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Internationales Projekt zur Reduzierung von Nahrungsmittelverlusten

Ein Drittel der weltweit geernteten Nahrungsmittel geht verloren, bevor sie die Teller erreichen: Während das in den Industrieländern hauptsächlich durch Vergammeln in den Kühlschränken geschieht, liegt es in den Entwicklungsländern eher an Unzulänglichkeiten auf dem Weg zum Verbraucher.

Kassel (csr-news) > Ein Drittel der weltweit geernteten Nahrungsmittel geht verloren, bevor sie die Teller erreichen: Während das in den Industrieländern hauptsächlich durch Vergammeln in den Kühlschränken geschieht, liegt es in den Entwicklungsländern eher an Unzulänglichkeiten auf dem Weg zum Verbraucher. Wissenschaftler der Universität Kassel entwickeln im Verbundprojekt „GlobE – Reload“ mit afrikanischen Partnern Strategien, diese sogenannten „Nachernteverluste“ in Ostafrika zu reduzieren. Erste Ergebnisse liegen inzwischen vor und wurden nach einem Jahr Projektlaufzeit auf einer gemeinsamen Tagung präsentiert. „Zur Erhöhung der Ernährungssicherheit müssen nicht zwangsläufig die Erträge weiter wachsen – es wäre ökonomisch wie ökologisch wesentlich sinnvoller, weniger Lebensmittel zu verschwenden und die Verluste im Nacherntebereich zu minimieren“, erklärt Projektkoordinator Michael Hesse. Ein zentrales Anliegen aller Teilprojekte ist es, die Wertschöpfung dabei möglichst in den Herstellerländern zu belassen und die Veredlungsprozesse nicht – wie es allzu oft geschieht– in die Industrienationen zu verlagern. Zudem sollen Transportwege möglichst kurz gehalten werden.

Eine Forschungsgruppe der kenianischen Egerton University, begleitet in Nairobi einen Joghurtproduzenten. Die in Afrika bislang wenig verbreitete Joghurtherstellung ist ein erster Schritt, um schnell verderbliche Milch in ein länger haltbares Produkt zu veredeln. Im konkreten Fall beraten die Wissenschaftler den Produzneten bei der Herstellung geschmacksgebender Fruchtzubereitungen aus Mango, Ananas und Papaya, die bisher aus Südafrika importiert werden, aber ebenso gut im Lande hergestellt werden können. „Oft fehlt es einfach nur am nötigen Know-how und dem Vertrauen in die Qualität der eigenen Produkte“, erklärt Hesse. Eine andere Forschungsgruppe der Universität Nairobi befasst sich mit dem Thema Fleisch. Ihnen geht es zunächst darum, die Effizienz der Wertschöpfungskette zu erhöhen. Bislang werden Herden aus dem kenianischen Hochland über viele hundert Kilometer bis zu den zentralen Schlachthöfen nach Nairobi getrieben. Dort kommen die Tiere nicht nur abgemagert an, viele der ökonomisch unerfahrenen Hirten werden zudem oftmals von unseriösen Zwischenhändlern um große Teile des möglichen Verkaufserlöses gebracht. Die Wissenschaftler versuchen daher, die Logistik der Fleischerzeugung zu optimieren und den Produzenten zu fairen Preisen zu verhelfen. Ein deutsches Forschungsteam beschäftigt sich im Rahmen des Projekts mit der Süßkartoffel, genauer mit deren Lagerung.

Süßkartoffeln werden in über hundert Ländern der Welt angebaut und sind oftmals eine wichtige Ernährungsalternative bei Hungerkrisen im subsaharischen Afrika. Dies liegt zum einen am hohen Vitamin A-Gehalt der Pflanzen, zum anderen benötigen einige Sorten der Süßkartoffel nur drei Monate, bis sie geerntet werden können. Was schnell wächst, verdirbt in der Regel jedoch auch sehr schnell, so dass die Produzenten ihre Süßkartoffeln bislang – teilweise mit großen finanziellen Verlusten – innerhalb von zwei Wochen nach der Ernte verkaufen müssen. Ein solar betriebenes Lüftungssystem, soll nun die langfristige Lagerung der Pflanzen auch und gerade unter tropischen Bedingungen ermöglichen.

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