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Nachhaltigkeit in der Lieferkette – eine Chance

Nachhaltigkeit in der Lieferkette wird zu einem wesentlichen Baustein des nachhaltigen Wirtschaftens. Für Investoren stehen nachhaltige Lieferketten für die Reduktion von Liefer- und Reputationsrisiken; Konsumenten fordern transparente und skandalfreie Lieferketten, um eine bewusst nachhaltige Kaufentscheidung treffen zu können.

Hamm (csr-partner) – Nachhaltigkeit in der Lieferkette wird zu einem wesentlichen Baustein des nachhaltigen Wirtschaftens. Für Investoren stehen nachhaltige Lieferketten für die Reduktion von Liefer- und Reputationsrisiken; Konsumenten fordern transparente und skandalfreie Lieferketten, um eine bewusst nachhaltige Kaufentscheidung treffen zu können. Für Produzenten und Dienstleister ist eine nachhaltige Lieferkette immer mehr ein „Muss“, um bestehende Kundenbeziehungen zu festigen und zugleich eine Chance zur Gewinnung neuer Zielgruppen. Die internationale Organisation ISO hat bereits in ihren Standards zu Qualität-, Umwelt- und Energiemanagement (DIN EN ISO 9001, 14001 und 50001) entsprechende Aspekte aufgenommen. Die Ende 2015 zu erwartende Revision der 9001 und 14001 wird zudem einen verstärkten Fokus auf die Lieferkette zur Folge haben.

Definition „Nachhaltigkeit in der Lieferkette“

Nachhaltigkeit in der Lieferkette hat das Ziel, alle Wertschöpfungsschritte von Waren und Dienstleistungen unter wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Prämissen zu betrachten, d.h. die negativen Auswirkungen zu beheben bei gleichzeitiger Förderung einer verantwortungsbewussten Unternehmensführung. Für Unternehmen ergeben sich folgende Vorteile:

Ziele und Nutzen einer nachhaltigen Ausrichtung der Lieferkette

I. Risikomanagement: Das Risiko von Lieferausfällen, Versorgungslücken und Abhängigkeiten wird reduziert; Verminderung von Haftungsgefahren und Reputationsrisiken durch Einhaltung rechtlicher Bestimmungen

II. Wettbewerbsvorteile: Stärkung der Wettbewerbsposition durch Bereitstellung einer leistungsfähigen Lieferantenbasis und hoher Beschaffungsqualität, Verbesserung von Image und Gewinnung neuer Kunden

III. Effizienz und Produktivität: Prozessoptimierung und Standardisierung schafft Kostenreduktion, Professionalisierung, Systematisierung, Vereinheitlichung in der Lieferantenkette (in Anlehnung an die ISO-Standards)

IV. Kreativität durch Kooperation: Innovationskraft durch unternehmens-übergreifender Wertschöpfungsketten, Nutzen von Lieferanten-Know-How

Umsetzung in der betrieblichen Praxis

Über eine vertragliche Beziehung zwischen dem einkaufenden Unternehmen und dem Lieferanten hinaus, in der Fakten wie Menge, Preis, Termine und Qualität geregelt werden, müssen ökologische und soziale Aspekte in den Beschaffungsprozessen berücksichtigt werden.

D.h. das Unternehmen muss sich Einblick zu Themen (hier eine Auswahl) wie

> der Philosophie des Lieferanten

  • Besitzt der Lieferant Unternehmensgrundsätze zur Nachhaltigkeit?
  • Stellt der Lieferant Informationen und Auskünfte über Stoff- und Produkteigenschaften zur Verfügung?
  • Gibt es systematische Prozesse zur Sicherstellung der Einhaltung von rechtlichen Anforderungen?

> der Umsetzung von Nachhaltigkeitsaspekten

  • Verwendet der Lieferant umweltgerechte Verpackungen bzw. Mehrwegsysteme?
  • Ist der Lieferant aus der Region?
  • Werden zunehmend nachwachsende Rohstoffe eingesetzt?

> der Aktivitäten im Umweltschutz

  • Einhaltung gesetzlicher Anforderungen
  • Berücksichtigung der Auswirkungen auf das Umfeld
  • Ressourcenschonung
  • sowie Kinderarbeit, Arbeitszeiten, Behandlung der Mitarbeiter, Zwangsarbeit, Versammlungsfreiheit, Diskriminierung, interne Kommunikation, Löhne und Bezüge der Arbeitnehmer, Arbeitsschutz …

verschaffen, seine Anforderungen definieren und deren Erfüllung durch Vereinbarungen mit den Lieferanten sicherstellen.

Mit der vertraglichen Regelung solcher nachhaltigen Aspekte oder der Unterzeichnung eines sogenannten Code of Conduct (Lieferantenkodex) ist jedoch die Nachhaltigkeit einer Lieferkette noch nicht sichergestellt.

Erst durch die angemessene Anpassung interner vor- und nachgeschalteter Prozesse kann eine zufriedenstellende Sicherheit hergestellt werden. Die Erreichung einer 100%igen Sicherheit ist eher utopisch und erfordert einen enormen Prozessaufwand, der i.d.R. nicht mehr wirtschaftlich ist.

Schritte auf dem Weg zu einer nachhaltigen Lieferkette

  • Risiken und Chancen in der Lieferkette identifizieren
  • Benchmark mit vergleichbaren Unternehmen
  • Stakeholdergespräche führen (Erwartungen von Kunden, Behörden, Interessensverbänden, Wissenschaftler, NGOs, Lieferanten)
  • Ziele definieren (z.B. im Leitbild und/oder Code of Conduct)
  • Mitarbeiter informieren und schulen
  • Führungsebene Leistungsanreize geben
  • Prozesse und Verantwortlichkeiten anpassen

Ein Lieferantenmanagement fußt auf drei Kernprozessen:

  • Interne Regelungen zur Beschaffung

Mit dem Ziel, die eigenen Produkte oder Dienstleistung so nachhaltig wie möglich zu gestalten, wird der Prozess zur Auswahl der Lieferanten und die Beschaffung von nachhaltigen Materialien und Produkten durch eine Abfrage und Kontrolle von Nachhaltigkeitskriterien ergänzt: Die (Mindest-)Kriterien können z.B. in einer Einkaufsrichtlinie festgeschrieben werden.

  • Verbindliche Vereinbarungen mit dem Lieferanten

Die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten bei der Vertragsgestaltung mit Lieferanten etwa durch einen Code of Conduct (Lieferantenkodex) als Vertragsergänzung liefert den normativer Rahmen für eine Lieferantenbeziehung. Er sollte sich an der moralisch, ethischen Grundhaltung eines Unternehmens orientieren, die sich in dessen Leitbild wiederfindet. Er ist die Grundlage für eine kooperative, ehrliche und moralisch korrekte Zusammenarbeit mit jedem einzelnen Lieferanten. Durch Unterzeichnung verpflichten sich Lieferanten zu konkreten Vorgaben in Bezug auf nachhaltiges Wirtschaften, u.a. bzgl. sozialer und ökologischer Anforderungen. Kontroll- und Sanktionsmechanismen sollten vorab definiert werden.

  • Bedarfsgerechtes Lieferantenbewertungssystem

Im Zuge eines Qualitätsmanagements besteht in vielen Unternehmen bereits ein Lieferantenbewertungssystem. Dieses kann um Nachhaltigkeitsaspekte ergänzt und erweitert werden. Im ersten Schritt werden wesentliche Lieferanten identifiziert. Sie zeichnen sich beispielsweise durch große Liefermengen, hohes Umsatzvolumen, schwierige Substituierbarkeit oder auch als Lieferant eines wichtigen Baustein Ihres Produktes oder Ihrer Dienstleistung (z.B. eine Schraube, die in jedem Produkt enthalten ist und ohne die nicht ausgeliefert werden kann) aus. Durch eine solche einheitliche Methodik für die Bewertung potentieller und bestehender Lieferanten wird die (Nachhaltigkeits-)Leistung der Lieferanten vergleichbar und somit bewertbar. Das Unternehmen kann über seine Wahl die Nachhaltigkeit seiner Lieferkette beeinflussen.

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