yi-Ko-Holding, allen voran der Gesellschafter Ergün Yildiz, hat seit der Übernahme der ehemals von Burger King in Eigenregie betriebenen 89 Filialen alles getan, um die Marke zu schädigen“. Siebert hätte sich bereits früher ein wirksames Eingreifen von Burger King gewünscht. Die Gewerkschaft musste in den vergangenen eineinhalb Jahren in mehreren hundert Fällen ihre Mitglieder vor Gericht unterstützen. Das Spektrum der Auseinandersetzungen betraf nicht gezahlte Urlaubsgelder oder Zuschläge, Kündigung im Fall von Krankheit oder die massive Behinderung der Arbeit von Betriebsräten. „Die Yi-Ko-Holding hat nachhaltig bewiesen, dass ihr deutsche Gesetze und Rechtsprechung egal sind“, so Siebert. „Wir werden jetzt sehr zeitnah mit unseren Betriebsräten zusammenkommen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Eines ist klar: Burger King Deutschland muss die Verantwortung für die Beschäftigten in den Filialen übernehmen und dafür Sorge tragen, dass sie nicht unter der von der Yi-Ko-Holding herbeigeführten existenziellen Krise leiden müssen. Sie müssen jetzt endlich im Fokus stehen.“

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