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Generali-Versicherung will Daten zu Fitness und Ernährung sammeln

Joggen gehen mit dem Schrittmesser, hinterher einen Salat essen und diese Informationen in Echtzeit an den Versicherungskonzern weiterleiten: Die Versicherungsgruppe Generali plant für Deutschland ein „verhaltensbasiertes Versicherungsmodell“, bei dem Daten zu Fitness, Ernährung und Lebensstil gesammelt werden und eine gesunde Lebensführung mit Gutscheinen oder Rabatten belohnt werden soll. Kritiker sorgen sich dabei um den Datenschutz und die Solidarität unter Versicherten.

Köln (afp) – Joggen gehen mit dem Schrittmesser, hinterher einen Salat essen und diese Informationen in Echtzeit an den Versicherungskonzern weiterleiten: Die Versicherungsgruppe Generali plant für Deutschland ein „verhaltensbasiertes Versicherungsmodell“, bei dem Daten zu Fitness, Ernährung und Lebensstil gesammelt werden und eine gesunde Lebensführung mit Gutscheinen oder Rabatten belohnt werden soll. Kritiker sorgen sich dabei um den Datenschutz und die Solidarität unter Versicherten.

Von Christine Kellmann

„Wir wollen dem Zeitgeist entgegenkommen und den Leuten, die sich gerne vermessen, etwas bieten“, sagte Silvia Lorger-Michel, Sprecherin von Generali Deutschland, am Freitag AFP. Das Anreizprogramm sei „etwas innovativer“ als die Bonusprogramme, die heute schon von Krankenkassen angeboten würden. Bei dem neuen Produkt, das in den Sparten Lebens-, Berufsunfähigkeits- und private Krankenversicherung angeboten werden soll, will Generali Deutschland sich die Digitalisierung zunutze machen und möglicherweise spezielle Smartphone-Apps anbieten.

Zu diesem Zweck ist Generali eine Partnerschaft mit dem südafrikanischen Finanzdienstleister Discovery eingegangen, der das Gesundheitsprogramm Vitality entwickelt hat. Es belohnt Kunden, die sich nachweislich gesund verhalten, mit Gutscheinen für Reisen, mit Kino- oder Einkaufsgutscheinen sowie Rabatten. Durch „regelmäßige Kontakte“ zur Versicherung und „maßgeschneiderte Programme“ solle der Kunde motiviert werden, seine Lebensgewohnheiten zu verbessern, heißt es in einem der drei Grundsätze des „Vitality“-Modells.

Wie das Programm in Deutschland technisch funktionieren soll, steht laut Lorger-Michel noch nicht fest. So liegt ein Schrittmesser beim Joggen und Walking nahe, wie aber Yoga-Fans und Schwimmer ihre sportlichen Aktivitäten – womöglich in Echtzeit – an den Versicherer übermitteln sollen, kann die Konzernsprecherin noch nicht sagen. Es sei aber davon auszugehen, „dass es Mittel und Wege gibt, das auszumessen“.

Um „möglichst viele Anreize“ für ein gesundheitsbewusstes Verhalten zu schaffen, arbeitet Generali Deutschland noch an den passenden Belohnungen. Sicher ist nach Angaben der Sprecherin, dass diese in den Bereich „Lifestyle“ fallen. Im Laufe des nächsten Jahres, spätestens Mitte 2016, soll dieses Versicherungsprodukt angeboten werden.

Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg bewertete das Versicherungskonzept in der „Süddeutschen Zeitung“ kritisch. Der Kunde wisse gar nicht, wie seine Daten im Konzern verarbeitet würden, und wer Zugriff darauf habe.

Dieses Argument weist der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zurück. Versicherer seien seit jeher darauf angewiesen, Informationen von Kunden und Geschädigten zu verarbeiten. Dabei habe der Datenschutz höchste Priorität.

Andere Kritiker sehen das Solidaritätsprinzip von Versicherungen in Gefahr. „Wenn wir den Gedanken zu Ende denken, kann das letztlich zu einer Atomisierung des Kollektivs führen“, zitierte die „Süddeutsche Zeitung“ den obersten Versicherungsaufseher bei der Finanzaufsicht Bafin, Felix Hufeld. Auch Florian Lanz, Sprecher des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV), verweist darauf, dass bei privaten Krankenversicherern Gewinninteressen im Vordergrund stünden und nicht die Solidarität der Versichertengemeinschaft.

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